(Bild: Gerold Kunz)
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Ideale Zwischennutzung im Roten Haus

3min Lesezeit

Als Wassergasspaltanlage 1929 gebaut, wird das Rote Haus nun für die Ausstellung der Wettbewerbsarbeiten Entwicklung Areal Industriestrasse genutzt. Die Zwischennutzung zeigt das enorme Potenzial, über das diese mit Patina veredelte Industriehalle verfügt.

Die Ausstellung der Wettbewerbsarbeiten für die Entwicklung des Industriestrassen-Areals ist ein guter Grund, ab dem 21. Juni 2018 nach Luzern zu fahren. Alle Wettbewerbsarbeiten werden im Roten Haus, mitten auf dem ewl-Areal, sorgfältig präsentiert. Die Auslober fühlen sich offenbar dem hohen Stellenwert der Beiträge und der Besonderheit der Aufgabe verpflichtet. Die einzigartige Bauaufgabe hat zu einer Vielfalt an Projekten geführt, die in der Halle der ehemaligen Wassergasspaltanlage eingehend studiert werden können.

Eine neue Vision für städtisches Leben

Aus dem Verfahren ging mit «mon oncle» von Rolf Mühlethaler und Christoph Schläppi ein wegweisendes Projekt hervor, das die Bauentwicklung des Industriestrassen-Areals der kommenden Jahre lenken wird. Die Stadt Luzern erhält mit «mon oncle» nicht nur ein auf das Areal massgeschneidertes Projekt, sondern auch eine Vision für ein städtisches Leben, das den allgegenwärtigen Blockrand überwindet.

Das Rote Haus eignet sich hervorragend für die Präsentation der Arbeiten. Als Wassergasspaltanlage 1929 von den renommierten Architekten Möri & Krebs errichtet, liegt die Industriehalle seit Langem brach. Die technischen Einbauten wurden vor Jahren entfernt. Nun kehrt Leben in den an Patina reichen Industriebau zurück. Spuren des Gebrauchs zeigen sich an allen Oberflächen, sogar die originale Farbgebung (abgestufte Rottöne) an den Wänden ist erhalten geblieben.

Eine Reise in die Vergangenheit

Es handelt sich hier um ein industriegeschichtliches Denkmal erster Güte. Nicht nur innen, auch aussen erinnert das mit Pfeilern gegliederte Gebäude an einen sakralen Bau. Die konstruktiven Details haben sich aus der Nutzung ergeben. Die Pfeiler hatten die Aufgabe, die Wände vor dem Einsturz zu bewahren, falls die Wassergasspaltung zu einer Explosion geführt hätte. Und Fenster und Dächer wurden so konstruiert, dass diese dem Druck bei einer Explosion sofort nachgeben, um den Einsturz des Gebäudes zu verhindern.

Auf dem Areal befinden sich weitere Preziosen der jüngeren Architekturgeschichte, zum Beispiel das von Walter H. Schaad Ende der 1960er-Jahre gebaute Werkstattgebäude. Die Architekten Peter und Ulrich Schaad, deren Werk eben erst im Architektursalon Luzern präsentiert wurde, sind mit diesem Bau in den Architektenberuf eingeführt worden.

Sie arbeiteten nach dem Studienabschluss im Büro ihres Onkels. Schaads Bauten verdichten das ewl-Areal entlang der Fruttstrasse und umschliessen den Hof, in dem sich das Rote Haus befindet. Die unterschiedlichen Baukörper folgen einem übergeordneten Gestaltungskonzept, das mit Beton, Stahl, Glas und Welleternit arbeitet. Neue stehen neben alten Bauten, was dem ewl-Areal zu seinem unverwechselbaren Aussehen verhilft.

Patchwork-Architektur

Das Patchwork an Bauten auf dem ewl-Areal ist typisch für Industriearchitektur. Auch für das Weiterbauen im Industriestrassen-Areal ist dieses Konzept wegleitend. Mühlethaler und Schläppi haben dafür unterschiedliche Bauvolumen entworfen. Definiert bei Schaad das Material den gemeinsamen Nenner, übernimmt diese Funktion bei Mühlethaler/Schläppi die Konstruktion.

Jedes Gebäude folgt einem eigenen konstruktiven Konzept. Das ist zwar keine Erfindung der Architekten, sondern bereits in den heute bestehenden Bauten im Industriestrassen-Areal eingeschrieben. Die Architekten haben aber genau hingeschaut und die Botschaft verstanden. Nun ist zu hoffen, dass die Ausstellung im Roten Haus den Blick auf die bisher viel zu wenig beachteten Qualitäten der Industriebaukultur in diesem Teil Luzerns schärft.

Aus dem zentralplus Blog Architektur-Blog

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