Der neue Aussichtsturm ist öffentlich zugänglich. (Bild: Gerold Kunz)
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Der neue Aussichtsturm ist öffentlich zugänglich. (Bild: Gerold Kunz)

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Im Mai dieses Jahres hat die Vogelwarte Sempach im Wauwilermoos die Beringerhütte durch einen Aussichtsturm ersetzt. Der Holzturm zeigt, dass bei führenden Unternehmen in der Zentralschweiz gute Architektur für die Kommunikation zu wenig genutzt wird.

Anerkennung für den neuen Bau

Die Pilatusbahnen haben mit dem Neubau der Panoramagalerie von Graber & Steiger in Architekturkreisen grosse Anerkennung erhalten. Der ungelenke Neubau des Restaurants auf Fräkmünt, von der selben Bahngesellschaft wenig später erstellt, war keiner Fachzeitschrift eine Zeile wert. Der Auftrag wurde an kein renommiertes Büro vergeben. Schindler hat das von Roland Rohn 1957 erbaute Verwaltungsgebäude mit Detailliebe restauriert. Das von August Boyer zur gleichen Zeit erstellte Wohlfahrtsgebäude hat die Firma hingegen für den Abbruch freigegeben. Sie will es durch eine modernere Architektur ersetzen lassen. Die CS baute mit Andrea Roost an der Tribschenstrasse einen von der Zeitschrift Hochparterre in den höchsten Tönen gelobten Geschäftssitz. In den Erhalt des Gewerbegebäudes, der Mutter aller Bauten der Moderne in Luzern, steckt sie keinen Penny, obwohl sich Fachgutachten für eine nationale Bedeutung aussprechen.

Vogelwarte nimmt Turm in Betrieb

Die Auflistung zeigt, dass Luzerner Firmen in Sachen Architektur widersprüchlich entscheiden und offenbar auf keine adäquate Corporate Identity ihrer Architektur setzen. Jüngstes Beispiel ist die Vogelwarte Sempach. Für ihr Ausstellungsgebäude am Sempachersee hatte die Stiftung auf beste Architektur und ein innovatives Konstruktionsprinzip gesetzt. Das vom Bieler Architekturbüro mlzd: geplante Gebäude wurde in Lehmbauweise erstellt. Die Vogelwarte hat dafür viel Aufmerksamkeit erhalten. Im Frühling hat die Stiftung nun im Wauwilermoos mitten im Naturschutzgebiet einen Turm in Betrieb genommen, der die im Besucherzentrum formulierten Ansprüche an Architektur leider vermissen lässt.

Der Turm ist zwar eine schlichte Holzkonstruktion, aber von aussen an Unbedarftheit kaum zu überbieten. Dass es ein Gestaltungskonzept braucht, um aus der simplen Bauaufgabe ein Stück Architektur werden zu lassen, kann im Tierpark Goldau oder im Reussdelta in Flüelen überprüft werden. Für beide Orte hat der Bündner Architekt Gion A. Caminada zwei Türme entworfen (zentralplus berichtete), die nicht nur der Aussicht dienen, sondern auch die Landschaft bereichern.

Auch sind die Fenster unmotiviert auf der Fassade verteilt.

Gerlod Kunz, Architekt ETH SIA


Den Charakter der abgebrochenen Beringerhütte, ein schlichter Holzbau mit vertikaler Schalung, vermutlich aus der Gründungszeit der Vogelwerte Sempach 1924, nimmt der Aussichtsturm mit seiner naturbelassenen Holzverkleidung wieder auf. Die Stapelung der drei Geschosse, eine Containerbauweise, wird mit Unterbrüchen in der Schalung und mit Blechbändern nachgezeichnet. Auch die Brüstung der Terrasse wird von einem Blech abgeschlossen und das Geländer ist in feuerverzinktem Stahl. Diese Ansammlung von verschiedenen Materialien lässt ein Konzept vermissen. Auch sind die Fenster unmotiviert auf der Fassade verteilt. Das Ganze ist kein schöner Anblick.

Schade, misst die Vogelwarte dem Standort im Wauwilermoos nicht die gleiche Bedeutung bei, wie ihrem Hauptsitz am Sempachersee. Hätte sie sich auch hier für eine qualifizierte Gestaltung entschieden, hätte nicht nur der Ort davon profitiert, sondern auch die Firma. Mit diesem Turm nimmt die Vogelwarte eine unmissverständliche Haltung ein. Sie nutzt Baukultur nur für ihr Marketing und nicht aus ethischen Gründen, was zu bedauern ist.

Aus dem zentralplus Blog Architektur-Blog

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