Das jüngste Werk des Altmeisters Justus Dahinden liegt unterhalb der Kapelle von Moritz Raeber direkt am See. (Bild: Gerold Kunz)
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Das jüngste Werk des Altmeisters Justus Dahinden liegt unterhalb der Kapelle von Moritz Raeber direkt am See. (Bild: Gerold Kunz)

Was im Luzerner Vorort einmal war und heute ist

4min Lesezeit

An Kriens haben sich schon viele zeitgenössische Fotografen versucht. Nach Georg Aerni, Nicolas Faure, Mario Kunz, Walter Mair und Rolf Siegenthaler legt nun Tobias Madörin im Kunstmuseum Luzern seine ungeschminkte Sicht auf den Luzerner Vorort offen.

Der Star in der gegenwärtigen Ausstellung im Kunstmuseum Luzern ist ein Triptychon von Tobias Madörin, das eine Aufsicht über den Krienser Schlund zeigt, jenem Gebiet, das sich gegenwärtig in Transformation befindet. Mit diesem Bild nimmt Madörin das Wirkungsfeld des Malers Robert Zünd in den Fokus, der hier die Motive für seine Eichwald- und Schellenmattbilder fand.

Doch nicht nur Madörin, schon Georg Aerni, Nicolas Faure oder Rolf Siegenthaler hatten sich hier umgesehen. Auch sie fanden Baustellen, Siedlungsfragmente und harte Kontraste von bebautem und nicht bebautem Stadtgebiet. Bilder des Krienser Abschnitts aus Nicolas Faures fotografischer Studie zur Schweizer Autobahn haben sogar den Weg auf den Buchumschlag gefunden, zu einer Zeit, als LuzernSüd noch in den Anfängen steckte.

Zufahrt zum einst mondänsten Ort der Zentralschweiz

Aber nicht dieses Bild aus der Serie von Tobias Madörin kann als Originalabzug für 2'000 Franken im Kunstmuseum Luzern gekauft werden, sondern die Aufsicht mit Stansstad, Lopper und Pilatus. Mir wurde von einer Kollegin aus Zug, der speziell diese Aufnahme gefallen hat, «Pilatus» als Postkarte zugestellt, mit dem Vermerk: «Eine verlockend gewittrige Stimmung, die nicht von ungefähr an die Gemälde von Zünd erinnert.» Ich pflichte gerne bei, doch die Aufnahme hat bei mir mehr als eine Erinnerung an Zünd ausgelöst.

Stansstad und Lopper stehen für mich als Einzug der Moderne in Nidwalden, als der Kanton 1964 mit Autobahn und Eisenbahn an die Schweiz angeschlossen wurde. Ich kenne im Ort die Spuren, die den Beginn markieren. Es sind die Lopperkapelle von Moritz Raeber, gestiftet von der Familie Schindler aus Anlass der Eröffnung der Autobahn, aber auch die Achereggbrücke, die sich noch im Bau befand, als das Filmteam von Goldfinger, das von Andermatt nach Nidwalden kam, um am Hauptsitz der Pilatus Flugzeugwerke Szenen mit Gerd Fröbbe und Sean Connery zu drehen, nach Norden weiterzog. Auch das Wohn- und Geschäftshaus La Palma von Romeo Ugolini, das prominent am Ortseingang platziert wurde und bis heute mit seinem Namen und der halbtransparenten Aussenwand einen Hauch von Miami nach Nidwalden importierte. Denn Stansstad liegt auch am Zufahrtsweg zum Bürgenstock, dem damals mondänsten Ort in der Zentralschweiz.

Moderne Formen im Zentrum

Die Zeit ist in Stansstad nicht stillgestanden. Wer den Ort kennt, weiss, dass hier Scheitlin Syfrig vor fünfzehn Jahren ein vielbeachtetes Wohnhaus mit Holzfassade erstellt haben. Sie kamen auf Vermittlung von Köbi Gantenbein, dem heutigen Chefredaktor der Zeitschrift Hochparterre zum Auftrag, den die Geschwister Flüeler erteilten. Diese erbten das Haus und wollten mit dem Neubau zeitgenössische Architektur in Nidwalden einführen.

Jüngstes Beispiel ist der Ersatzneubau am Dorfplatz von Peter Affentranger, der moderne Formen ins Zentrum trägt. Als Gegenüber der Sust, dem Kunstmuseum Stansstads, erfüllt der Neubau die Funktion eines Prototyps, der die Grenzen heutigen Bauens im historischen Kontext auslotet. Auch der Hauptsitz der Zentralbahn ist auf dem Bild zu erkennen. Das mit einem eloxierten Alustabwerk umhüllte Verwaltungsgebäude zählt zu den besten Bauten der Unit Architekten, die auch den Kunst-Pavillon im Winkelriedhaus in Stans planten.

Dahinden, streitbarer Wegbereiter der Moderne

Ein Merkpunkt auf Madörins Aufnahme stellt auch das bogenförmige Gebäude auf der anderen Seeseite dar, das letzte Werk des Architekten Justus Dahinden, einem streitbaren Wegbereiter der Moderne in der Schweiz. Er wollte zuerst sein Gebäude als Keil aus dem Abhang ragen lassen, was aus baurechtlichen Gründen nicht ging. Sein erster Vorschlag für den nun realisierten Neubau sah zuerst einen in den Farben eines Regenbogens gegliederten Baukörper vor, was nicht bewilligt wurde. Nach dem Ausstellungsbesuch im Kunstmuseum Luzern, wo Zünds Regenbogenbild jenem Madörins gegenübergestellt wird, fragte ich mich, was Madörin aus diesem Motiv wohl gemacht hätte?

Aus dem zentralplus Blog Architektur-Blog

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