Peter Märkli gibt im Quart Verlag Einblicke in sein Schaffen. (Bild: zvg)
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Peter Märkli gibt im Quart Verlag Einblicke in sein Schaffen. (Bild: zvg)

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Der Zürcher Architekt Peter Märkli und das Team um den Luzerner Verleger Heinz Wirz wurden vom Royal Institute of British Architects RIBA mit Medaillen geehrt. Daraus ging ein gemeinsames Buchprojekt hervor, das soeben im Quart Verlag erschienen ist.

Unter den Schweizer Architekten gilt Peter Märkli als Ausnahmetalent, denn sein zeichnerisches Werk steht seinem Architekturschaffen in nichts nach. Im Unterschied zu anderen renommierten Architekten arbeitet er nicht mit anderen Künstlern zusammen, seine Architektur geht aus seinem zeichnerischen Schaffen hervor. Zeichnung und Bau stehen für Ausgangs- und Endpunkt eines Entwurfs, doch auch nach Vollendung eines Gebäudes bleibt in den Zeichnungen etwas vom Wesen der Architektur haften, ohne die das Gebäude nicht leben kann.

Doch «Kunst mit der Arbeit als Architekt zu verbinden ist sehr schwierig», weiss beispielsweise der russische Architekt und Künstler Alexander Brodsky, ein Bewunderer Märklis, der 2009 im Interview mit dem Architekturzentrum Wien vom Glück seines Besuchs in Märklis Museum «La Congiunta» in Giornico berichtet, als er «ein wenig Zeit davor und darin verbringen konnte».

Ein Schlüsselbau in Märklis Werk

1992 hat der Architekt aus Bewunderung für die Arbeiten des Künstlerfreunds Hans Josephsohn für dessen Plastiken in Giornico einen einzigartigen Raum geschaffen. Noch 2016 wurde das Museum von mehreren prominenten Schweizer Architekten in der Ausstellung «Schweizweit» im Architekturmuseum Basel als eines der wichtigsten Gebäude der Schweiz der vergangenen 25 Jahre bezeichnet. Märkli ist sich der enormen Bedeutung dieses Gebäudes bewusst. Seine jüngste Publikation, soeben im Luzerner Quart Verlag erschienen, setzt vermutlich gerade deshalb zu einer Werkübersicht nach «La Congiunta» an. Der Museumsbau ist einzig im Textbeitrag von Franz Wanner am Schluss des Buches mit einem Bild vertreten.

Peter Märkli wurde 2016 mit dem RIBA International Fellowships und der Quart Verlag mit dem RIBA Honorary Fellowship geehrt, zwei Auszeichnungen, wie sie nur wenige Schweizer vorweisen können. Aus dieser Ehrung ist das von Pamela Johnston herausgegebene gemeinsame Buchprojekt «Everything one invents is true» entstanden. Während Johnston schon für die 2002 erschienene erste Werkmonografie Märklis verantwortlich zeichnete, verlegt der Quart Verlag nach einem Buch mit den Skizzen nun auch Märklis zweite Werkmonografie.

Künstlerische Zurückhaltung

Während Gebäude wie das Wohnhaus an der Bäckeranlage in Zürich in der Zusammenstellung fehlen, verbindet die 2000 begonnene und 2004 vollendete Schule Im Birch in Zürich-Oerlikon die beiden Bände. Nachdem Märklis Architektur bis zur Jahrtausendwende stark von der Auseinandersetzung mit den Arbeiten Hans Josephsons lebt, scheint der Umbau und die Erweiterung der Modellschule von Viktor Hufnagel, zwischen 1969 und 1973 in Wörgl in Österreich erbaut, seine jüngere Architektur zu prägen. Im 1998 begonnenen und 2003 vollendeten Projekt hatte sich Märkli mit seiner Architektur dem Bestand untergeordnet, sodass die Eingriffe, die er als Verbeugung gegenüber der Architektur Hufnagels verstanden wissen will, im Gebäudeganzen aufgehen. Dass das Schulhaus Im Birch von den Erfahrungen in Wörgl profitieren konnte, hat der Kritiker Martin Tschanz schon 2004 festgestellt. Vielleicht hat sich hier der Architekt jene Zurückhaltung angeeignet, die auch seine jüngsten Arbeiten auszeichnet. Es mag zwar auf den ersten Blick paradox erscheinen, einem Architekten wie Peter Märkli mit seinem offensichtlichen Gestaltungswillen Zurückhaltung zu attestieren, doch wer sich seinem Werk nähert, wird bemerken, dass sich seine Bauten durchaus alltäglich verhalten.

Wer sich mit der Denkweise Peter Märklis vertiefen will: Am 31. August 2017 findet um 18.30 Uhr in der Galleria Edizioni Periferia an der Unterlachenstrasse 12 in Luzern in Zusammenarbeit mit dem BSA, Ortsgruppe Zentralschweiz, ein Gespräch mit Peter Märkli und dem Künstler Franz Wanner «Vom Anteil der Kunst in Architektur und Malerei» statt, wofür die Lektüre der Quart-Publikation die ideale Vorbereitung ist.

Aus dem zentralplus Blog Architektur-Blog

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