Die Erneuerung von Horws Mitte baut auf Kontrasten auf. (Bild: Gerold Kunz)
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Die Erneuerung von Horws Mitte baut auf Kontrasten auf. (Bild: Gerold Kunz)

Wo Horws neue Mitte entsteht

3min Lesezeit

Baut ein Investor, wird der Bauherr oft zur anonymen Person. Anders in Horw: Hier hat Beni Etienne die Rolle des Bauherrn eingenommen. Und er hat seinem Wohnhaus «Aqua» einen persönlichen Stempel aufgedrückt. Der erste Baustein für «horw mitte» lässt sich durchaus sehen.

Im September 2015 hat der Spatenstich stattgefunden, bis 2022 soll das 600 Millionen Franken schwere Projekt weitgehend stehen. Mit «horw mitte» wird um den Bahnhof Horw ein neuer Ortsteil entstehen. Die Planungen hatten 2011 mit einem städtebaulichen Wettbewerb begonnen. Mit dem Wohnhaus «Aqua» an der Ebenaustrasse bekommen die Pläne nun ein erstes reales Gesicht.

Hinter dem Projekt steckt Beni Etienne. Als Bauherr wollte er einen Beitrag zur Baukultur leisten und dennoch Wohnraum zu moderaten Preisen anbieten. Beides ist ihm gut gelungen. Er baute mit einem Generalunternehmer, doch den Entwurf steuerte der Architekt Andy Scheitlin bei. Dieser hat den Bauherrn bis zur Schlüsselübergabe beraten, viele Details wurden nach Plänen des Architekten ausgeführt, was dem Gebäude gut bekommen ist.

Der Bauherr und sein Haus

Etienne hat auch die Initiative für eine zusammenhängende Freiraumgestaltung ergriffen. So bekommen die Mieter auf ihrem Grundstück einen Park, den das Haus mit den Nachbarbauten verbindet. Auf dem Dach entsteht eine Solaranlage, die Strom in das erste in Europa installierte Batteriesystem TESLA Powerpack speist. Anschlüsse für Elektroautos sind in den Garagen vorbereitet. Im Keller ist die Technik für die Komfortlüftung versorgt. Der Abfall wird in einer Unterflur-Containerstation entsorgt. Kurz: Die technische Ausstattung der Wohnungen ist auf dem neusten Stand; der Bauherr hat sich mit seinen präzisen Vorstellungen eingebracht.

Die Architektur spricht eine genauso klare Sprache. Der Baukörper setzt sich von der Umgebung ab. Die moderne Gestaltung, die helle Farbe, die klare Kubatur: Merkmale, wie sie die benachbarten Industriebauten tragen. Während die vorhandenen Wohnbauten aus den 1960er- und 1990er-Jahren sich um eine heimatliche Stimmung bemühten, ist der Neubau für ein heutiges Publikum hergerichtet. Etienne sucht nach Mietern, die Horw wegen der Nähe zur Hochschule, zu Luzern oder zur Autobahn wählen.

Wo bleibt das Mobilitätskonzept?

Mein einziger Kritikpunkt am Projekt: Trotz der Lage in Gehdistanz zum Bahnhof, der für 27 Millionen Franken ausgebaut werden soll, gibt es kein Mobilitätskonzept, das seinen Namen verdient. Unter dem Park liegt eine Tiefgarage mit 44 Stellplätzen, weitere Parkplätze sind entlang der Strasse vorhanden, sodass jede Wohnung über einen Parkplatz verfügt. Hier wird gebaut, als ob die optimale städtebauliche Lage keine Alternative zulassen würde.

Diese Kritik lässt Beni Etienne nicht gelten. Der neue Park verbessere die Aufenthaltsqualität im Quartier, was die Mieter motiviere, ihre Freizeit zu Hause zu verbringen, was somit zu weniger Verkehr führe. Er glaubt, dass in Bahnhofnähe eine grosse Zahl an Parkplätzen notwendig ist, damit ein Umsteigen auf den ÖV gefördert werde. Heutige Mieter benutzen ÖV, Velo oder Auto je nach Bedarf. Für Etienne gilt die Eigenverantwortung als oberste Maxime.

Doch bei Verdichtung nach innen muss auch über unser Mobilitätsverhalten gesprochen werden. In der Schweiz wird ein Privatauto durchschnittlich eine Stunde am Tag genutzt. «Das ist pure Verschwendung», stellt der Stanser Mobilitätsexperte Conrad Wagner fest. In MaaS – «Mobility as a Service» – erkennt er einen neuen Megatrend, der viel weiter gehe als das CarSharing. «In Zukunft lassen sich völlig neue Verkehrssysteme bauen. Die Zutaten sind Online-Plattformen, Smartphones sowie gesteuerte und selbstfahrende Elektromobile (eMobile).» Und für diese Zukunft ist Etienne mit seiner Tesla-Batterie bereits gerüstet.

Aus dem zentralplus Blog Architektur-Blog

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