Die Bauten richten sich auf die Geleise aus. (Bild: Gerold Kunz)
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Die Bauten richten sich auf die Geleise aus. (Bild: Gerold Kunz)

Weichen für Sursee werden neu gestellt

3min Lesezeit

Die Pläne für die Entwicklung von Sursee zum Zentrum der Luzerner Landschaft bestanden schon vor den Zugsausfällen am Bahnhof Luzern. Nun erhalten sie Auftrieb. Das Ereignis in Luzern hat die Weichen für den Standort Sursee neu gestellt. Investoren fragen sich: Wieso bis nach Luzern fahren, wenn in Sursee in Bahnhofsnähe neue Angebote schon vorhanden sind?

Der Zwischenfall am Bahnhof Luzern hat eine erneute Beschäftigung mit der Bahnhofsfrage ausgelöst. Nach dem viertägigen Streckenunterbruch sind zahlreiche Stimmen laut geworden, die nun eine zügige Umsetzung des Tiefbahnhofs verlangen. Kritische Stimmen hingegen warnen vor falschen Hoffnungen und öffnen den Fokus auf eine nationale Ebene. Luzern müsse eine optimierte Streckenführung anstreben, die die Anbindung der Westschweiz ans Tessin verbessere. Von einem Alleingang ohne Allianzen mit anderen Regionen wird abgeraten. 

Vielfältige Nutzung

Geradezu ideal scheint deshalb der Zeitpunkt für die Eröffnung des Gewerbehauses «Center Point in Sursee» terminiert zu sein. Das im Juni bezugsbereite Haus liegt in Gehdistanz zum Bahnhof Sursee und bietet Raum für Büro und Gewerbe, aber auch ein Hotel soll darin entstehen. Nutzungen, die auch auf dem Areal des Güterbahnhofs Luzern angeboten werden könnten, wäre hier der Neubau von Rolf Mühlethaler schon im Bau.

Doch der Ausbau des Güterbahnhofs harzt. Mühlethaler hatte im Januar 2017 in der Architekturgalerie Luzern sein Projekt für ein über 220 Meter langes Gebäude entlang der Geleise vorgestellt. Die Stadt Luzern knüpft an diesen Bau die Hoffnung, als Standort für Firmen mit grossem Flächenbedarf ausgewählt zu werden. Doch der Zwischenfall am Bahnhof Luzern, als während vier Tagen der Gleisverkehr ruhte, hat vermutlich dieses Projekt erneut zurückgestellt.

Sursee im Fokus

Anders in Sursee. Die Kleinstadt profitiert seit Jahren von den guten Verkehrsanbindungen nach Bern und ist für Pendler attraktiv. Der Zwischenfall in Luzern lässt Sursee und die Neubauten in Bahnhofsnähe nun in den Fokus der Investoren rücken.

Das Gewerbehaus «Center Point» ist auf die Bahngeleise ausgerichtet. Die Brüstungsbänder leuchten in goldenen Farben. Das «Center Point» ist in zwei Gebäude gegliedert, zur Strasse entsteht ein Vorplatz, der jedoch von einem Kleinbau besetzt wird. Die Volumenmaximierung kennt hier keine Grenzen.

Der Wohnanteil ist in dieser gemischten Zone gering, obwohl eine grosse Nachfrage vorhanden wäre. Im gegenüberliegenden Gebäude, dem mit schwarzen Brüstungsbändern gegliederten Buchenhof, müssen im vierten Geschoss die ohne Bewilligung eingebauten Wohnungen zurückgebaut werden. Das hat das Kantonsgericht im März dieses Jahres entschieden.

(Bild: Gerold Kunz)

Buchenhof und «Center Point» sprechen die gleiche Architektursprache. Die wenigen gestalterischen Mittel sind optimal eingesetzt. Modische Attribute prägen die Bauten. Für feine Unterschiede wird dennoch gesorgt: Der Buchenhof hat einen Z-förmigen Grundriss, während «Center Point» auf Rechtecken aufbaut.

Ein Städtebau lässt sich hier nicht erkennen.

Die Flächen zwischen den Grossvolumen werden von Parkplätzen besetzt. Der Strassenraum erfährt keine Gestaltung. Zufällig stehen hier die Bauten nebeneinander. Nur Fragmente einer Stadt sind am Entstehen.

Anders in und um Luzern. Hier wird die Stadt im Vergleich zu Sursee qualitätsvoll weiterentwickelt. Die Neubauten ergänzen den Stadtkörper und haben das Ganze im Visier. Die Karte «Qualität der städtebaulichen Entwicklung» muss deshalb ausgespielt werden, um in Luzern den Bedarf für einen Tiefbahnhof zu begründen. Allianzen sind nicht nur mit den Nachbargemeinden um Luzern zu schmieden, sondern auch auf die Region (bis Sursee und Rotkreuz) auszudehnen.

Aus dem zentralplus Blog Architektur-Blog

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