160 Büros sind dem Aufruf des S AM gefolgt. (Foto: Gerold Kunz)
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160 Büros sind dem Aufruf des S AM gefolgt. (Foto: Gerold Kunz)

Rubys Architektur-Road-Show stoppt in Luzern

3min Lesezeit

Am 9. Februar gastiert Andreas Ruby, der neue Direktor des S AM, Schweizerisches Architekturmuseum in Basel, im Centro in Luzern. Seine Road Show macht noch vor Schaffhausen Station in der Metropole Zentralschweiz. Er wird über seine Konzepte und Ziele berichten, die der Neuling in seinem Museum verfolgen will.

In Luzern ist Architekturvermittlung ein wichtiges Traktandum im Jahreskalender. Neben der Hochschule für Technik und Architektur thematisieren der Quartverlag, die Architekturgalerie Luzern und die Architekturzeitschrift «Karton» das Architekturschaffen unter verschiedensten Blickwinkeln. Doch auch die vielen Berufsverbände tragen mit Veranstaltungen zum abwechslungsreichen Jahresprogramm bei. Nun haben sie am 9. Februar Andreas Ruby nach Luzern eingeladen, damit er ihren Mitgliedern seine Pläne präsentiert.

Doch dieser Antrittsbesuch kommt zu spät, denn Rubys erste Ausstellung «Schweizweit» ist bereits am Laufen. Darin werden 160 Schweizer Büros präsentiert, aber nur deren sechs aus der Zentralschweiz, was knappen vier Prozent entspricht und somit keinen repräsentativen Querschnitt darstellen kann. Nur von einem Büro weiss ich, dass es trotz Einladung nicht dem Aufruf folgte, was bedauerlich ist.

Was bietet die Metropole Zentralschweiz an?

Hingegen kann das Schweizerische Architekturmuseum auf Zusammenarbeiten mit dem Luzerner Büro Graber & Steiger verweisen. Sie hatten 2014 eine Ausstellung zu Architektur und Klang eingerichtet und werden diesen Herbst eine zweite folgen lassen. Ihrem Engagement ist also zu verdanken, dass die Bilanz in der Beziehung S AM – Zentralschweiz nicht schlecht ausfällt.

Die Frage sei erlaubt: Was kann unsere Metropole Zentralschweiz einem schweizerischen Architekturmuseum denn bieten? Sempach als das aktuelle Wakkerpreis-Stadtbild? Eine Handvoll ausgezeichneter guter Bauten, deren Aktualisierung demnächst vorliegt? Den Architekten Daniele Marques als letztjährigen städtischen Kunstpreisträger? Diese respektable Liste könnte für ein Schwerpunktprogramm schon mal genügen, möchte ich meinen.

Zentralschweizer selten anzutreffen

Aber leider sieht die Realität anders aus: Vieles von dem, was die Zentralschweiz in Sachen Architektur zu bieten hat, dringt nicht nach Zürich, Basel oder Bern. Hingegen ist die Zentralschweiz offen für die Schweiz und Europa, wie Bauten von Nouvel, Kollhoff, Koolhaas oder Breuer bezeugen. Wichtige Wettbewerbe werden regelmässig von Büros gewonnen, die ihren Arbeitsschwerpunkt in anderen Städten haben, weil sie in die Zentralschweiz zu Studienaufträgen eingeladen werden. 

Ausserhalb ihrer Region sind die Zentralschweizer Architekten nur selten anzutreffen. In Schieflage geratene Wettbewerbsergebnisse werden von nationalen Grössen ins Lot gebracht, wie das Beispiel Hergiswald zeigt. Und von gewichtigen Architektur-Leitmedien werden profilierte Luzerner Architekten unter Kopierverdacht (Lussi + Halter) gestellt, während Werke von Architekten, die sich selbst kopieren, euphorisch besprochen werden (Andrea Roost).

Doch wird uns Ruby keine Antwort auf derartige Fragen geben. Seine aktuelle Ausstellung stimmt dennoch hoffnungsfroh. Sein Aufruf ist deutlich genug: Beteiligt euch! 
 

S AM Schweizerisches Architekturmuseum, Basel
Schweizweit, bis 7.5.2017
Blind Dates am 16.2.2017, 16.3.2017 und 27.4.2017, jeweils 19 Uhr 

Aus dem zentralplus Blog Architektur-Blog

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