Mit Projektionen und farbigen Teppichen überlagert Frauke Dannert die vorhandene Architektur und verfremdet Räume und Raumerlebnis. (Bild: Gerold Kunz)
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Mit Projektionen und farbigen Teppichen überlagert Frauke Dannert die vorhandene Architektur und verfremdet Räume und Raumerlebnis. (Bild: Gerold Kunz)

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In der Ausstellung im Kunstmuseum Luzern bekommt Bertrand Goldbergs Prentice Womans Hospital ein zweites Leben. Es wurde 2014 abgebrochen und steht nun in der Arbeit von Frauke Dannert wieder auf.

Belebt mit Menschen soll dieser Ausstellungsraum zum besonderen Erlebnis werden. Die Personen scheinen darin zu schweben, wurde mir berichtet. Frauke Dannert hat mit Teppichen und Farbe den hintersten Raum im Kunstmuseum Luzern neu ausgelegt. Kritische Stimmen vermuten hier Dekorateure am Werk. Doch wer sich auf die Stimmungen einlässt, wird mehr als nur Oberflächen entdecken.

Kuratoren gestalten Räume in der Regel mit der sorgfältigen Platzierung der ausgewählten Kunstwerke. Ob eine lineare Abfolge, eine flächige Verteilung an Wand und Boden oder die Bezugnahme auf Sichtachsen, diese Mittel stellen ihr stark eingegrenztes Repertoire dar. In der aktuellen Ausstellung von Franke Dannert nimmt sich die Künstlerin auch des Ausstellungsraumes an. Und sie platziert darin ihre wenigen Werke an ausgewählten Orten, sodass der Raum einem Parcours folgend durchschritten wird.

Die Bildgruppen funktionieren wie Stationen, an denen wir als Schiffe anlegen. Vor der Weiterfahrt richten wir den Blick auf die nächste Haltestelle, um quer durch den Raum zu stechen. Damit erfahren wir die Raumgestaltung aus verschiedenen Perspektiven. Durch diese Bewegungen wird die Arbeit belebt. 

Direkter wirken die Collagen, der Kern der Ausstellung. Bertrand Goldbergs Prentice Womans Hospital bekommt darin ein zweites Leben. Das Gebäude wurde 2015 abgebrochen und steht nun mit der Arbeit von Frauke Dannert wieder auf. Mit Petitionen und Aufrufen wurde in Chicago gegen den Abbruch dieser Ikone des Brutalismus protestiert. 29 Millionen Menschen haben die Botschaft der Aktivisten vernommen.

Architekten und Künstler hatten sich für den Erhalt eingesetzt, darunter namhafte Pritzker-Architektur-Preisträger. Die Chicagoer Architekten Norman Kelly haben einen modifizierten Grundriss entwickelt, indem sie die Rundungen in ein Vieleck verwandelten. Die Zeitschrift MAS Context widmete dem Abbruch eine mehrseitige Reportage. Im Trendcafe Lula hing lange Zeit sogar eine Fotoarbeit eines mir nicht bekannten Fotografen. Und die Architekten Perkins + Will haben die bestechende Idee des Goldberg-Grundrisses in ihrem Neubau für das New Hospital Tower Rush University Medical Center adaptiert.

Dannerts Collage ergänzt diesen Reigen gut. Ihre Umformung lässt das Gebäude neu wahrnehmen und den Wert dieser Architektur benennen. Von der Schwere des in Beton gegossenen Baus bleibt in ihrem Bild wenig erhalten. Hingegen bleibt die Faszination an dieser singulären Architektur durch ihre Collage am Leben. 

Dieser Kurzfilm dokumentiert den Kampf um den Erhalt des Prentice Womans Hospital: 

Aus dem zentralplus Blog Architektur-Blog

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