Ein Blick in die Ausstellung. (Bild: Gerold Kunz)
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Ein Blick in die Ausstellung. (Bild: Gerold Kunz)

Mühlethaler prägt das Luzerner Stadtbild

3min Lesezeit

Mit den Projekten Rösslimatt und Tivoli wird Rolf Mühlethaler das Stadtbild von Luzern prägen. In der Architekturgalerie Luzern sind nun seine aktuellen Arbeiten ausgestellt. Und in vier Werkstattgesprächen stellt sich der Architekt der öffentlichen Diskussion.

Mit «Angestrebte Schönheit» betitelte vor einem Jahr die IG Stadtentwicklung listig ihre Veranstaltung zur geplanten Überbauung der Rösslimatt in Luzern. Hier wollen die SBB eine grosse Wohn- und Geschäftsüberbauung nach Plänen des Architekten Rolf Mühlethaler realisieren, was die IG Stadtentwicklung auf den Plan rief. Als drohendes Szenario beschwor sie das Gespenst einer Luzerner Europaallee herauf. In der Diskussion vermisste sie Antworten auf Fragen zur sozialen Durchmischung und zum bezahlbaren Wohnungsbau.

Soziale Dimensionen

Nun gibt die Architekturgalerie Luzern Einblick in die Werkstatt von Rolf Mühlethaler. Der Architekt präsentiert neben dem Projekt Rösslimatt auch den Entwurf für einen neuen Pavillon für ein Seerestaurant, den Yachtclub Luzern beim Tivoli und die Schwimmhalle auf dem Campus Sursee.

Der Wettbewerb für den Pavillon am Quai wurde diesen Herbst entschieden. Doch der kleine Holzbau hat viel mit den beiden anderen Luzerner Projekten gemeinsam. Zwar wird die Schwimmhalle in Sursee in Beton erstellt, doch auch sie baut auf einer Struktur von Stützen und Balken auf. Und auf die grossstädtischen Dimensionen in der Rösslimatt antwortet das 221 Meter lange Gebäude mit einem feingliedrigen Fassadenrelief, das aus Veranden und Stützen besteht.

Antworten auf Fragen zur sozialen Dimension der Projekte werden mit der Sanierung der Überbauung Tschanergut in Bern und dem Grossprojekt Freilager Albisrieden in Zürich gegeben, Projekte, die von den Medien interessiert aufgenommen wurden. In Bern blieb sozialer Wohnungsbau trotz Sanierung erhalten und in Zürich wurde ein bestehendes soziales Umfeld mit einer Neuanlage erweitert.

«Rolf Mühlethaler legt dar, dass es um mehr als oberflächliches Design geht.»

Die Ausstellung «Fragile Ordnung» in der Galerie Tuttiart, in welcher die Architekturgalerie seit 2013 Gastrecht geniesst, zeigt einen Querschnitt durch das Schaffen des Architekten, der sein Metier von Grund auf erlernt hat. Nach seiner Lehre als Hochbauzeichner und einem Studium am Technikum Burgdorf hat Mühlethaler in diesem Jahr an der TU in Berlin unterrichtet, eine Anerkennung über die Landesgrenzen hinaus. Aus Berlin anreisen wird der Grazer Architekt Florian Riegler, der die Serie der vier Werkstattgespräche eröffnen wird. Diese widmen sich der Ausbildung und dem Metier (14.12.16), dem Bauen im Bestand (11.1.17), der Zusammenarbeit mit Ingenieuren (18.1.17) und dem Städtebau (25.1.17).

Lehrstücke statt Selbstdarstellung

Damit stellt sich der Architekt seinem Publikum. Rolf Mühlethaler legt in der Ausstellung dar, dass es ihm um mehr als oberflächliches Design geht. Seine Suche nach der richtigen Lösung findet ihren Abschluss in einer präzisen Struktur, die in den ausgestellten Modellen und Plänen sichtbar wird. Aus dieser gehen räumliche Qualitäten hervor, sowohl im Aussenraum wie auch im Gebäudeinnern.

«Die zurückhaltenden Eingriffe des Architekten unterstützen die Nutzung.»

Der Umbau der ehemaligen Tuchfabrik Schild zur Hochschule der Künste in Bern zeigt, auf welch hohem Niveau sich Mühlethaler mit denkmalpflegerischen Fragestellungen beschäftigt. Hier sind es die Spuren des Industriebaus, die das Wesen der Architektur ausmachen. In den originalen Bodenbelägen und der Gebäudestruktur lebt der Geist des Industriebaus weiter. Die zurückhaltenden Eingriffe des Architekten unterstützen die Nutzung und sind keine Selbstdarstellung, sondern ein Lehrstück im Bauen im Bestand.

Zur Ausstellung wird in der Edition Architekturgalerie ein Katalog erscheinen.

Aus dem zentralplus Blog Architektur-Blog

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