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Zuger Bauprojekte werden kritisch diskutiert

5min Lesezeit

Setzen oder Klotzen

Obwohl eine grosszügige öffentliche Nutzung rund um die Bauvolumen von den Projektvertretern versprochen wird, ist man nicht sicher, wie angenehm diese grossformatige Volumetrie an diesem Ort auf den Fussgänger wirkt. Dass es keine Vorder- und Rückseite der Gebäude gibt (resp. keine Unterscheidung einer mehr oder eben weniger repräsentativen Fassade) ist an dieser Stelle zwischen Bahnhof und Metalli durchaus passend. Man möchte den erhöhten Bahndamm als Charakter künftig mehr betonen und freistellen.

Investorengürtel Baarerstrasse West. (zvg. Tanja Rösner-Meisser)
Investorengürtel Baarerstrasse West. (zvg. Tanja Rösner-Meisser)

Lokale Industrie mit wenig öffentlicher Nutzung

Wirklich massig wird es aber bei der V-Zug (Hosoya Schaefer Architects), deren Vertreter leider nicht vor Ort waren. Einer lokalen Industrie gewährt man aus traditionellen und emotionalen Gründen oft mehr als auswärtigen Investoren. Trotzdem lässt das Model erahnen, dass zwischen den Bauvolumen kaum Platz für eine flexible Nutzung für die Öffentlichkeit bleibt.

Natürlich hat das verhältnismässig kleine Zug zum heutigen Zeitpunkt einen beschränkten Bedarf solchen Zonen, aber jetzt haben wir die Möglichkeit diese für die Zukunft zu schaffen. Verbaut ist verbaut, zumindest für eine bestimmte Dauer. Apropos, Mitte Dezember sollen neue Zahlen zur Wachstumsprognose veröffentlicht werden.

Das Gebiet V-Zug mit massigem Modell. (zvg. Tanja Rösner-Meisser)
Das Gebiet V-Zug mit massigem Modell. (zvg. Tanja Rösner-Meisser)

Dichte zu Gunsten der Infrastruktur-Nutzung

Im Vergleich zu anderen Städten ist Zug bereits kompakt und dicht gebaut. Ich unterstütze die eingeschlagene Richtung, um diese Dichte auch weiterhin beizubehalten – zu Gunsten der Infrastruktur-Nutzung und bewussten Schaffung von Grünzonen und Plätzen. Natürlich immer unter Berücksichtigung der Wohnqualität: Natürliche Belichtung, Wohnungstiefen unter 12 bis 14 Meter, Mischung der Wohnungsgrössen und realistische Finanzierbarkeit.

«Eine natürliche Nach-Verdichtung hat man für das Herti-Quartier auf dem Schirm.»

Eine Nutzungstrennung birgt die Gefahr von «Schlafstätten», welche nicht dem Menschen und seinen natürlichen Bedürfnissen entsprechen. Eine natürliche Nach-Verdichtung hat man für das Herti-Quartier auf dem Schirm. Bis Mitte des Abends wurden die hineingesetzten Hochhausbauten vermutlich nur von wenigen Anwesenden überhaupt bemerkt. Ein gutes Zeichen für ein gesundes Wachstums in einer ursprünglich flexibel gebauten Strukur.

Die Verdichtung des Herti-Quartiers. (zvg. Tanja Rösner-Meisser)
Die Verdichtung des Herti-Quartiers. (zvg. Tanja Rösner-Meisser)

Vorhandene Qualitäten betonen

Die Architekten der Quartiere mussten sich den kritischen Fragen stellen und haben sich gut geschlagen. Ein Politiker hat sich sehr angriffslustig mit der Aussage geäussert, die lokalen Planer seien mit einer Stadtplanung überfordert. Ein weiterer Politiker wollte unbedingt wissen, was der richtige Massstab einer Arealbebauung sein – quasi als allgemeingültige Regel für das gesamte Stadtgebiet.

«Ziel für die Zukunft muss sein, dass noch vor der Projekt-Überarbeitung die Zuger Fachplaner zu einer kritischen Diskussion am Modell eingeladen werden.»

Beide scheinen nicht begriffen zu haben, dass sich eine Stadt über Generationen hin entwickelt und sich darin unterschiedliche Situationen ergeben. Auf diese individuellen Rahmenbedingungen müssen Planer eingehen – dafür gibt es kein allgemeingültiges Rezept. Zum Glück, denn Zug ist nach wie vor dabei die zweifelsfrei vorhandenen Qualitäten zu betonen und auch zwischen den Zentren Orte mit Identität zu schaffen.

Kritische Diskussionen sind zukunftsweisend

Diese Diskussion am Modell ist ein wichtiger Schritt auf diesem Weg. Auch wenn an diesem Abend nicht alle Fragen beantwortet worden sind geschweige denn eine einheitliche Meinung resultiert ist, war es ein erfolgreicher Anlass der Stadt Zug um die baulichen Entwicklungen kritisch zu hinterfragen.

Ziel muss in Zukunft sein, dass nach durchgeführtem Wettbewerb aber noch vor der Projekt-Überarbeitung, die Zuger Fachplaner zu einer kritischen Diskussion am Modell eingeladen werden. Kritische Fragen und Inputs können so noch vor der Überarbeitung und Ausarbeitung zu einem Bebauungsplan einfliessen. Und natürlich ist dafür nichts hilfreicher als ein Stadtmodell, welches sich dann künftig bis nach Cham, Steinhausen und Oberwil ausdehnt.

Aus dem zentralplus Blog Architektur-Blog

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