Neubau  zwischen Gartenstadt und Industrie (Bild: Daniel Rösner)
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Neubau zwischen Gartenstadt und Industrie (Bild: Daniel Rösner)

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Langsam, aber stetig entstehen an den Rändern der Gartenstadt Zug verhältnismässig mächtige Ersatz-Neubauten. Weder diese wichtige Lage noch ein vorausgehender Bebauungsplan konnte die Qualität hier sicherstellen.

Die kleine Gartenstadt im Nordwesten der Stadt Zug wurde nicht erst dieses Jahr mit der neuen Nordstrasse 1–5 angefressen. Bereits vor Jahren hat der lange rote Riegel an der Nordstrasse 6–20 den östlichen Rand markant verändert. Nun hat die raumhaltige Lärmschutzwand Gesellschaft erhalten.

Tatsächlich ist die raumplanerische Situation nicht anspruchslos. Die Nordstrasse ist als Zubringer für die Autobahn eine intensiv befahrene Verkehrsachse. Eine solche Lärmbelastung erfordert zum Ruheschutz der Gartenstadt (und der gartenstadtseitigen Fassade des Neubaus) eine entsprechende Fassadenhöhe und Gebäudelänge. Unter- oder Durchbrüche hätten den Wohnungsbau eleganter gemacht, diesen Nutzen aber verringert. Gut erlebbar ist dies an der rötlichen Nordstrasse 6–20. Die Öffnungen für die Fussgänger im EG ermöglichen die Durchgängigkeit, transportieren den Lärm aber fast wie Trichter in die Gartenstadt hinein. Auch bei diesem Neubau gibt es im EG eine Passage, diese ist aber zweifach abgewinkelt, was den Schall etwas zu brechen vermag.

Nun positioniert sich der Wohnblock zudem exakt zwischen der kleinteiligen Gartenstadt und den grossflächigen Industriebauten des Siemens-Areals. Die Antwort auf die Frage, an welchem baulichen Massstab man sich orientierte, wurde wohl durch die Lärmproblematik wesentlich geprägt. Materiell hingegen mischen sich die Inputs beider Seiten, indem die städtische Putzfassade mit einer dunklen, industriellen Klinkerfassade kombiniert wurden. Dieser Wechsel (2 Bauherren resp. 2 Architekten) geschieht direkt vor der markanten Strassenkurve. Diese schwarze Ecke erscheint dann direkt vis-à-vis der hellen, alten Klinkerfassade der Siemens-Gebäude. Diese Geste hat ästhetische Qualität. Dem Materialübergang hätte aber wesentlich mehr Plastizität gutgetan. Zum Beispiel wenn man mit einer gekrümmten Fassade die Strassenkurve übernommen hätte, dann aber mit einer grosszügigen «Schattenfuge» dazwischen. Oder aber ein Materialübergang in einer Gebäude-Ecke. Klar ist auch, dass der Fassadenversatz der Harmonie des ganzen Gebäudevolumens nicht dienlich ist.

Die strassenseitige Befensterung ist für einen Lärmschutzriegel (im verputzen Bereich) aussergewöhnlich grossflächig, die muralen Elemente haben zu wenig Fleisch am Knochen. Schön ist das Sockeldetail bei der Klinkerfassade, bei welchem eine leichte Profilierung die Fläche auflöst. Die Umgebungsgestaltung ist noch in Arbeit. Wir werden auch in Zukunft die Entwicklung in und rund um die Gartenstadt beobachten. Diese Entwicklung an der Nordstrasse ist leider trotz Bebauungsplan kein guter Vorbote. 

Aus dem zentralplus Blog Architektur-Blog

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