Der Standort für die neue Fussgängerbrücke befindet sich unmittelbar vor dem organgefarbenen Wohnhaus (rechts). (Bild: Tanja Rösner-Meisser)
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Der Standort für die neue Fussgängerbrücke befindet sich unmittelbar vor dem organgefarbenen Wohnhaus (rechts). (Bild: Tanja Rösner-Meisser)

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In Cham steht nicht nur eine Brücke zur Diskussion, sondern es geht auch um den Umgang mit Entscheidungen und Planenden.

Schweizer bauen gerne Brücken in der Schweiz. Nicht dass wir aussergewöhnlich viele Flüsse hätten, wir scheinen uns nur  gerne gut zu vernetzen. Schweizer bauen auch gerne Brücken im Ausland, insbesondere Toni Rütimann à la «Toni el Suizo», welcher in Lateinamerika und Asien bereits mehr als 600 Hängebrücken unentgeltlich realisiert hat. Aber auch Spanier bauen gerne Brücken, der Architekt Santiago Calatrava hätte dies auch gerne in Cham getan. (zentral + berichtete am 6. Oktober 2015: Dock keine «Luxus-Brücke» für Cham.) Was ist passiert?

Am 17. Juni 2013 hat die Bevölkerung von Cham dem Baukredit in Höhe von 495'000.- Franken für die neue Fussgänger- und Velobrücke zugestimmt. Eine kleine Vision wurde geboren, denn Calatrava sollte dem kleinen Projekt seine Handschrift verleihen.  Die anderen fünf angefragten Ingenieurbüros haben anscheinend kein Engagement gezeigt. Bis im November 2014 lagen der Gemeinde Cham mehrere Entwurfsskizzen vor, um die Realisierbarkeit zu klären. Die drei Meter breite Brücke war in deren Qualität durchaus überzeugend. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es aber weder einen gültigen Planervertrag und auch keine Gespräche mit den Anwohnern.

Zuger Gemeinden sind mit der Umsetzung von Stararchitektur nicht sehr vertraut. Weder die Projekte von Peter Zumthor in Risch noch der Park Tower von Hans Kollhoff konnten (aus unterschiedlichen Gründen) wie ursprünglich geplant umgesetzt werden. Ein ähnliches Schicksal wird nun vermutlich auch die Arbeit von Santiago Calatrava erleiden.

Zweifelsohne kann ein solches Projekt, kaum jemals einer ganzen Gemeinde zusagen. Sei dies aus ästhetischen oder finanziellen Gründen z.B. der Angst vor Budgetüberschreitung des planenden Architekten. Das Vorhandensein weiterer 5 Brücken in Zentrumsnähe fördert die Einigkeit nicht, Lorzenweg hin oder her. Trotzdem, Gemeinderat und die Chamer Bevölkerung haben sich zu einem früheren Zeitpunkt für das Brückenprojekt ausgesprochen. Es zeugt nun nicht von Respekt für die Arbeit eines Planers, dieses nun einzustampfen. Dies gilt auch für den Respekt dem abstimmenden Volk gegenüber. Eine Brücke wird es trotzdem geben, etwas günstiger und somit mutmasslich auch architektonisch weniger anspruchsvoll. Ein Teil des Planungsbudgets ist verpufft und eine weiteres attraktives Projekt in der Schublade verschwunden. Am 7. Oktober 2015 hat Santiago Calatrava vermelden lassen, dass er das Projekt gerne den Anforderungen entsprechend überarbeiten möchte. Wir halten die Augen und Ohren offen.

Aus dem zentralplus Blog Architektur-Blog

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