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Eine Preziose aus Holz haben die Luzerner Architekten Hummburkart für den Nidwaldner Künstler Rochus Lussi entworfen. Das Künstlerhaus steht selbstbewusst mitten im gepflegten Wohnquartier in Stans.

Künstlerhäusern geht der Ruf voraus, dass sie an Visionärem kaum zu überbieten seien. Für Künstler zu bauen bedeutet für Architekten, für aussergewöhnliche Menschen ein aussergewöhnliches architektonisches Werk zu errichten: Gebäude, die im Rückblick als Anker in der Zeit verstanden werden; Werke, in denen Antworten auf aktuelle Fragestellungen aufscheinen. 

Als Manifest in Beton wurde zum Beispiel das Wohn- und Atelierhaus des Urner Künstlers Heinrich Danioth in Flüelen 1937 vom Aargauer Architekten Adolf Studer-Lussi erstellt. Legendär ist das Wohnatelier von August Bläsi, ein Werk von Albert F. Zeyer und eine Ikone der Zentralschweizer Moderne, 1938 in Luzern erstellt. 

Bekannt ist aber auch, dass Künstler launige und eigensinnige Bauherren sein können und gerne auch die Autorenschaft ihres Hauses beanspruchen. Hans Erni, der sein Wohn- und Atelierhaus 1958 in der Büttenen nach «seinen Dispositionen» von den Architekten Josef Gärtner und Paul Gassner ausführen liess, oder der Fotograf Otto Pfeiffer, der sich bei seinem Wohnhaus auf dem Hasenberg oberhalb von Udligenswil auf ein Vorprojekt von August Boyer stützte, sind prominente Beispiele. 

Nun haben die Luzerner Architekten Hummburkart für den Nidwaldner Künstler Rochus Lussi eine Preziose aus Holz entworfen. Das Künslerhaus steht selbstbewusst mitten im gepflegten Wohnquartier in Stans. Von aussen gibt sich das wenig auffällige Haus nicht sofort als Künstlerdomizil zu erkennen. Weder sind nach Norden orientierte Atelierverglasungen auszumachen noch unterscheidet sich das Gebäude von modernen Holzbauten, die in den Medien gerne als ökologische Musterhäuser präsentiert werden. 

Dennoch ist dem Gebäude etwas eigen, das sich nicht auf den ersten Blick erschliesst. Sind es die vertikal montierte Holzschalung mit der teerigen Oberfläche (die Oberfläche wurde geflammt!), die unterschiedlich grossen und frei angeordneten Fenster oder das abgestufte Gebäudevolumen mit dem keck aufragenden Kamin, die zum eigenwilligen Charakter beitragen? 

Beim Rundgang mit dem Architekten Peter Humm wird mir klar, was den Wert dieses Gebäudes ausmacht. Es ist die Präzision, die aus dem gewöhnlich erscheinenden Wohnhaus ein grossartiges Bauwerk macht. Der aussen und innen in Holz gefertigte Bau ist eine handwerkliche Meisterleitung. Jedes Detail sitzt. 

Aus dem zentralplus Blog Architektur-Blog

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