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An der Luzerner Tribschenstrasse hatte der Berner Architekt vor ein paar wenigen Jahren für den Neubau der CSS eine eigenwillige Fassade aus bedrucktem Glas entwickelt. Nun hat der erfolgreiche Architekt in Bern sein Luzerner Werk kopiert. Dieses Verhalten markiert einen Tiefpunkt in der Architektur.

Zwei voluminöse Neubauten flankieren den Länggass-Eingang des Berner Bahnhofs. Sie sind vom Architekten Andrea Roost entworfen worden. Dabei kopiert der viel beachtete Architekt seine eigene Fassade, die er vor ein paar wenigen Jahren für den Neubau des CSS-Gebäudes an der Luzerner Tribschenstrasse entwickelt hatte. Schadet der erfolgreiche Berner Architekt mit diesem Vorgehen dem Ansehen der Architektur? Sein Verhalten regt zum Widerspruch an.

Als Inspiration dienen uns Architekten viele  Quellen. Das eigene Werk zu kopieren ist unter Kollegen spätestens seit dem globalen Wirken von Mario Botta verpönt. Seine Bauten im gut wiedererkennbaren Botta-Stil langweilen die Fachgemeinde. Da haben es Architekten wie Herzog & de Meuron besser: sie überraschen die Fangemeinde regelmässig mit Neuen, gegenwärtig sogar mit überdimensionierten Architekturen in der Stadt Basel.

Über die Inspiration der Basler Architektenstars wird vielfältig gerätselt. Viele sehen deren Interesse an Kunst als wichtigster Baustein ihrer Schöpfungen. Anderen fallen die Bezüge zur Architekturgeschichte auf und sehen in deren Werk einen Reflex auf Arbeiten von Grössen wie dem Finnen Alvar Aalto. Sicher ist, dass auch Architekten wie Herzog & de Meuron ihre eigenen Werke kopieren – aber wegen dem grossen output werden selten kritische Stimmen laut.

Wieso muss ich mir also Sorgen um die Architektur machen, wenn ich die Berner Neubauten von Andrea Roost betrachte? Ist es gerechtfertigt, einen qualifizierten Kollegen in diesem Blog an den Pranger zu stellen?

Antworten auf diese Frage kann sich nur jeder selber geben. Für mich verstösst die direkte Übernahme einer eigens für Luzern entwickelten Glasfassade gegen die Grundsätze meines Architekturverständnisses. Ich glaube einem Architekten nicht, dass seine für den Standort in Luzern entwickelte Architektur mit den Erfordernissen in Bern kompatibel sein soll. Hier hat es sich der Architekt zu einfach gemacht.

Die Übernahme der Gestaltung der Glasfassaden für das Projekt in Bern wertet das Projekt in Luzern ab, macht dessen Architektur beliebig. Genau betrachtet sind die Fassaden zwar nicht wirklich identisch und ich muss zugestehen, dass ich die Unterschiede nicht sofort erkannte. Wesentlich ist aber, dass die bedruckte Glasscheibe das prägende Gestaltungselement dieser auf minimale Details reduzierten Architektursprache ist. Und hier hätte ich etwas Mehr an Überraschung erwartet, denn so genial ist die Lösung nun wirklich nicht, dass sie kopiert werden muss.

 

Aus dem zentralplus Blog Architektur-Blog

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