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Beton verfügt über zahlreiche Eigenschaften, welche im Baugewerbe architektonische Freiheiten ermöglichen. In Baar an der Baarermattstrasse wird das Material gar grosszügig eingesetzt.

Beton ist grundsätzlich ein wunderbares Material. Das Gemisch aus Bindemittel und einer bestimmten Gesteinskörnung ist Fundament vielfältiger architektonischer  Konzepte. In Verbindung mit Stahl, Kunststoff- oder Glasfasern erhält man nicht nur ein druckfestes Fundament sondern auch Bauteile, welche auf Zug belastet werden können. Im Gegenzug dient der Beton dazu, dass der eingesetzte Stahl nicht rostet und im Brandfall nicht vorzeitig seine Form und somit seine Funktion verliert. Diese Schwerpunkte der Eigenschaften führen dazu, dass dieses Material für eine Vielzahl von Konstruktionen eingesetzt wird. Begonnen beim historischen Kuppelbau bis hin zum Wellenbrecher.

Ähnlich Vielfältig sind die gestalterischen Optionen. Je nach Baustil wird der Beton gewaschen, gesägt, gestrahlt, gesäuert oder poliert. Eine aufwändige aber umso ästhetischere Bearbeitungstechnik ist das Stocken oder der Einsatz von Brettschalungen aus ungehobeltem Holz. Mittels Glasfaser wird der Beton lichtleitend und kommt immer mehr auch im Innenausbau zur Anwendung.

Die Betonproduktion ist aber auch für CO2-Emissionen verantwortlich. Das Brennen des Zements ist sehr energieaufwendig und verursacht in der Schweiz rund  9% der vom Menschen verursachten Emissionen. Der Abbau von Sand für die Bauwirtschaft verbessert die Bilanz nicht. Nun, da gibt es immerhin den Recyclingbeton, bei welchem je nach Anforderung die Gesteinskörnung teilweise durch Beton- oder Mauerwerksabbruch ersetzt werden. Dieser kommt aber bisher erst für einen kleinen Anteil der Hochbauvorhaben zum Einsatz. 

An all diese Eigenschaften, Gestaltungsmöglichkeiten und Einflüsse denke ich beim Thema Beton. Nun stehe ich aber in der Zuger Gemeinde Baar, am Ende der Baarermattstrasse vis à vis der beschränkt ressourcenbewussten Firma Glencore. Drei eingerüstete Gebäudekörper im Rohbau stehen nun dort, wo vorher ein Holzlager war. Auffallend ist die verhältnismässig oft vor und zurückspringende Gebäudehülle und die Höhe der Balkonbrüstungen. Etwas ungläubig weiten sich meine Augen aber als ich erkenne, welche Materialisierung die Fassade dominiert. Beton, wohin man schaut. Dominiert ist noch untertrieben, komplett alle Aussenwände sind in Beton gefertigt. 

Ich fahre mit meinem Rad rund um das Quartier, angrenzend an kleine Garten-Stadt-Häuschen und Gewerbegebäude. Ich suche die Gründe für die Materialisierung. Aber ich finde keine SBB-Anlage, keine annähernd oft befahrene Strasse, keinen Schwerverkehr, keine Flugschneise und erst recht keinen zu brechenden Wellengang. Später suche im in der Verkaufsdokumentation nach der architektonischen Idee der Fassade. Mit den oben beschriebenen Gestaltungsfreiheiten hat die künftige Kompaktfassade mit mineralischem Fassadenputz nichts gemein. Ob die betonierten Balkone begründen, dass die gesamte äussere Struktur durchbetoniert wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Vielleicht ein Resultat ungewöhnlicher Vereinfachungsmassnahmen in der Kommunikation am Bau? Etwas schwerfällig, dieses Bauprojekt, welches sich the cloud nennt.  

Aus dem zentralplus Blog Architektur-Blog

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