(Bild: Tanja Rösner-Meisser)
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Das Dorfzentrum in Walchwil am Zugersee wurde seit 2005 einer neuen Gestaltung unterzogen und nun der Öffentlichkeit vorgestellt. Der geebnete Platz zwischen der Pfarrei, dem Gemeindehaus und dem kleinen Bistro dient dem Dorf als Begegnungsraum.

Die katholische Kirche der Gemeinde Walchwil am Zugersee befindet sich nicht einfach nur im Dorfzentrum, sondern markiert mit ihrer Grösse bewusst die stattliche Lage auf dem Podest nach der ersten steilen Anhöhe. Das Begegnungszentrum mit der Pfarrei und dem Gemeindehaus unmittelbar hinter dem Kirchenbau wurde in den letzten Jahren sorgfältig geplant und neu gebaut. 

Gemeinsam mit Cometti Truffer Architekten, Luzern, haben CST Architekten AG aus Zug dem Zentrum hinter der Kirche neue Qualitäten gegeben. In Walchwil gab es zuvor kaum eine grössere Ebene im Zentrum, welche für die Einwohner gut nutzbar gewesen wäre. Diese Qualität wurde nun neu geschaffen. Das Terrain zwischen den Neubauten wurde ausgeglichen und der hölzerne Bestandesbau hat ein Sockelgeschoss erhalten, um eine möglichst grosse Ebene zu erhalten. Der neue Dorfplatz wirkt offen und dank dem Mix zwischen Alt- und Neubau angenehm verwachsen. Von der Geschichte des Zentrums zeugen auch der versetzte Dorfbrunnen und der für die Umgebung typische Kastanienbaum. Die Sitzgelegenheiten werden für Zwischenstopps von Fussgängern rege genutzt und trotz kühler Wassertemperaturen, spritzt ein kleines Mädchen das Wasser aus dem Brunnen.

Das neu gestaltete Ensemble setzt sich aus dem neuen Gemeindehaus, dem Pfarreizentrum, dem dazwischen liegenden Bistro und der Kirche zusammen. Auf diese nimmt das neue Gemeindehaus mit dem weissen Fassadenputz visuell Bezug, ohne in dessen Grösse aber mit der Kirche in Konkurrenz treten zu wollen. Das Gemeindehaus nimmt sich mit dem dunkleren, warm-bräunlichen Grau der Putzfassade zurück und öffnet mit seiner Ausrichtung den Platz zur Verkehrsachse und zum Bahnhof hin.

Der monolithisch-skulpturale Ausdruck der Fassaden mit den metallenen Gewänden um die Fassadenöffnungen gliedert sich gut in den Kontext des gewachsenen Zentrums ein. Durch einen gläsernen Zwischenraum kommt man im Pfarreizentrum zum «Chiläkafi», welches künftig nach kulturellen Veranstaltungen durch die Gemeinschaft genutzt wird. Eichenholz dominiert nicht nur die Böden sondern auch die Bar und die hohen Türelemente. Bunte Stühle reihen sich um die Tische. Über dem «Chiläkafi» befindet sich ein vermietbarer Saal, Räume für die Jugendorganisationen und zwei Wohnungen. Das eingeschossige Bistro zwischen den zwei Neubauten wächst mit seiner polygonen Grundform scheinbar aus dem Hang heraus. Von aussen dezent, zeigt es im Inneren umso mehr, was es zu bieten hat. Frisches Brot auf Holzregalen, freundliche Gastgeber und zufriedene Gäste an den unterschiedlich grossen Holz-Tischen.

Auch das Gemeindezentrum betritt man durch einen eingezogenen Eingang. Dahinter befindet sich der Empfang, Sitzungsräume und im OG die Büros. Im Dachgeschoss befindet sich der Saal für den Gemeinderat mit lindengrünen Lukarnen mit Blick hinaus auf den Zugersee. Auch hier zeigt sich, für was das ganze Ensemble gilt: ein sehr sorgfältiger und gekonnter Umgang mit Material, konstruktiven Details, deren Wirkung und nicht weniger mit dem gebauten Raum. Nicht so tragisch, dass zumindest die Erinnerung an das alte Zentrum von Walchwil verblasst ist. Das neue Erscheinungsbild bleibt mir umso besser im Gedächtnis.   

Aus dem zentralplus Blog Architektur-Blog

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