Sicht von der Baarerstrasse (Bild: Tanja Rösner)
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Sicht von der Baarerstrasse (Bild: Tanja Rösner)

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In den letzten Jahren veränderten nacheinander vier Hochhäuser die Silhouette der Stadt Zug. Vielschichtig und komplex ist das Innere und Äussere der Baarerstrasse 88.

Ob Zug nun eine am Abend verschlafene Kleinstadt oder ein aus sich herauswachsendes Dorf mit hoher Lebensqualität ist – darüber ist man sich uneins. Unbestritten sind aber der fleissige Ersatz von unrentablen Liegenschaften im Zentrum und die Verdichtung am Siedlungsrand. Diese zeigt sich indes seit 4 Jahren auch in der gebauten Höhe. Seit 2011 das Uptown-Hochhaus mit 18 Geschossen, seit 2014 das B125 ebenfalls mit 18 und der Parktower mit 25 Geschossen. Im Herbst 2014 wurde dann das ornamentreichste der Hochhäuser im Kern von Zug ausgerüstet.

Der Schweizer Obstverband hat an der Baarerstrasse 88 einen baulichen Akzent von Deon AG, Luzern in Zusammenarbeit mit Wiederkehr Krummenacher Architekten AG, Zug setzen lassen. Die öffentliche Nutzung im Erdgeschoss durch eine Bäckerei kommt dem Fussgänger ebenso zu Gute, wie der grosszügige Freiraum im südlichen Teil der Parzelle. Durch diese Platzierung unterstützt das kleinste der vier neuen Hochhäuser die Wirkung der Strassenkreuzung entlang der Baarerstrasse. Die Grundidee gemeinsam mit dem B125 ein «Eingangstor» am Zugang zur Stadt Zug zu bilden, ist gut nachvollziehbar. Inwiefern diese Wirkung mit der baulichen Zukunft entlang dieser Verkehrsachse erhalten bleibt, wird sich zeigen.

Die 50 Meter Gebäudehöhe verteilen sich auf vier Bürogeschosse und darüber liegend 9 Geschosse mit 26 Wohnungen. Im Unterschied zu den pragmatisch strukturierten und horizontal gegliederten Hochhäuser in der Nachbarschaft, zeigen die Höhenversätze in der Fassade die Wohnzonengliederungen im Inneren. So trennen zum Beispiel ein paar Tritte und eine Glasbrüstung den Küchen- und Essbereich vom Wohnbereich. Durch diese Stufung entstand eine unerwartet hohe Vielfalt an unterschiedlichen Wohnungen mit einer Grosszügigkeit durch die sich ändernden Raumhöhen.

In den Wohnungen ist ein geräucherter Eichenparkett verlegt. Der Helligkeitskontrast zwischen dem Sonnenlichteinfall und dem dunklen Boden ist stark, sodass  man den Raum auf den ersten Blick kaum wahrnehmen kann. Auf den zweiten Blick fällt die Konstruktionstiefe der Fassade auf, sowie auch die Kastenfensteröffnungen. Diese ermöglichen via Klappe eine seitliche Fensterlüftung und deren Hochformat verweist auf die Kubatur des Hochhauses. Ein Detail, welches sich dem Betrachter erst auf Nachfrage erschliesst. Aber auch ohne dieses Wissen, ist man von den Gestaltungselementen der Fassade angetan.

Je nach Wetterstimmung und Sonnenlichteinfall wirken die Fassadenbänder kristallin weiss oder aber flächig grau. Vom Strassenraum oder der Dachterrasse aus erkennt man den Grund dafür. Unter der bedruckten Glasplatte befindet sich ein Aluprägeblech, gemeinsam mit dem unterschiedlich brechenden Sonnenlicht entsteht dadurch ein glimmernder Effekt. Diese Lebendigkeit der Fassade spiegelt sich auch in den verhältnismässig kleinflächigen Grundrissen wieder. (2.5 Zimmer-Wohnungen ab 72 m2 und 3.5 Zimmer-Wohnungen ab 91 m2) Ein sympathischer Zug in einer Stadt, in welcher die Wohnfläche pro Person tendenziell immer noch in eine andere Richtung geht. Wer eindeutige Systematik und ein Übermass an Fläche sucht, ist hier falsch. Womöglich ist genau das die deutlichste Qualität des «Haus Obstverband» im Ausgleich zu den hohen Nachbarn.

Aus dem zentralplus Blog Architektur-Blog

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