(Bild: Tanja Rösner-Meisser)
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Jedes Gebäude an städtebaulicher Lage hat ein Material- und Farbkonzept verdient. In Zug nahe der Grenze zur Gemeinde Baar wird gerade eine Wohnüberbauung fertiggestellt, dessen Konzept diese Anforderung nicht erfüllt.

Man kommt nicht daran vorbei. Der Autofahrer, welcher von der Nordzufahrt nach Zug einfährt erblickt die harten, glatten Fassaden. Der Pendler, welcher im Zug von Zürich her kurz vor dem Bahnhof den Sitz verlässt und durch die Türscheibe nach Westen blickt, sieht den mehrteiligen Wohngebäudekomplex direkt am Siedlungsrand der Stadt Zug. Und auch der Fussgänger, welcher vom naheliegenden Grünraum zurück in die kleine Stadt spaziert – sieht es. So blieben auch meine Augen dran hängen, als ich nach dem Entfernen des Fassadennetzes nach dem Bau der ersten Etappe auf meinem Balkon stand. Das Glas.

Nicht nur die Balkone sind von Glas umgeben, was an diesem Standort zumindest für die oberen Geschosse mit Blick auf den Zugersee oder ins Naherholungsgebiet verständlich wäre. Auch die vorgehängte Fassade wird mit Ausnahme des Erdgeschosses komplett von den spiegelnden Flächen dominiert. Soweit ist das alles noch als Fassadengestaltungskonzept nachvollziehbar. Aber es ist der Zusatzstoff welcher mich lange darüber nachdenken lässt. Die Farbe.

Es sind die leicht aggressiv wirkenden, schwarzen Rückenansichten, welche dem Autofahrer vom einen auf dem anderen Meter mitteilen, dass mit Flora und Fauna hier Schluss ist. Mit dem scheuen, nach links schweifenden Seitenblick entdeckt er die helltürkisen Glasbalustraden. Das Herzstück des aus meiner Sicht nicht vorhandenen Material- und Farbkonzepts.

Seit über einem Jahr habe ich versucht den Himmel und die Tageszeit auf die Situation zu prüfen, zu welcher diese bläulichen Bänder mit dem Hintergrund verschmelzen würden. Denn ich sinnierte, ob dies vielleicht die Idee dieser Farbwahl war. Denn leider war es nicht wie anfangs gehofft eine Schutzfolie auf dem Glas. Aber ich blieb mit meiner Suche erfolglos. Genauso wenig verstehe ich die gezwungen wirkende Gestaltung des Spielplatzes im Innenhof und vermisse jegliche Privatsphäre für die Bewohner. Die niedrigen Wohnbauten zeigen sich dann auch noch in einem bunten Lindengrün und einem blassen Zitronengelb. Und dann kommt das Erdgeschoss mit einer grobkörnigen Putzfassade. In Dunkeloliv. Ich gebe auf.

Aus dem zentralplus Blog Architektur-Blog

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