David Roth kehrt auf die nationale Bühne zurück
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Vorhang auf für die nationale Bühne: Der Luzerner David Roth will ins Vizepräsidium der SP Schweiz. (Bild: jal)

Luzerner wird Vizepräsident der SP Schweiz David Roth kehrt auf die nationale Bühne zurück

5 min Lesezeit 6 Kommentare 28.08.2021, 05:01 Uhr

Der Luzerner David Roth will diesen Samstag Vizepräsident der SP Schweiz werden: Mit dem 36-Jährigen stösst ein weiteres Mitglied der erfolgreichen Juso-Generation in die Parteileitung. Wieso Roth das keineswegs problematisch findet.

Es ist eine Rückkehr, zum einen auf die nationale Bühne, zum anderen zu altbekannten Freunden: Der Luzerner David Roth wird – sofern es nicht eine spontane Gegenkandidatur gibt – diesen Samstag zum Vizepräsidenten der SP Schweiz gewählt. Er ist der einzige Kandidat für die Nachfolge der St. Galler Nationalrätin Barbara Gysi im fünfköpfigen Gremium.

Bereits zwischen 2011 und 2015 hatte der Luzerner dieses Amt inne, damals noch als Präsident der Juso Schweiz. Mit Roth stösst ein weiteres ehemaliges Aushängeschild der Jungpartei in die SP-Parteileitung. Seit Oktober führen die Zürcherin Mattea Meyer (ehemalige Juso-Vizepräsidentin von 2009-2013) und der Aargauer Cédric Wermuth (ehemals Juso-Präsident, von 2008-2011) die SP Schweiz. Sie alle gehören zur Generation, welche die Jungsozialisten in diesen Jahren so populär und der Mutterpartei SP Dampf machte.

Wohin sollen die Jusos sonst?

Kein Wunder, kam bald die Sorge der «Jusofizierung» auf: Dass die SP einen linken Kurs fährt und damit den Reformflügel vor den Kopf stösst. Parteiaustritte wie jener des Zürcher Sicherheitsdirektors Mario Fehr diesen Juni befeuerten diese Kritik.

David Roth hält dies für kalten Kaffee. «Wohin sollen die ehemaligen Juso-Leute denn sonst als zur SP?», sagt der 36-Jährige und lacht. Um im Ernst anzufügen: «In unserer Partei hat es sehr viel Platz.» Widersprüche müsse eine Partei wie die SP aushalten können. Und auch wenn er selber zur alten «Juso-Garde» gehört, habe er immer wieder inhaltliche Differenzen mit dem heutigen Co-Präsidium Cédric Wermuth und Mattea Meyer. Automatisch in derselben Ecke verorten will er sich also nicht und fügt an: «Die SP im Kanton Luzern ist nicht in irgendeinem Ecken, sondern mitten in der Gesellschaft. Beispielsweise mit dem Einsatz für mehr Prämienverbilligung.»

Provokation konnten sie: David Roth (zweiter von rechts) trinkt mit Mattea Meyer (links) und Cédric Wermuth (Mitte) auf den juristischen Sieg gegen Ex-Novartis-Chef Daniel Vasella:

Gleichwohl: Inhaltlich habe sich an seiner Grundhaltung im Vergleich zur Juso-Zeit kaum etwas geändert. «Mir ist Solidarität, Gerechtigkeit und Respekt vor den Menschen wichtig – das ist mein Kompass», sagt Roth. Er bekämpfe die Umverteilung von unten nach oben und setze sich für Solidarität ein – aber das sei für ihn nicht «Klassenkampf-Rhetorik», wie Kritiker oft monieren. Obwohl er die provokante Tastatur immer noch zu bedienen weiss, zückt er sie weniger oft als zu seiner Zeit als Juso-Chef. «Im Kanton Luzern scheint mir die SP einen guten Ton gefunden zu haben», so Roth, «ohne zahm geworden zu sein.» 

Und wer ist dann der Stachel im Hintern der SP, wenn die alte Juso-Garde die Partei führt? «Der Stachel sind die Jungen, die für neue Themen ein besseres Sensorium haben.» 

Bewegung statt Parteibefehle

Bei der SP Schweiz ist für David Roth klar, wohin es gehen soll. «Unsere Partei muss im Kern eine Bewegung sein», sagt er. Das entspricht dem Zeitgeist: Parteien haben eher ein verstaubtes Image, für viele wirken soziale Bewegungen wie der Frauenstreik, die Klimajugend oder die Operation Libero attraktiver. Laut Roth geht es aber weit mehr als um Marketing. Sondern um die Frage, wie eine Partei ihre Basis miteinbezieht. Luzern nennt er dabei als gutes Beispiel.

Hier wehrte die SP in einem anwaltschaftlichen Kampf zusammen mit Betroffenen gegen Kürzungen bei den Prämienverbilligungen – und feierte ihren Sieg vor Bundesgericht genüsslich. In Luzern testete die SP 2015 auch die Idee, die Bevölkerung telefonisch davon zu überzeugen, ihre Partei zu wählen. Für David Roth macht genau das den Reiz einer Partei aus. «Haben fünf Leute in der Beiz eine gute Idee, haben sie noch keine Initiative beisammen. Wenn sie hingegen in der Partei ihre gute Idee einbringen, finden sie breite Unterstützung und können gemeinsam mit der Partei etwas bewirken.» 

«Luzern ist ein sehr spannender Ort um SP-Politik zu betreiben.»

Dass es die SP ernst meint, zeigt ihr neues Reformprojekt, das ebenfalls diesen Samstag am Parteitag diskutiert wird. Die Idee ist, einen sogenannten Parteirat zu schaffen: eine Art parteiinternes Parlament, in dem alle Strömungen der SP vertreten sind und das die strategische Linie künftig festlegt.

Roth sieht sein neues Amt auch als Folge dieses Prozesses, in dem auch die Kantonalparteien besser eingebunden werden sollen. Er wäre neu der einzige im Vizepräsidium und Präsidium, der nicht in Bundesbern sitzt. Dass es keine Gegenkandidatur gibt, zeige, dass diese Vertretung unbestritten ist.

Persönliches Sprungbrett nach Bundesbern?

Dass Roth im Unterschied zu seinen früheren Juso-Weggefährten bislang der Sprung ins Bundeshaus verwehrt geblieben, ist immer wieder Thema. Derzeit ist er zwar erster Ersatzkandidat. Doch wie zentralplus berichtete, will SP-Nationalrätin Prisca Birrer-Heimo nicht frühzeitig Platz machen, sondern erst Ende der Legislatur zurücktreten.

Frustriert? Nein, versichert David Roth. «Es ist legitim die Amtszeit für man gewählt ist, auch zu beenden.» Doch abgeschrieben ist das Kapitel Bundeshaus nicht. Dass ihn die nationale Politik interessiere, sei kein Geheimnis. Aber er habe im Luzerner Kantonsrat erlebt, dass es nicht nur Vorteile habe, jung in ein Amt zu kommen. Inzwischen sei er – auch dank seines Jobs als Zentralsekretär bei der Gewerkschaft Syndicom – in Bern besser vernetzt und verankert. «Ein Sitz im Parlament ist bei weitem nicht die einzige Möglichkeit sich zu engagieren und zudem ist man auch nicht ewig Nationalrat – das Amt hat in jedem Alter seinen Reiz.»

Als Vizepräsident der SP kehrt er auf die nationale Bühne zurück. Als Sprungbrett für eine Karriere im Bundeshaus will er das Amt dennoch nicht verstehen.

Und auch nicht als Flucht aus der bürgerlichen Zentralschweiz, wo die SP zur Oppositionspolitik verknurrt ist. «Luzern ist ein sehr spannender Ort um SP-Politik zu betreiben», sagt Roth. «Hier kann man noch viel aufbauen und entwickeln.» Im Luzerner Kantonsrat und kantonaler Parteipräsident will er auch in Zukunft bleiben. «Und was in zwei Jahren ist, schauen wir dann.»

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6 Kommentare
  1. Karl-Heinz Rubin, 29.08.2021, 06:55 Uhr

    Herr Bitterli

    Dies ist sehr gern geschehen.
    Darf ich um Ihre Mithilfe bitten.
    Menschen mit Handicap benötigen dringend Unterstützung .
    Ich hätte noch eine Aufgabe für Se wo Sie Ihr können der Rhetorik unter Beweis stellen könnten.
    Einfach melden

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  2. Rudolf 1, 28.08.2021, 05:49 Uhr

    Der nächste Schritt von David Roth führt in den Nationalrat. Wählt David Roth!

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    1. Karl-Heinz Rubin, 28.08.2021, 14:59 Uhr

      Ein Mensch der dies verdient hat eine solche Position einzunehmen.
      Vielen Dank an David Roth.

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      1. Peter Bitterli, 28.08.2021, 15:16 Uhr

        Wofür?

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      2. Karl-Heinz Rubin, 28.08.2021, 18:55 Uhr

        Herr Bitterli
        Wofür…
        Dies beantwortet ich Ihnen gern.
        Für mich und meinen Sohn (und allen Autisten im Kanton Luzern und in der Schweiz).
        Einen Autisten der in eine Sonderschule zugewiesen wurde, die es gar nicht gab.
        Wofür..
        Weil es zu diesem Zeitpunkt ( fast drei Jahre her) keine Möglichkeit der Beschulung gab.
        Ein Mensch der sich ohne gross immer im Focus der Presse zu stehen sich als einziger dafür eingesetzt hat für Menschen mit Handicap (Kantosräte Luzern).
        Ein Mensch der die richtigen Personen in seiner Partei einen Auftrag erteilt hat, sich der Sache anzunehmen.
        Dafür sind wir Eltern ihm sehr dankbar.
        Ich hoffe Ihnen Herr Bitterli mit meiner Antwort gedient zu haben zu Ihrer Frage » Wofür «.
        Darf ich fragen ob Sie sich auch für Menschen mit Handicap einsetzen würden.
        Ich könnte noch Unterstützung gebrauchen im Umgang mit Behörden und der Politik.

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      3. Peter Bitterli, 28.08.2021, 19:14 Uhr

        Sauber Einen draufmoralisiert, Herr Rubin. Die Antwort hätte mir gereicht, danke.

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