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Das zweite Leben der Seerose
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Die Seerose wird seit dem Ende des Gästivals vom Verein MuTh genutzt. (Bild: AURA/ Emanuel Ammon)

Bilanz zum Ende des Gästivals Das zweite Leben der Seerose

4 min Lesezeit 20.09.2015, 17:30 Uhr

67’000 Gäste haben in den vergangenen vier Monaten die Seerose besucht. Damit wurden die Erwartungen der Organisatoren klar übertroffen. Auch mit der Resonanz sind die Gästival-Macher sehr zufrieden. Einiges haben sie jedoch auch unterschätzt.

Neben dem Parkhotel Vitznau liegt die Seerose nun vor Anker. Und dort soll sie die nächsten Jahre auch bleiben – aber dazu später mehr.

Das Gästival – das Festival für Gastfreundschaft in der Zentralschweiz – geht dem Ende zu. «Die letzten Mitmachprojekte laufen jetzt», so Mediensprecher Stefan Ragaz. Das Programm auf der schwimmenden Plattform, der Seerose, ist jedoch bereits abgeschlossen. Adelbert Bütler, Präsident des Vereins «200 Jahre Gastfreundschaft Zentralschweiz» zieht eine positive Bilanz.

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Guter Sommer, perfekte Besucherzahlen

«Wir sind beeindruckt, mit welchem Engagement sich die Gastgeber in der Zentralschweiz – seien es die Künstler auf der Seerose oder die Initianten der über 100 Gästival-Mitmachprojekte – auf das Thema eingelassen haben», so Bütler, «und wir sind erfreut, mit welcher Offenheit und mit welchem Interesse sich die Gäste für die Gastfreundschaft und für die Tourismusgeschichte der Zentralschweiz begeistert haben.» Besonders die historischen Figuren und die Gastfreundschaftskurse auf der Seerose hätten ein breites Publikum angesprochen.

67’000 Gäste haben die Seerose seit Ende Mai in Luzern, Stansstad, Brunnen, Alpnachstad, Flüelen und Vitznau besucht. Budgetiert waren 45’000 verkaufte Tickets. «Selbstverständlich hat uns auch das grossartige Sommerwetter geholfen», sagt Adelbert Bütler. Ausschlaggebend für den Erfolg sei aber die lokale Verankerung des Tourismusjubiläums gewesen. Man habe es an allen Standorten geschafft, die Bevölkerung, Vereine und Gemeinden in die Aktivitäten einzubinden. Doch nicht nur auf der Seerose, sondern auch bei den 105 Mitmachprojekten zieht das Gästival eine positive Bilanz.

Auch Fehler eingestehen

Trotzdem verlief der Sommer der Gastfreundschaft nicht ganz reibungslos (zentral+ berichtete). «Selbstverständlich haben wir am Anfang auch Fehler gemacht», sagt Ragaz. «Wir hatten keine Erfahrungswerte, haben gewisse Dinge auch schlichtweg unterschätzt – wie das schlechte Wetter zu Beginn oder die Kombination von Publikum und Veranstaltung.» Ragaz spricht die drei Vorstellungen an, die am Anfang wegen des starken Regens abgebrochen werden mussten. «Der Wetterschutz für die Künstler und auch für das Publikum musste schnell verbessert werden.» Zudem musste wegen der Akustik auch das Gastro-Personal sensibilisiert werden.

«Wir mussten schnell viel lernen, und das haben wir getan.»
Stefan Ragaz, Mediensprecher Gästival

Und auch die Carte Blanche-Vorstellungen, welche mit Firmen- und Sponsorengruppen besetzt wurden, führten teilweise zu Unstimmigkeiten und auch zu Kritik von Seiten einiger Politiker. «Wir haben schliesslich mehr auf die Kombination geachtet, auch mehr informiert. Aber ich kann heute sagen, ich verstehe noch immer nicht, was das Problem war. Ich habe alle Carte Blanche-Produktionen gesehen und war von jeder einzelnen begeistert.» Das Fazit zum Beginn des Gästivals wäre also: «Wir mussten schnell viel lernen, und das haben wir getan.»

Trotz des Besuchererfolges sind die finanziellen Ziele noch nicht ganz erreicht. «Wir hatten mehr Senioren und Jugendliche auf der Seerose als erwartet – vor allem aber Kinder, die gratis waren», so Bütler. Das sei erst einmal toll, da man Familien ansprechen wollte, aber finanziell natürlich weniger einträglich. Wie die Finanzen zum Schluss genau aussehen, das wird derzeit noch ausgerechnet. «Die genauen Zahlen stehen noch nicht», so Ragaz. Aber es sehe gut aus.

Gastfreundliche Zentralschweiz?

«Mit dem Gästival und der Seerose haben wir einen Impuls für die Gastfreundschaft gegeben», sagt Adelbert Bütler zum Ende. Schaut man sich jedoch die Berichterstattungen über Tourismus in Luzern in den letzten Wochen an, scheint in der Bevölkerung nicht nur eine positive Stimmung gegenüber der Gäste zu herrschen. «Diese Diskussionen werden doch alle paar Jahre wieder hochgekocht», findet Ragaz. In den 80ern seien es die Japaner gewesen, heute die Chinesen.

«Ich finde es schade. Wir sollten doch stolz sein, dass so viele Leute zu uns kommen – weil es bei uns so schön ist», so Ragaz. Man müsse sich auch einfach darauf einstellen und den Gästen so entgegentreten, wie man selbst behandelt werden möchte: mit einem Lächeln und hilfsbereit. «En suure Stei mache» helfe beiden Seiten nicht.

Seerose bleibt erhalten

Wo die 48 Meter breite, 16 Meter hohe und 500 Tonnen schwere Seerose ankerte – überall waren die Reaktionen einhellig: Die Seerose muss nach dem Jubiläumsjahr erhalten bleiben.

«Der Verkauf und die weitere Verwendung waren bereits vor dem Bau der Seerose bekannt.»
Stefan Ragaz

Dies ist nun der Fall. Nach der letzten Gästival-Vorstellung in Vitznau ist die Seerose am Sonntag, 20. September, an den Verein MuTh (Musik und Theater) in Vitznau übergeben worden. Dort wird sie für die nächsten drei Jahre als Teil eines nationalen Campus für die Jugendförderung in den Bereichen Musik und Theater eingesetzt. Bereits in einigen Tagen wird das erste MuTh-Festival auf der Seerose stattfinden. Dafür wird nun umgerüstet. Einiges an Mobiliar des Gästivals wird verkauft, oder an Helfer verschenkt. Anderes, wie die Holzkonstuktionen zum Sitzen oder die Regenplane übernimmt der Verein MuTh.

Gekauft hat die Seerose das Parkhotel Vitznau, welches den Verein MuTh unterstützt. «Das war bereits vor dem Bau der Seerose bekannt, deshalb konnten wir diese finanziellen Mittel beim Bau einsetzen.» Konkret wurde das Geld – der genaue Betrag wird geheimgehalten – investiert, um die Seerose zweistöckig und breiter zu bauen. Dies war zu Beginn nicht geplant.

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