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Das Zuger Erbe von Andy Rihs lässt sich fast nicht verkaufen
  • Wirtschaft
Andy Rihs’ Edenpark am Hasenbühl in Zug. (Bild: mam)

Edenpark im Hasenbühl: seit Jahren Leerstand Das Zuger Erbe von Andy Rihs lässt sich fast nicht verkaufen

3 min Lesezeit 27.04.2018, 10:19 Uhr

Er wurde mit dem Verkauf von Hörgeräten reich und mit Sportsponsoring berühmt: der vergangene Woche verstorbene Unternehmer Andreas Rihs. Aber nicht überall war Rihs gleich erfolgreich. Seine in Zug realisierten Luxuswohnungen waren jahrelang Ladenhüter – eine steht nach fünf Jahren immer noch zum Verkauf.

Kann man es mit Preisforderungen für Nobelimmobilien in Zug übertreiben? Wo ein grosser Mangel an bezahlbarem Wohnraum herrscht und Firmen für ihre ausländischen Arbeitnehmer Wohnungen zu exorbitanten Preisen anmieten?

Lange Zeit schienen Zweifel angebracht. Doch der letzte Woche verstorbene Unternehmer Andy Rihs bewies mit seinem Immobilienprojekt Edenpark am Hasenbüelweg in Zug: Ja, man kann es übertreiben. Selbst in Zug wird nicht jeder Preis für jedes Objekt bezahlt.

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Rettungsversuch kam zu spät

Rihs war ein umgänglicher Daueroptimist, der einst die konkursite Hörgerätefirma Phonak seines Vaters – heute Sonova – vor dem Aus rettete und sie zusammen mit seinem Bruder und einem Techniker zur weltweiten Nummer eins machte. Daneben investierte er in den Radsport und verlor nie den Glauben daran, dass der BSC Young Boys die Schweizer Fussballmeisterschaft gewinnen kann.

Aussicht vom nahen Meisenberg in die Zentralschweiz.

Aussicht vom nahen Meisenberg in die Zentralschweiz.

(Bild: mam)

Auch andere Projekte verfolgte der Zürcher Bonvivant mit zunehmendem Alter. Neben Weingütern und Gastrobetrieben besass und realisierte Rihs über seine Immobilienfirma R-Estate auch exklusiven Wohnraum am Zürich- und Zugersee. Anstelle der Liegenschaft Hasenbühl, welche vor zehn Jahren noch 1’100 Stadtzuger per Unterschrift und Volksinitiative retten wollten, bevor sie flugs abgerissen wurde, realisierte Rihs’ Firma R-Estate den Edenpark.

Zwei Zimmer für zwei Millionen

Es handelt sich dabei um sechs Blöcke mit 40 Wohneinheiten, welche laut Werbetext ein «faszinierendes Wohnparadies» und «wahres Refugium für urbane Grossstadtmenschen und Ruhesuchende» darstellen. Und die 2012 in einem güldenen Verkaufsprojekt einer exklusiven Klientel angeboten wurden. Denn nicht nur der Ausbau der Behausungen und ihre Lage waren exklusiv, sondern auch ihr Preis. In einer Grösse von zwei bis sechs Zimmern kosteten die Wohnungen zwischen zwei und sechs Millionen Franken.

Mittlerweile haben die Nobelwohnungen ihren Weg vom Hochglanzprospekt ins allseits zugängliche Internet gefunden, wo sie feilgeboten werden. Einer der Blöcke wurde verkauft und die Wohnungen von einem Privaten durch Engel & Völkers vermietet. Eine 5,5-Zimmer-Wohnung mit 183 Quadratmetern Nutzfläche und drei Badezimmern kostet laut Webannonce 7’670 Franken Miete. «Die wurde schon wieder vermietet», heisst es im Zuger Maklerbüro. Man vermittle aber immer wieder Wohnungen aus dem Objekt. 

Information nur bei Kaufinteresse

Eine 2,5-Zimmer-Parterrewohnung aus einem anderen Block steht seit Jahren leer und wird von der Immobilienfirma Wüst und Wüst im Auftrag von R-Estate vermarktet. Bisher erfolglos. Aline Fischer von Wüst und Wüst erklärt auf Anfrage: «Nach Rücksprache mit der Eigentümerschaft darf ich Ihnen keine Auskunft geben.» Somit kann sie auch den mutmasslichen Verkaufspreis von über zwei Millionen Franken nicht bestätigen.

Ausbau mit edlen Materialien – aber anspruchslose Architektur: Leerstehende Wohnung im Edenpark.

Ausbau mit edlen Materialien – aber anspruchslose Architektur: Leerstehende Wohnung im Edenpark.

(Bild: mam)

Ein Lokaltermin am Hasenbühl zeigt die Problematik der Siedlung, wo ein Zimmer Wohneigentum eine Million Franken kostet: Die Siedlung ist zwar prominent gelegen, aber ein Teil der Aussicht – jene gegen Südwesten in Richtung Zugersee und Berner Alpen – wird von Bäumen und umliegenden Bauten verdeckt.

In der Nachbarschaft gibt es eine Menge Wohnblöcke für die Mittelschicht – Reiche sind nicht unter sich. Die grosszügigen Wohnungen sind luxuriös ausgebaut, aber die Siedlung selbst ist in anspruchsloser Architektur aufgeführt und wirkt wie aus der Retorte.

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