Gesellschaft

Nach Auftritt eines Zuger Polizisten in Film von umstrittenem Verein
«Das war ein Fehler»

  • Lesezeit: 5 min
  • Kommentare: 2
<p>Thomas Werner, SVP Kanton Zug</p>
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Thomas Werners Vorgesetzte hätten den Auftritt 2014 erlaubt. «Das war ein Fehler», sagt die Stadtpolizei Zürich nun. (Bild: zvg)

Ein Dokumentarfilm von SRF lässt uns in die Köpfe von Menschen blicken, die an Hexen, Geister, organisierte satanistische Rituale glauben, die angeblich mitten in unserer Gesellschaft passieren. Auch ein Zuger SVP-Politiker erscheint in dem Film. Seine Arbeitgeberin, die Stadtpolizei Zürich, äussert sich nun. Die Aussagen seien in einen unglücklichen Kontext gebracht worden. Dennoch äussert sie Bedauern.

Der Dokumentarfilm von SRF lässt einen sprachlos zurück. Das Thema der knapp vierzigminütigen Sendung: Menschen in der Schweiz, die davon überzeugt sind, dass in der Schweiz geheime Zirkel existieren, welche in Ritualen Kinder sexuell missbrauchen, foltern und auch töten.

Zentrum der Reportage: Der Verein Cara, eine «Interessenvereinigung zur Aufklärung und Vernetzung gegen rituellen Missbrauch und organisierte Gewalt». Im Dokumentarfilm wird unter anderem der Präsident Fritz Bamert interviewt. Er sagt: «Es ist eben nicht selten. Es ist eine richtiggehende Parallelwelt, welche organisiert und geschützt ist, darum wollen wir darüber informieren und aufklären.»

Man kenne sehr viele Betroffene und Überlebende. «Also muss es auch umso mehr Täter geben. Und es sind tatsächlich viele. Die sind aus der Mittelschicht bis hin zu elitär. Satanisten oder, wie man ihnen auch sagen mag, Freimaurer. Diese sitzen teils an Schlüsselstellen und haben natürlich kein Interesse daran, dass das bekannt wird.» Schweigen sei ein Schutz für sie.

Der Reporter Robin Rehmann fragt nach, was bei solchen Ritualen denn passiere, worauf Bamert sagt: «Es wird gequält und gemacht bis zum Tod.» Wie beiläufig fügt er an: «Und dann wird natürlich das Blut getrunken. Und das Fleisch gegessen.» Dies sei eine Realität.

Ein Zuger Politiker in einer unrühmlichen Rolle

Bamert gliedert sich ein in eine ganze Reihe von Interviewten, die derselben Überzeugung sind. Das Irritierende daran: interviewt wurden mitunter Lehrer, ein leitender Psychiater und der Zuger Polizist Thomas Werner. Was hat er mit der Sache zu tun?

Der Verein Cara produzierte vor einigen Jahren den Film «Parallelwelten», in dem es um rituellen Missbrauch geht. In diesem kommt auch der Zuger Thomas Werner zu Wort. Werner ist nicht nur seit elf Jahren SVP-Kantonsrat und Kandidat für den Gemeinderat in Unterägeri, sondern auch der Leiter Ermittlungen Kinderschutz der Stadtpolizei Zürich.

«Es gibt für mich leider keinen Grund zur Vermutung, warum es nicht so sein soll.»

Thomas Werner, Leiter Kinderschutz Stadtpolizei Zürich

Auch diesen trifft Rehmann für ein Interview. Der Reporter erklärt, dass man mehrere Hinweise bekommen habe, dass es in der Schweiz satanistische rituelle Übergriffe gebe auf Kinder. Rehmann fragt Werner, ob es Anzeichen dafür gebe und er davon schon gehört habe.

Thomas Werner antwortet wie folgt: «Gehört haben wir selbstverständlich auch schon davon. Es gibt für mich leider auch keinen Grund zur Vermutung, warum es nicht so sein soll.» Aufgrund von Erfahrungen und auch von früheren Meldungen, die sie bekommen hatten, gingen sie respektive gehe er persönlich davon aus, dass es dies tatsächlich gebe.

Bisher keine Beweise für rituelle Gewalt

«Selbstverständlich nehmen wir jede Meldung, die bei uns ankommt, sehr ernst. Da geben wir unser ganzes Ermittlerherzblut rein, um solche Fälle aufzuklären.» Und weiter: «Tatsächlich jedoch konnten wir den Beweis noch nie erbringen, dass es sich bei den gemeldeten Delikten um einen solchen Fall gehandelt hätte.»

Auf die Frage, warum er in diesem Film des Vereins Cara vorkomme, sagt Werner: «Mir war das wichtig, weil wir auch schon in solchen Fällen ermittelten, auch wenn wir dabei nichts herausgefunden haben. Dennoch haben wir viele Mittel und viel Energie hineingesteckt.» Wichtig sei es ihm gewesen, dieser Gruppierung (Cara) aufzuzeigen, was die Ermittlungsschwierigkeiten in solchen Fällen seien respektive welche Ermittlungsansätze funktionieren und was eben nicht.

Das Herz am richtigen Fleck, aber …

Die Einschätzung des Soziologen Marko Kovic im SRF-Film: «Ich glaube, der [Thomas Werner] hat das Herz definitiv am richtigen Fleck und setze sich für die Schwächsten, also für diese Kinder ein, die von diesen Netzwerken missbraucht werden.» Jedoch habe er «offensichtlich einen totalen kognitiven Tunnelblick. Ich denke, jemand wie er, in einer solch verantwortungsvollen Position dürfte sich erstens nicht für Propaganda einspannen lassen, denn das ist es. Propaganda». Zweitens, so Kovic: «Müsste er die Fähigkeit zum kritischen, selbstreflektierten Denken haben.»

Die SRF-Sendung hatte bereits Auswirkungen: Der Oberarzt, der im Film zu Wort kommt, wurde inzwischen freigestellt.

«Wir würden das heute nicht mehr so tun.»

Stadtpolizei Zürich zur Bewilligung von Werners Filmauftritt 2014

zentralplus hat Thomas Werner nach der Veröffentlichung der Dok einen Fragenkatalog mit 14 Fragen zugestellt. Daraufhin folgte folgendes offizielles Statement der Stadtpolizei Zürich. Judith Hödl, Chefin des Mediendiensts, schreibt: «Thomas Werner bezog sich bei seiner Antwort generell auf organisierte Misshandlung von Kindern. Die Aussage war im Kontext unglücklich.»

Und weiter: «Vom Film ‹Parallelwelten›, der in der Doku ebenfalls Thema ist und in dem Werner vorkommt, distanzieren wir uns klar.» Werners Vorgesetzte hätten den Auftritt 2014 erlaubt. «Das war ein Fehler. Wir würden das heute nicht mehr so tun.» Hödl schreibt abschliessend: «Bei der Polizei gehen vereinzelt Anzeigen wegen ritueller satanistischer Gewalt ein, diesen gehen wir auch nach. Bisher gab es aber nie Beweise für satanistische Kindesmisshandlung in Zürich.»

Auch der Verein wehrt sich

Auch der Verein Cara hat zwischenzeitlich ein öffentliches Statement zum Dokfilm veröffentlicht. Denn es seien falsche Aussagen über den genannten Film gemacht worden. «Die Einschätzungen des Soziologen über die im Bericht interviewten Personen beziehen sich ausschliesslich auf – zusammengeschnittene – Filmaufnahmen der Interviewten», heisst es im Statement.

«Das anscheinend ausschlaggebende Argument all dieser Berichte rund um die Thematik sind mangelnde Beweise. Für uns wie bestimmt auch für die Fachpersonen, die sich mit der Thematik auskennen und die mit
Betroffenen konfrontiert sind sowie für Angehörige und Begleitpersonen Betroffener, sind die Betroffenen in erster Linie die Beweise.»

Wenn die Polizei bis jetzt keine – verwertbaren – Beweise gefunden habe, bedeute dies, dass die Polizei bis jetzt keine verwertbaren Beweise gefunden habe. «Es bedeutet nicht, dass es organisierte rituelle Gewalt nicht gibt», so der Verein Cara.

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2 Kommentare
  1. Oliver Bienz, 19.12.2021, 22:38 Uhr

    Und der ist im Kantonsrat und soll in den Gemeinderat Unterägeri gewählt werden? Na dann, prost Nägeli. Als ob es da nicht schon genug Flacherdler hätte….

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    1. David L, 21.12.2021, 10:09 Uhr

      Er ist sogar Parteipräsident der SVP des Kantons Zug.
      Das überrascht mich auch nicht unbedingt – ein gewisser Realitätsverlust dürfte ja fast schon zwingend sein für eine Karriere bei der SVP.
      Was mich eher überrascht, ist die Karriere, die er bei der Polizei hingelegt hat.

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