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«Das Virus braucht enorm viel Aufmerksamkeit hinter den Kulissen»
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Feiern in Zeiten von Corona: Der Aufwand für die Veranstalter ist riesig. (Bild: zvg)

Zuger Veranstalter trotzen Corona «Das Virus braucht enorm viel Aufmerksamkeit hinter den Kulissen»

5 min Lesezeit 2 Kommentare 11.03.2020, 05:00 Uhr

Der Besuch einer Party oder eines Theaters ist das Gegenteil von «sozialem Abstand», der zurzeit im Kampf gegen Corona empfohlen wird. Wie die Zuger Veranstalter damit umgehen und weshalb in wenigen Tagen vielleicht schon alles anders ist.

«Dereinst werden Theater über Covid-19 geschrieben», sagt Katrin Kolo. Die Intendantin der Theater- und Musikgesellschaft Zug TMGZ meint es nicht als Witz, sondern ist davon überzeugt. «Durch das Virus erleben wir gerade ein neues gesellschaftliches Miteinander. So überlege ich mir etwa bei der Begrüssung eine Freundes, ob ich ihn umarmen darf. Diese Veränderung von Alltagsbräuchen und Ritualen sind auch in künstlerischer Hinsicht interessant.»

Nicht nur Sportanlässe, Parteiversammlungen oder Messen werden abgesagt (zentralplus berichtet). Auch die Kulturbetriebe sind zurzeit im permanenten Corona-Modus. Verunsicherte Besucher bleiben Massenveranstaltungen schon heute fern. Die Veranstalter müssen in den kommenden Monaten aber auch mit weiteren Ausfällen, Einschränkungen und finanziellen Verlusten rechnen.

Grosser Aufwand, aber keine Panik

Im Moment sind die Auswirkungen vor allem hinter den Kulissen gross. So hält das Virus auch Katrin Kolo und Eila Bredehoeft auf Trab. Erstere ist Intendantin der TMGZ, die zweite Geschäftsleiterin der Galvanik. Beide sind permanent im Austausch mit Veranstaltern, Künstlern, den Behörden und auch dem Publikum.

Die Theater- und Musikgesellschaft Zug ist Hauptveranstalterin im Theater Casino Zug, das maximal 635 Besuchern Platz bietet. In der Galvanik sind es rund 650 Plätze.

Die aktuellen Regeln, um dort Anlässe durchzuführen, sind streng. Mindestens bis zum 15. März gilt ein Veranstaltungsverbot für Anlässe mit über 1000 Besuchern. Im Kanton Zug sind zudem geplante Versammlungen ab 150 Personen bewilligungspflichtig. Die Veranstalter müssen Hygienemassnahmen umsetzen und die Besucher entsprechend informieren. Zudem wird seit vergangener Woche gefordert, dass jeder Besucher und jede Besucherin seine Personalien angibt.

«Wir haben den Auftrag, die kulturelle Versorgung sicherzustellen.»

Katrin Kolo, Intendantin der Musik- und Theatergesellschaft Zug

Das Personal im Theater Casino sei etwa geschult, auf Besucher mit Symptomen zuzugehen, so Kolo. Dabei gelte: «Wir wollen Ruhe ausstrahlen. Wir gehen davon aus, dass sich unsere Besucher informieren und dann selbst entscheiden können, ob sie eine Veranstaltung besuchen wollen oder nicht.»

Katrin Kolo ist Intendantin am Theater Casino Zug.

Sie stellt aber auch fest: «Die Aufmerksamkeit, die das Virus im Moment hinter den Kulissen braucht, ist enorm.» Um den Betrieb aufrechtzuerhalten, bleibe zurzeit viel anderes liegen, obwohl das Personal aufgestockt wurde.

Der Kulturbetrieb soll aufrechterhalten werden

Das kulturelle Leben soll nämlich weiterhin stattfinden, auch wenn die kommenden Monate unter besonderen Vorzeichen stehen. Die Kulturschaffenden sind sich einig: «Wir haben uns von Beginn an mit andern Veranstaltern abgesprochen, wie wir mit der Situation umgehen», sagt Kolo. Dabei sei rasch klar geworden: «Wir haben den Auftrag, die kulturelle Versorgung sicherzustellen.» Das werde auch sehr geschätzt vom Publikum, wie sie anfügt.

«In anderen Kantonen gelten andere Regeln und Massnahmen. Es herrscht aus meiner Sicht ein ziemliches Durcheinander.»

Galvanik-Geschäftsleiterin Eila Bredehoeft

Im Moment habe man noch Glück: «Unser Spielplan ist derzeit nicht so dicht», so Kolo. Rund ein bis zwei Anlässe pro Woche stehen im Theater Casino auf dem Programm. «Wir können bis jetzt alle Anlässe durchführen. Abgesagt wurde hingegen das geplante Gastspiel von Kibbutz, einer Tanzgruppe, die nicht aus Israel ausreisen durfte.»

Kantönligeist sorgt für «Durcheinander»

Als vergangene Woche die Auflagen von den kantonalen Behörden verschärft wurden, musste Eila Bredehoeft am Wochenende einen ersten Anlass in der Galvanik absagen. «Wir konnten kurzfristig die Auflagen nicht erfüllen und so konnte eine Party nicht stattfinden, bei der 500 bis 600 Personen erwartet wurden.»

Kulturmanagerin Eila Bredehöft hat das «Rock the Docks» in Zug gross gemacht.

Bredehoeft würde sich gerne besser mit anderen Veranstaltern absprechen und Erfahrungen im Umgang mit den Corona-Auflagen austauschen. «Das machen wir auch, etwa mit der benachbarten Chollerhalle.» Darüber hinaus sei es aber schwierig. «In anderen Kantonen gelten andere Regeln und Massnahmen. Es herrscht aus meiner Sicht ein ziemliches Durcheinander.»

Freitag, der 13., soll mehr Klarheit bringen

«Es gibt eine grosse Planungsunsicherheit. Wir befinden uns in einer Warteposition», sagt Bredehoeft. Der nächste Termin, der dieses Durcheinander entweder entschärft oder – wie die Veranstalter hoffen – klarere Richtlinien bringt: Am Freitag, dem 13. März, wollen die Behörden informieren, welche Massnahmen bleiben und ob ab dem 15. März allenfalls neue Auflagen gelten. «Wir würden es begrüssen, wenn es zukünftig einheitliche Regelungen, auch zwischen den Kantonen gäbe», so Bredehoeft mit Nachdruck.

Ob es dabei bei einer einzigen abgesagten Party bleiben wird, ist höchst ungewiss. In der Galvanik sind mit «Glow in the Dark» und «Tanz mit Franz» für das Wochenende vom 27. und 28. März zwei grössere Partys angesagt.

In der Galvanik arbeiten sieben Personen mit einem fixen Pensum. Wenn es künftig zu mehr Ausfällen kommt, würde das vor allem die Freelancer betreffen, so Bredehoeft. «Leute, die an der Bar oder Garderobe arbeiten, müssen im Moment auch mit kurzfristigen Absagen rechnen.»

Die Situation ruft nach einem Notfallplan

Auch wenn die Veranstalter im Moment alles dafür tun, den kulturellen Alltag aufrechtzuerhalten: Mit weiteren abgesagten Kulturveranstaltungen ist zu rechnen. Die meisten Veranstalter – so auch die Galvanik und die TMGZ – haben sich zwar gegen Betriebsausfall versichert, die Versicherung greift aber nicht bei einer Epidemie.

Das gilt auch für viele Künstler, die ganze Konzertreihen absagen müssen, Dorftheater oder andere Vereine, bei denen das Jahreskonzert die wichtigste Einnahmequelle darstellt. Für all diese Kulturschaffenden kann Corona sogar existenzbedrohend werden.

Kolo und Bredehoeft würden es begrüssen, wenn nun auch die Diskussion über allfällige Entschädigungen seitens der Kulturförderung startet. Denn so weit wie in Luzern ist man in Zug noch nicht. Dort hat am Montag die SP gefordert, der Kanton solle einen Fonds einrichten, um Corona-geschädigten Kulturschaffenden zu helfen.

Vielleicht sollte aber auch diese Frage zuerst auf nationaler Ebene besprochen werden. Bei der Musik- und Theatergesellschaft Zug verweist man etwa auf Gespräche im Schweizerischen Bühnenverband, die derzeit geführt werden. Welcher finanzielle Schaden das Virus im Kulturschaffen tatsächlich anrichtet, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Noch ist der Notfall laut den Zuger Veranstaltern nicht eingetreten, doch: Die Situation ruft geradezu nach einem Plan.

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2 Kommentare
  1. mebinger, 11.03.2020, 08:11 Uhr

    Bleibe bei meiner Meinung. Wir haben den Bezug zur Realität völlig verloren und reagieren hysterisch

    1. Krishnamurti, 11.03.2020, 10:29 Uhr

      Viel Glück dir, scheinst ja nicht mehr der jüngste zu sein. Aber vielleicht ist dies auch nur natürliche Auslese

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