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Das vegane Restaurant, das jetzt währschafte Cordon-Bleus serviert
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«Prélude»-Geschäftsführerin Sandra Curiger und «Le Théatre»-Co-Leiter Andréas Härry. (Bild: pze)

Emmenbrücke: «Prélude» im Gersag eröffnet Das vegane Restaurant, das jetzt währschafte Cordon-Bleus serviert

6 min Lesezeit 2 Kommentare 21.08.2017, 18:09 Uhr

Im Gersag hat am Montag das «Prélude» eröffnet. Das Restaurant gehört zum Krienser Musical-Haus «Le Théatre», das im Herbst ebenfalls ins Gebäude neben der Gemeindeverwaltung zieht. Das Konzept: gleichwertig vegane Küche und klassische Fleischgerichte. Wie das geht, erklärt «Le Théatre»-Leiter Andréas Härry.

Noch umgibt ein Gerüst das alte Gersag-Gebäude neben der Emmer Gemeindeverwaltung. Es wird gewerkelt und gebaut im alten Mehrzwecksaal. Bald soll der Baustellenlärm durch Gesang ersetzt werden: Hier entsteht die neue «Le Théatre»-Bühne. Das Musical-Haus, jetzt noch in Kriens, zieht im Herbst nach Emmenbrücke. «Wir platzen in Kriens aus allen Nähten», erklärt der Co-Leiter und Musicalautor Andréas Härry den Wechsel.

Als wir Härry antreffen, fotografiert er gerade die Gartenmöbel des Restaurants Prélude, des neuen Gastronomiebetriebs im Haus. «Die Einrichtung der Terrasse ist ganz neu», sagt er stolz. Normalerweise sei es draussen vor dem Lokal sehr still, weil der Parkplatz zwischen Restaurant und befahrener Strasse liege. «Doch jetzt wird halt gebaut», ergänzt er schmunzelnd.

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Austausch zwischen Musical und Restaurant

Trotz Baulärm und Betriebsamkeit: Seit diesem Montag hat das Restaurant geöffnet. Das Prélude soll dereinst die Musical-Gäste auf den Abend einstimmen – daher auch der Name, zu Deutsch «Vorspiel». «Bisher brauchten wir immer ein externes Catering», so Härry, «jetzt können wir die Verpflegung unserer Gäste hausintern lösen.»

Auch wenn es sich juristisch gesehen um zwei verschiedene Betriebe handelt: «Wir stehen hinter beiden Betrieben, sehen das Ganze als eine Einheit. Es findet ein ständiger Austausch zwischen dem Theaterbereich und dem Restaurant statt.»

Die Terrasse wurde zur Eröffnung des «Prélude» mit neuen Möbeln bestückt.

Die Terrasse wurde zur Eröffnung des «Prélude» mit neuen Möbeln bestückt.

(Bild: pze)

Für das Tagesgeschäft im Restaurant ist Sandra Curiger verantwortlich. Der Co-Leiter Härry bleibt seinen künstlerischen Aufgaben treu – neben der Leitung schreibt er selber Musical-Stücke für das «Le Théatre».

Neuartiges Konzept

Der Gastrobetrieb ist aber nicht bloss Caterer für das Musical: Der Betrieb bietet Take-away-Angebote, Mittagsmenüs und eine breite Karte an. Die bisher vegane Karte des Restaurants Gersag wurde für das Prélude um Fleischgerichte ergänzt. Wegen des vorhandenen Know-hows wollen die Betreiber die Ausrichtungen gleichwertig behandeln – die Fleischgerichte sollen nicht den überwiegenden Teil der Karte ausmachen.

«Vegan soll bei uns eine gastronomische Ausrichtung sein und keine Religion.»

Andréas Härry, Co-Leiter «Le Théatre»

Vegane Küche – aber gleichzeitig Klassiker wie Kalbs-Cordon-bleu auf der Karte? «Wenn ich sage, bei uns gibt es vegane Menüs und Fleischgerichte, reagieren viele Leute gleich: ‹Das kann doch nicht funktionieren.› Ich aber finde: Einfach einmal machen», sagt Härry.

Erst wollte man vegane Küche streichen

Egal, wie man es anschaut: Ob veganes Restaurant mit Fleischkarte oder ein bodenständiges Restaurant mit veganer Karte, es mutet wie ein grosser Spagat an, den das Prélude hinlegt. Man läuft Gefahr, weder Fisch noch Vogel (noch keines von beiden, weil vegan) zu sein. «Ich empfinde dies gar nicht als grossen Gegensatz», winkt Härry ab, «es ist für uns nicht mehr als eine gastronomische Ausrichtung.» 

Zuerst habe man die vegane Karte streichen wollen – zu klein war das Angebot für die breite Öffentlichkeit, die sich hier für den Theaterbesuch einfinden wird. «Doch wir haben die Küche probiert und sie hat uns überzeugt.» Jetzt habe man die Ausrichtung beibehalten und durch herkömmliche Gerichte ergänzt. «Vegan soll bei uns eine gastronomische Ausrichtung sein und keine Religion», sagt Härry.

Ganzes Küchenteam aus «Gersag» übernommen

Was sicher hilft, ist die Erfahrung in Sachen veganem Kochen. Küchenchef Ronny Schneider ist seit über sechs Jahren im Gersag, während den letzten drei wurde ohne tierische Produkte gekocht. Er flambiert gerade Cherrytomaten, als wir in die geräumige Küche treten.

Schneider und sein ganzes fünfköpfiges Team sind geblieben, als klar wurde, dass das «Le Théatre» einziehen und das Restaurant übernehmen wollte. Er freue sich auf die Herausforderung – durch die Musical-Auftritte versprechen sich die Betreiber einen Andrang von 70 bis 80 Personen, die sich am Abend vor der Aufführung ein Dreigangmenü im Prélude gönnen. Das Musical wird dabei einen grossen Einfluss auf die Menü-Karte haben. «Wir werden themenorientiert kochen», verspricht Schneider, «wir sind stets à jour, was im Theater läuft.»

Hoch schiessen die Flammen: Küchenchef Ronny Schneider flambiert Cherrytomaten.

Hoch schiessen die Flammen: Küchenchef Ronny Schneider flambiert Cherrytomaten.

(Bild: pze)

Wer befürchtet, das vegane Essen komme in der Küche mit tierischen Produkten in Berührung, den beruhigt Schneider: «Wir verfügen über separierte Kühlräume und bereiten das Essen in unterschiedlichen Pfannen zu.» 

Wenn man vegan kochen wolle, so müsse man dies richtig tun und mit Rücksicht auf die Kunden. «Das sind wir den Gästen schuldig», so Schneider. Schneiders Ziel für die neue Herausforderung mit den Musical-Gästen ist einfach: «Ich möchte, dass die Leute aus dem Restaurant laufen und sagen: ‹Hier komme ich wieder hin.›»

Flexitarier als neuer Markt

Am Schluss muss das Restaurant wie ein Musical sein: für fast jedermann. «Im Zeitalter der bewussten Ernährung, der Allergien und der modernen Küche wollen wir allen Leuten die Möglichkeit für ein schönes Gesamterlebnis bieten.» 

Auch gebe es immer mehr Flexitarier, also Menschen, die bewusst ab und zu auf Fleisch verzichten würden. Auch die wolle man ansprechen. Härry: «Die vegane Küche bietet viel – warum sollten nicht-vegane Leute nicht auch ein fleischloses Menü geniessen können?»

«Le Théatre» im Oktober umgebaut

Fertig wird der Umbau anfangs November sein. Dann werden erste Events als Testlauf für die neue Technik im Musical-Saal stattfinden: Das sinfonische Orchester Aulos spielt am 22. Oktober im neuen Saal und ein Lottoabend des Jodlerklubs «Maiglöggli» findet am 4. November statt. «Technisch ist das weniger anspruchsvoll als ein Musical», weiss auch Härry, «aber es kann alles durchgeprobt werden, sodass wir am 25. November bereit sind.» 

Dann feiert das Musical «95 – Ninety-Five» Premiere – die Fortsetzung von Härrys eigener, letztjähriger Produktion «Summer of ’85», in der Hits aus den 80ern als Soundtrack dienten. In der aktuellen Produktion werden es Gassenhauer der 90s sein.

Die Farben der 70er müssen weichen: Die Decke der Musical-Halle wird schwarz gepinselt.

Die Farben der 70er müssen weichen: Die Decke der Musical-Halle wird schwarz gepinselt.

(Bild: pze)

Das heutige Gersag-Gebäude ist weder aus den 90ern noch den 80ern, sondern ein typischer 70er-Jahre-Bau: Das Farbkonzept besteht aus unsäglichen Orange- und Gelbtönen. Etwas, das auch Härry ein Dorn im Auge ist. «Wir wollen, dass es hier nicht mehr nach Mehrzweckhalle, sondern nach Theater aussieht.» Anthrazit, Schwarz und Rot werden werden das «Le Théatre» einst prägen.

Im Aufführungsraum entfernen die Arbeiter die Brüstung im ersten Stock und bauen eine schräge Tribüne an den Balkon an. Rund 550 Personen werden Platz finden bei Musicals oder Theater, 800 bei einem Konzert. «Damit sind wir kleiner als der Luzerner Saal des KKL, aber grösser als das Luzerner Theater», sagt Härry.

Das Restaurant Prélude

Das Restaurant Prélude ist offen von Montag bis Freitag von 08.00 Uhr bis 23.00 Uhr. Am Samstag öffnet das Restaurant jeweils um 17.00 und ist bis 23.00 Uhr geöffnet.

Grössere Kapazität gibt Luft

Zusammen mit seiner Geschäftspartnerin Sonja Greber hat Härry ein Darlehen von vier Millionen Franken für den Umbau des Gersag zum neuen «Le Théatre» seitens der Gemeinde bekommen. «In Emmenbrücke haben wir eine viel grössere Kapazität. Im letzten Jahr mussten wir in Kriens 50 Vorstellungen spielen, um den Bedarf abzudecken. Für die gleiche Anzahl Zuschauer spielen wir hier nur 30 Abende.» Das gebe etwas Luft zum Durchatmen.

In Kriens werden bis zum Umzug im Herbst keine Vorstellungen mehr gespielt. Bis Ende Jahr werde das Gebäude ab und zu für Veranstaltungen vermietet – ab 2018 wird das jetzige «Le Théatre» einer neuen Bestimmung zugeführt, so Härry. Was daraus wird, sei derzeit noch offen.

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2 Kommentare
  1. Peter Zweigelt, 22.08.2017, 12:56 Uhr

    Schade. Es klingt sehr danach, als ob alles Altbewährte wie das Kind mit dem Bad ausgeschüttet und durch lieblose Marktlogik ersetzt wird. Den kultigen Bau aus den 70ern einfach schwarz übermalen, damit man nichts mehr sieht. Das Alleinstellungsmerkmal vegane Küche durch langweilige Bünzli-Cordonbleus ersetzen… Einfach schade. Klingt sehr unsympathisch.

    1. Pascal Zeder, 22.08.2017, 15:35 Uhr

      Danke für Ihren Kommentar. Als Gegenargument möchte ich anführen: Die Nutzung des Gebäudes ändert sich. Ein Theater braucht einen neutraleren Anstrich, um die richtige Atmosphäre erzeugen zu können – da sind grelle Gelb- und Orangetöne nicht unbedingt das Richtige. Und mit der neuen Nutzung lässt sich auch die Karte erklären: Ein Theater braucht Essen für jedermann. Sie können es auch so sehen: Anstatt die vegane Küche zu streichen hat man sie «nur» durch klassische Küche ergänzt! Ist doch auch schön.