Das Spielerkader des EV Zug wird günstiger – aber es bleibt hochwertig
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Einer von vier Youngstern, die dem EV Zug weiterhin die Treue halten: Stürmer Sven Leuenberger. (Bild: Marusca Rezzonico/Freshfocus)

Zeit für eine Kostenkontrolle Das Spielerkader des EV Zug wird günstiger – aber es bleibt hochwertig

4 min Lesezeit 14.01.2021, 18:04 Uhr

Die Lohnkosten für das EVZ-Kader der nächsten Saison müssen um rund 700’000 Franken reduziert werden. Dennoch will der aktuelle Leader aus Zug nichts an Qualität und Schlagkraft einbüssen. Es ist eine fast unlösbare Aufgabe, die Sportchef Reto Kläy meistern muss. Aber er ist auf Kurs.

Unter Federführung von Manager Patrick Lengwiler sind die Verantwortlichen des EV Zug in diesen Tagen und Wochen daran, den freiwilligen Lohnverzicht der Spieler wegen der coronabedingten fehlenden Einnahmen bis zum Saisonende auszuhandeln.

Die erste Vereinbarung ist per Ende 2020 ausgelaufen. In dieser Frist haben die Spieler auf maximal 15 Prozent des Monatslohns verzichtet (zentralplus berichtete).

Immer, wenn es darum geht, freiwillig auf Geld zu verzichten, dürfen die Angestellten erwarten, dass die Chefetage auf jeden Franken schaut und nirgends unnötig Geld ausgibt.

Zwei Umstände kommen Kläy gelegen

Kostspielige Transfers im Hinblick auf die nächste Meisterschaft wären den laufenden Verhandlungen betreffend Lohnverzicht kaum zuträglich. Deshalb ist es Zeit für eine Kostenkontrolle des Zuger Transfergeschäfts.

Ob die von Sportchef Reto Kläy angekündigte Sparübung den Tatsachen entspricht und um welchen Betrag er das Lohnbudget der ersten Mannschaft für die nächste Saison reduzieren muss, verrät Kläy unter keinen Umständen. Dass der «Sparbatzen» bei rund 700’000 Franken zu verorten ist, versichern EVZ-Insider zentralplus.

Sportchef Reto Kläy hat es in die Karten gespielt, dass ursprünglich gleich 13 Spieler-Verträge zum Ende der jetzigen Saison ausgelaufen sind. Und die weltweite Virus-Krise hat zu einer Senkung des Lohnniveaus geführt.

EVZ-Youngsters haben verlängert

Die aktuelle Situation an der Zuger Transferfront liest sich so:

  • Den Vertrag verlängert haben die aufstrebenden Talente Yannick Zehnder, Sven Leuenberger, Livio Stadler und Dario Wüthrich. Das Gleiche gilt für Routinier Sven Senteler (zentralpus berichtete) und für Trainer-Assistent Josh Holden.
  • Neu verpflichtet wurden Samuel Kreis von Biel, Fabrice Herzog von Davos (zentralplus berichtete) und Reto Suri von Lugano.
  • Den Klub verlassen werden Captain Raphael Diaz (zu Fribourg), Santeri Alatalo (zu Lugano), Calvin Thürkauf (zu Columbus/NHL), Jesse Zgraggen und Yannick-Lennart Albrecht. Dazu Trainer-Assistent Klas Östman.

Verteidiger Nico Gross wird seinen noch bis 2022 laufenden Academy-Vertrag erfüllen, wenn ihn nicht noch der Ruf aus Nordamerika erreichen sollte. Die Wahrscheinlichkeit dafür scheint jedoch sehr gering. Offen ist hingegen, ob es auch in Zukunft einen Platz für Livio Langenegger im EV Zug geben wird.

Die Neuverpflichtungen und Vertragsverlängerungen wird der EV Zug auf Rat der Liga frühestens Anfang Februar offiziell bekannt geben.

Verteidigung liefert «Sparbatzen»

Anhand von geschätzten Salären präsentiert sich die Zuger Lohnkosten-Rechnung für 2021/22 im Grossen und Ganzen so:

  • In der Verteidigung werden durch die Abgänge von Santeri Alatalo, Raphael Diaz und Jesse Zgraggen insgesamt 1,7 Millionen Franken frei. Davon wurden bislang 300’000 Franken in Samuel Kreis investiert. Das ergibt ein Sparpotenzial von 1,4 Mio. Franken.
  • Im Sturm werden die Jahreslöhne der neuverpflichteten Fabrice Herzog und Reto Suri 150’000 Franken mehr kosten als durch die Abgänge von Yannick-Lennart Albrecht und Calvin Thürkauf frei werden. Folglich reduziert sich das Sparpotenzial auf 1,250 Mio. Franken.
  • Die Vertragsverlängerungen von Yannick Zehnder, Sven Leuenberger, Livio Stadler und Dario Wüthrich werden zusätzliche Lohnkosten von 300’000 Franken verursachen, weil sie nach der Ausbildung ihren ersten Profivertrag unterschrieben haben. Dafür ziehen wir für die Vertragsverlängerung mit Sven Senteler 50’000 Franken. ab. Das Sparpotenzial sinkt dergestalt auf 1 Mio. Franken.

Damit liegt EVZ-Sportchef Reto Kläy noch 300’000 Franken. über dem geforderten «Sparbatzen» von 700’000 Franken.

Weichenstellung bei Ausländer-Frage

Zusammen mit EVZ-Cheftrainer Dan Tangnes muss Kläy aber noch in der Personalplanung eine Weiche stellen: Werden die Zuger nächste Saison mit je zwei ausländischen Stürmern (Vertrag des Tschechen Jan Kovar läuft weiter) und zwei ausländischen Verteidigern antreten?

«Das ist tatsächlich der springende Punkt.»

EVZ-Sportchef Reto Kläy

Oder aber mit einem ausländischen Verteidiger und drei ausländischen Stürmern? Das würde bedeuten, dass Reto Kläy noch einen erstklassigen Schweizer Verteidiger verpflichten würde.

EVZ-Kandidaten sind zum Beispiel der bisherige NHL-Crack Mirco Müller, der sich frühestens Ende Januar entscheiden will, ob er seine Karriere in der Schweiz fortsetzen wird. Oder Rapperswils Jungstar Dominik Egli, dem zugetraut wird, in den nächsten Jahren ein dominierender Schweizer Verteidiger in der National League zu sein.

Gut zwei Millionen für drei oder vier Spieler

Die entscheidende Frage ist: Wie viel Sinn macht es, einen kostspieligen Schweizer Verteidiger zu verpflichten, wenn ab der Saison 2022/23 voraussichtlich doppelt so viele Ausländer wie heute (acht statt vier) spielberechtigt sein werden?

Das sei tatsächlich der springende Punkt, bestätigt Reto Kläy. «Auch wenn wir die Ausländer-Obergrenze nicht ausreizen und unserer Klubphilosophie treu bleiben wollen.»

Damit kommen wir zurück zu unserer Lohnkosten-Rechnung: Geschätzte 1,75 Mio. Franken brutto (inklusive Steuern, Wohnung, Flugtickets und sonstige Extras) werden Erik Thorell, Carl Klingberg und Nick Shore den EVZ bis zum Saisonende kosten. Dazu kommen die 300’000 Franken, die Kläy noch über dem geforderten «Sparbatzen» liegt.

Das heisst: Diese gut zwei Millionen Franken kann der Sportchef in zwei ausländische Stürmer und je einen ausländischen und einen Schweizer Verteidiger investieren.

Oder aber in einen ausländischen Stürmer und zwei ausländische Verteidiger.

Das Budget diktiert Reto Kläy das Erreichen der Zuger Schmerzgrenze.

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