Das smarte Haus
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Das Mehrfamilienhaus Kirchrainweg in Kriens wurde mit dem Watt d'Or 2014 in der Kategorie Gebäude und Raum ausgezeichnet. (Bild: Emanuel Ammon / AURA)

Minergie-A-Eco-Haus in Kriens ausgezeichnet Das smarte Haus

4 min Lesezeit 05.02.2014, 05:55 Uhr

Dank neuen Technologien und einer besonderen Bauweise produziert ein Krienser Mehrfamilienhaus mehr Strom, als es selbst verbraucht. Dafür erhielten die Projektleiter und Baarer Architekten vom Bundesamt für Energie den renommierten Watt d’Or.

Seiner Zeit war Markus Portmann immer schon ein bisschen voraus. So tüftelte der Krienser bereits 2010 an einem raffinierten Konzept, um die Energie in einem mit Solarstrom betriebenen Gebäude möglichst geschickt zu nutzen. Es wäre doch nicht schlecht, dachte er, wenn die Haushaltsgeräte so smart wären, sich selbst genau dann einzuschalten, wenn genügend Strom für ihren Betrieb vorhanden ist. So bestechend die Idee war, ihre Umsetzung scheiterte daran, dass solch schlauen Geräte damals noch nicht auf dem Markt waren.

Das hat sich nun geändert. Und Energieberater Portmann konnte nicht nur sein Traumprojekt realisieren, er ist auch um einen Preis reicher. Im Januar zeichnete der Bund das von Portmann und seiner Partnerin Marie-Theres konzipierte Mehrfamilienhaus (MFH) Kirchrain in Kriens gemeinsam mit dem Baarer Architekturbüro aardeplan mit dem renommierten Watt d’Or in der Kategorie Gebäude und Raum aus. Den vergibt der Bund für «Bestleistungen im Energiebereich».

Stromproduktion grösser als Verbrauch

Das MFH am Kirchrainweg ist ein besonderes Gebäude. Es steht mitten in Kriens, am Fuss des Pilatus, hat fünf Wohnungen, verbraucht keine zusätzliche Energie und produziert sogar mehr Strom, als es benötigt. Ausserdem ist es mit einem schlauen System ausgerüstet, das über die gesamte Anlage verteilt die Energieressourcen managet. Jeder kann an seiner Geschirrspülmaschine selbst einstellen, ob sie sofort oder im Laufe des Tages, wenn es stromtechnisch am günstigsten ist, laufen soll. «Was man mit Intelligenz lösen kann, braucht keine Energie», sagt Portmann, der die Energieberatungs-Agentur e4plus leitet und seit 25 Jahren im Energiemarkt aktiv ist.

Deshalb erfüllt das MFH Kirchrainweg auch als erstes Mehrfamilienhaus in der Zentralschweiz die Anforderungen des Minergie-A-Eco Standards. Das heisst, das Haus braucht in der Jahresbilanz keine Zufuhr von Betriebsenergie und erfüllt zudem ökologische Kriterien. Trotz Nordlage haben die Portmanns und die Architekten das Haus mit einer Solarstromanlage auf dem leicht geneigten Schrägdach ausgestattet. Grossflächige Fenster ermöglichen zusätzliche Wärmegewinnung mit Hilfe des Sonnenlichts.

Eine wichtige Rolle spielt auch, wieviel sogenannte graue Energie ein Gebäude verbraucht. Das ist die Energie, die benötigt wird, um es zu bauen. Die Portmanns setzten auch in diesem Bereich auf Nachhaltigkeit, sprich regionale Ressourcen und kurze Transportwege. Die Wohngeschosse sind mit dem Holz von Luzerner Weisstannen gebaut.

Lob von der Hochschule

«Das Projekt Kirchrainweg setzt Masstäbe und zeigt, was bei gesamtheitlicher Planung heute schon realisierbar wäre», sagt Urs-Peter Menti, Leiter des Kompetenzzentrums für Integrale Gebäudetechnik an der Hochschule Luzern. Zudem erfülle es in den drei Bereichen der Nachhaltigkeit Wirtschaft, Ökologie und Gesellschaft die höchsten Anforderungen.

Es gibt in der ganzen Schweiz erst zehn Häuser, die nach dem Minergie-A-Eco Standard gebaut sind. Die meisten sind Einfamilienhäuser. Ausser dem MFH Kirchrainweg steht noch in Abtwil SG und in Rüegsauschachen BE ein nach diesem Standard erstelltes Mehrfamillienhaus. «Leider ist das Interesse für nachhaltiges Wohnen noch sehr bescheiden», bedauert Portmann. Die Wohnungen im MFH Kirchrainweg kosteten allerdings nicht mehr als andere Wohnungen mit einem vergleichbaren Ausbaustandard. Weil sie auf hochwertige Qualität setzten, sei das Haus über einen längeren Zeitraum sogar günstiger.

2000 Watt Gesellschaft

Das Grundprinzip der 2000 Watt Gesellschaft ist schnell erklärt. Es geht darum, dass alle weniger Energie verbrauchen. Heute liegt der durchschnittliche Verbrauch pro Kopf in der Schweiz bei 6000 Watt. Weil viel Energie durch Bauten und Mobilität verbraucht wird, gibt es in diesem Bereich viel Sparpotenzial.

Auch das MFH Kirchrainweg will seine Bewohner zur Nutzung des öffentlichen Verkehrs motivieren. Die Einstellhalle ist nur für Fahrräder konzipiert.

Markus Portmann wünscht sich, dass das Bewusstsein für nachhaltiges Bauen in der gesamten Baubranche noch steige. Auch bei den gesetzlichen Rahmenbedingungen sollten die Kantone, findet er, nachbessern, ob es nun um Parkplatzreglemente, Gebäudeabstände oder die Wasserversorgung gehe. Das Haus am Kirchrainweg erfüllt die Anforderungen der 2000 Watt Gesellschaft (siehe Box).

«Zero Emissions Architecture» als Steigerung

Nicht alle, die sich in der Schweiz mit nachhaltigem Bauen beschäftigen, setzen auf Minergie-Standards. An der ETH Zürich verfolgt das Team um Professor Hansjürg Leibundgut einen Ansatz, der noch weiter geht. Die «Zero Emissions Architecture» soll nicht nur Energie sparen, sondern zielt darauf ab, dass es gar keine Emissionen mehr gibt. Denn der Schweizer Gebäudepark verursacht heute mit Heiz- und Kühlsystemen rund die Hälfte des landesweiten Energieaufwands und der CO2-Emissionen.

Das einfache, aber geniale Prinzip der ETH-Forscher: Die Sonnenenergie im Sommer für das Heizen im Winter speichern. Das Institut für Technologie in der Architektur (ITA) hat zu diesem Zweck neue multifunktionale Solarpanels entwickelt. Sie können gleichzeitig Wärme und Strom produzieren. Was im Sommer an überschüssiger Wärme entsteht, leitet das System mit Sonden bis zu 500 Meter tief in die Erde. Mit einer Pumpe gelangt die gespeicherte Wärme im Winter zurück ins Haus und sorgt dort zumindest temperaturmässig für zarte Sommergefühle.

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