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«Das sind für mich schon Alarmzeichen»
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Zuger Berggemeinden auf der Suche nach Wasser «Das sind für mich schon Alarmzeichen»

5 Min 18.11.2015, 10:00 Uhr

Seit Wochen ist es ungewöhnlich warm und trocken. Die Wanderer freuts, die Zuger Bauern weniger. Besonders in den Bergregionen ist die aktuelle Grundwasserlage prekär. Hält die Trockenheit noch länger an, dürfte mancherorts auch die Bevölkerung bald betroffen sein. Und dann wird die Badewanne zum Tabu.

Grau ist er, der November. Nass. Kalt. Oder? Nicht dieses Jahr. Es ist ein Herbst, der allen Wintergegnern, allen mürrischen Gemütern den Garaus macht. Sonne, wohin man blickt. Regen? Von wegen. Seit Wochen ist es trocken. So trocken, dass einige Brunnen in der Zentralschweiz schon lange leer stehen (zentral+ berichtete) und der tiefe Wasserpegel in den Reservoiren so einigen Gemeinden Bauchschmerzen bereitet.

Die Zuger Landwirte mussten schon im Sommer mit wenig Regen auskommen. Die Ernte litt. Nun ist es wieder trocken. Ist das ein Problem? Raymund Gmünder, Pflanzenbau-Lehrer an der landwirtschaftlichen Schule Schluechthof in Cham, erklärt: «Für den Pflanzenbau ist das aktuelle Wetter nicht dramatisch, denn mittlerweile ist die Vegetation zu Ende, es wächst nicht mehr viel.»

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Regen braucht’s, nicht Schnee

Zwar wurde im September und Oktober noch Raps und Gerste gepflanzt, laut Gmünder habe aber die wenige Feuchtigkeit gereicht, damit die Samen keimen konnten. Es sind andere Aspekte der Trockenheit, die Gmünder Kummer bereiten: «Es müsste jetzt noch regnen, bevor alles gefriert. Wenn es schneit, landet dieses Wasser nicht im Grundwasservorrat. Und wenn dann der Winter trocken bleibt und die Pflanzen im Frühling wachsen müssen, dann wird’s knapp.»

In einigen Gemeinden wie beispielsweise Menzingen will man solchen Eventualitäten vorbeugen. «Wir haben ein Konzept, das wir einsetzen können, wenn es nun länger trocken sein sollte», erklärt Othmar Trinkler, der Präsident der Dorfgenossenschaft Menzingen, welche für die Trinkwasserversorgung in der Berggemeinde zuständig ist. So werde man als Erstes einen Wassersparaufruf tätigen: «Wir fordern die Bevölkerung auf, ihr Auto beispielsweise nicht mehr so häufig zu waschen. Den Geschirrspühler und die Waschmaschine nur laufen zu lassen, wenn sie voll ist. Und zu duschen, statt zu baden.»

«Wir sitzen da alle im gleichen Boot.»

Othmar Trinkler, Präsident der Dorfgenossenschaft Menzingen

Ausserdem sei man im Verbund mit den Wasserwerken Zug (WWZ). «Von dort könnte man einen gewissen Teil dazupumpen. Nur: Dann fehlt das Wasser andernorts. Wir sitzen da alle im gleichen Boot.»

Immerhin habe Menzingen in den letzten Jahren Fortschritte gemacht, indem es mittlerweile eine Wasser-Netzüberwachung gebe. Trinkler sagt: «So merken wir, wenn irgendwo ein übermässiger Verbrauch stattfindet.» Und was heisst das? Klopft dann die Dorfgenossenschaft an, wenn ein Einwohner länger als zehn Minuten duscht? «Nein, nur der übermässige Verbrauch wird bemerkt. Vor allem in den Nachtstunden. Wenn beispielsweise viel Wasser während der Nacht läuft, kann man davon ausgehen, dass irgendwo ein Leck ist.» Auch wenn das nur 20 Minutenliter seien. «Das sind dann immerhin 28’000 Liter pro Tag. Es geht uns darum, einen haushälterischen Umgang zu fördern.»

Das Grundwasser sinkt

Die Wasserreservoire der Gemeinde Menzingen umfassen eine Kapazität von 3440 Kubikmeter. Davon sind 820 Kubikmeter als Löschreserve eingeplant. Versorgt werden damit etwa 3500 Personen. Und die verbrauchen täglich um die 1200 Kubikmeter Wasser. Das reicht ja, besonders in dieser Trockenzeit, nirgends hin! Doch, erklärt der Präsident der Dorfgenossenschaft Menzingen. «Das Problem ist nämlich nicht der tiefe Wasserspiegel in den Reservoiren – diese sind noch voll –, sondern, dass die Quellen, welche das Reservoir auffüllen, wenig Wasser tragen. Zudem sinkt auch der Grundwasserpegel, von dem wir abzapfen.»

Derzeit ist es vor allem die unzureichende Wasserversorgung der landwirtschaftlichen Betriebe, die Trinkler zu schaffen machen. «Viele Bauern haben zwar eigene Wasserfassungen, sind demnach nicht an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen. Doch bereits jetzt reicht einigen Menzinger Bauern die eigene Versorgung nicht mehr aus.» Und wenn es vor dem Frost nicht mehr regne, dann könnten auch die Reservoire nicht mehr aufgefüllt werden.

Eine Netzüberwachung für den haushälterischen Umgang

Jedenfalls werde die Dorfgenossenschaft Menzingen die Entwicklungen genau beobachten. «Wir wollen dieses Jahr sicher nicht vergessen, aber dennoch keine Panik schüren. Zuerst schauen wir, wie die nächsten zwei, drei Jahre werden», so Trinkler.

«Ich habe meinen Hof seit 22 Jahren, und so etwas habe ich noch nie gesehen.»

Franz-Xaver Nussbaum, Landwirt aus Finstersee

Ein Bauer, der derzeit auf die Hilfe der öffentlichen Wasserversorgung zurückgreifen muss, ist Franz-Xaver Nussbaum aus Finstersee. Und das, obwohl er eigene Quellen besitzt. «Ich habe meinen Hof seit 22 Jahren, und so etwas habe ich noch nie gesehen. Ich habe mehrere Quellen, darunter eine ganz gute, die normalerweise sieben bis acht Minutenliter befördert. Mit dieser habe ich immer geprahlt. Jetzt ist davon nur noch ein kleines Rinnsal übrig.»

Nun muss sich Nussbaum alle vier Tage 6000 Liter Wasser liefern lassen. «Ich schaue schon, dass ich spare, wo ich kann. Aber die Kühe und Rösser müssen trotzdem saufen. Dann dusche ich halt nur dreimal im Jahr», sagt er und schmunzelt.

Die Birnen bleiben klein

Auch im Wald merke man die Auswirkungen der starken Trockenheit dieses Jahr. «Die Überlebenschancen der Bäume werden kleiner, wenn sie zu wenig Wasser haben», sagt Nussbaum. Überhaupt werde es schwieriger für alles, was nicht direkt an der Erdoberfläche wachse. «Die Wasserbirnen werden normalerweise ziemlich gross. Heuer sind sie klein geblieben. Immerhin konnte ich dank des Wetters gut heuen. Fürs Gras reichte das wenige Wasser.» Beim Ackern jedoch habe er noch nie so grosse Spalte in der Erde gesehen wie dieses Jahr. «Das sind für mich schon Alarmzeichen», so Nussbaum, und er ergänzt: «Ich wäre froh, wenn Sie ein bisschen für Regen beten könnten.»

«Bei uns gibt es keine Probleme mit dem Wasser. Und es wird auch keine geben.»

Josef Ribary, Gemeindepräsident von Unterägeri

Wie geht es denn den anderen Berggemeinden in Zug? Im Ägerital zeigt man sich entspannt. Der Unterägerer Gemeindepräsident Josef Ribary sagt: «Bei uns gibt es keine Probleme mit dem Wasser. Und es wird auch keine geben.» Der Grund ist ein einfacher. Ägeri verfügt seit rund 20 Jahren über ein Seewasserwerk. Dennoch. Zwei, drei Höfe gebe es schon, die momentan von der Feuerwehr mit Wasser versorgt werden.

Neuheimer Wasser in Zürcher Brunnen

Eine ähnlich konfortable Lage wie Ägeri geniesst die Gemeinde Neuheim. Auch, wenn es dort keinen See gibt. Der Gemeindepräsident Roger Bosshart erklärt: «Vor hundert Jahren hat Neuheim der Stadt Zürich eine ziemlich grosse Quelle verkauft. Diese läuft über Walterswil, das Wasser wird entlang der Sihl bis in die Stadt Zürich geführt und betreibt dort ein Viertel der Brunnen.» Mit Zürich sei beim Verkauf die Abmachung getroffen worden, dass man bei Bedarf Wasser nach Neuheim hochpumpen dürfe. «Und das wird momentan auch gemacht», so Bosshart.

Daneben verfüge die Gemeinde Neuheim gemäss dem Gemeindepräsident zudem über weitere Quellen, welche man künftig fassen könne.

Ein wenig Linderung dürfte der kommende Freitag bringen. Die Meteorologen prognostizieren Regen. Dieser dürfte sich dann ab Samstag teilweise in Schnee verwandeln.

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