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Das sind die Zwischenzeugnisse der EVZ-Toptransfers
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Grégory Hofmann in seiner Lieblingsposition: Er bejubelt einen Torerfolg für den EVZ – wie hier nach seinem 3:0 gegen den SC Bern. (Bild: Daniela Frutiger/freshfocus)

Hofmann und Genoni auffallendste Akteure Das sind die Zwischenzeugnisse der EVZ-Toptransfers

6 min Lesezeit 17.10.2019, 05:00 Uhr

Der EV Zug hat nach einem harzigen Saisonstart Fahrt aufgenommen: Vier Siege und 13 Punkte resultierten aus den letzten fünf Meisterschaftsspielen. Aber wie haben die namhaften Neuverpflichtungen des meistgenannten Titelanwärters bislang abgeschnitten?

Mit 1,91 Punkten pro Spiel ist die Mannschaft von EVZ-Trainer Dan Tangnes mittlerweile zur zweiterfolgreichsten Mannschaft nach fast einem Viertel der Qualifikation aufgestiegen – zusammen mit Lausanne. Nur Spitzenreiter Biel (2 Punkte pro Spiel) performt derzeit noch ein bisschen besser.

Der sportliche Aufschwung der Zuger ist eng an die Justierung des Spiels ohne Scheibenbesitz gekoppelt (zentralplus berichtete). In letzter Zeit findet das EVZ-Spektakel nicht mehr wie Anfang Saison noch vor beiden, sondern in der Hauptsache nur noch vor dem gegnerischen Tor statt. So, wie es dem meistgenannten Titelfavoriten gut ansteht.

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Das Heimspiel am Freitag gegen die Rapperswil-Jona Lakers (19.45 Uhr, Bossard-Arena) bietet dem Cupsieger eine erste Chance zur Revanche. Die 3:4-Niederlage gegen die graue Maus der Liga markierte gegen Ende September die Wende zum Besseren im EVZ. Zeit, die Leistungen der Zuger Toptransfers ein erstes Mal zu beurteilen.

Hofmann: Scharfschütze vom Dienst

«Betreffend Gefahr und Effizienz der Schüsse, die wir aufs gegnerische Tor bringen, sind wir die Nummer 1 der Liga», sagt EVZ-Sportchef Reto Kläy und bezieht sich damit auf eine detaillierte Liga-Statistik. Einen bemerkenswerten Beitrag dazu leistet Grégory Hofmann. Der 26 Jahre alte Flügelstürmer war mit 30 Toren in 50 Spielen schon der beste Goalgetter der letzten Qualifikation, als er noch für Lugano in Lohn und Brot stand. Und jetzt scheint er den Wert noch steigern zu wollen.

Hofmann erzielte zuletzt beim 4:3-Sieg der Zuger im Hallenstadion seine Saisontore 10, 11 und 12. Und weil er erst elf Meisterschaftsspiele für seinen neuen Arbeitgeber in den Beinen hat, spekulierte der «Blick» bereits darüber, ob er der neue Schweizer Rekordtorschütze wird. Die Bestmarke des viel zu früh verstorbenen charismatischen Goalgetters Peter Jaks steht bei 39 Treffern in 36 Spielen aus der Saison 1986/87.

Rechnet man Hofmanns aktuellen Torschnitt pro Spiel auf 50 Qualifikationspartien hoch, landet man bei atemberaubenden 54 Toren. Das wäre sagenhaft – und trotzdem nicht Liga-Rekord. Den hält der Schwede Kent Johansson mit 57 Toren in 38 Spielen für Lugano (1984/85).

«Jan Kovar macht Dinge auf dem Eis, die kein Gegenspieler erwartet – und auch längst nicht jeder kann.»

EVZ-Sportchef Reto Kläy

Doch auch für den derzeitigen Liga-Topskorer Hofmann gilt: Sein Wert für den EVZ lässt sich nicht nur an den Skorerpunkten bemessen. Er muss auch sein Scherflein zur Defensivarbeit beitragen. Und da fällt trotz aktuell 12 Toren und 7 Assists auf: In der Plus-Minus-Bilanz (im Einsatz bei gleichem Spielerbestand während geschossener und erhaltener Tore) steht bloss eine Null. In diesem Bereich gibt es also noch deutlich Luft nach oben. «Wir müssen in unserer Abstimmung konstanter werden», sagt Kläy generell.

Kovar: Genie, Leader und Spassvogel

Der 29 Jahre alte Tscheche als Mastermind und Hofmann als Vollstrecker – das funktioniert und verleiht dem EVZ offensive Durchschlagskraft. «Jan Kovar macht Dinge auf dem Eis, die kein Gegenspieler erwartet – und auch längst nicht jeder kann», sagt Kläy und bezeichnet ihn als «unheimlich wertvollen Spieler für den EVZ».

Mit 3 Toren und 10 Assists in bislang 11 Meisterschaftsspielen ist er nach Hofmann der zweitbeste EVZ-Skorer und aktuell die Nummer 6 der Liga. Aber die Bedeutung Kovars für den EVZ geht über die Anzahl Skorerpunkte hinaus. Er sei ein Leader, der den jungen Talenten vieles beizubringen versuche, und ein Spassvogel, charakterisiert Kläy den begnadeten Center.

Wenn es bisher etwas zu bemängeln gibt, dann sind es gelegentlich sinnlose Strafen, die Kovar kassiert. Andererseits traut man ihm ohne Weiteres zu, dass er sein Leistungsniveau auf ein deutlich höheres Level schrauben kann.

Es wird eine der wichtigsten Aufgaben von Kläy in der Personalplanung für 2020/21 sein, den nur bis Saisonende gültigen Vertrag mit Kovar zu verlängern. «Die Zeit der konkreten Gespräche mit möglichen Neuzugängen oder Spielern, die man weiterbeschäftigen will, fängt jetzt an», sagt Kläy dazu.

Genoni: Opfer eines Findungsprozesses

Man verpflichte den fünffachen Meistergoalie Leonardo Genoni und das Zuger Tor ist wie vernagelt. Wer tatsächlich an den Erfolg dieses Rezepts geglaubt hat, unterlag einem fundamentalen Irrtum und erhält stattdessen lehrreichen Anschauungsunterricht. Genoni ist mit einer Abwehrquote von 88,85 Prozent der schlechteste aller Goalies, die es in der Startphase einer neuen Meisterschaft auf mindestens acht Saisoneinsätze in der National League bringen.

Also Alarmstufe rot beim EVZ? Weit gefehlt. Kläy sagt gelassen: «Es bedarf in jedem Team stets Zeit, bis sich ein neuverpflichteter Goalie ans System und das Abwehrverhalten seiner Feldspieler gewöhnt hat. Erst recht, wenn in einem Team mit ein paar Zuzügen und Abgängen noch Abstimmungsprobleme herrschen.»

Darf das wirklich wahr sein? Nach dem harzigen Saisonstart scheint es aber auch mit den Leistungen von Zugs Top-Goalie Leonardo Genoni aufwärts zu gehen.

Vor allem: Eine Meisterschaft wird nicht entschieden, wenn es kalt wird. Sondern wenn es wieder warm wird. Also im nächsten Frühjahr. Und kein anderer Torhüter in der Liga weiss so genau wie Genoni, was es braucht, um Meister zu werden.

Zumal die Formkurve auch beim 32-Jährigen nach oben zeigt. «Er war bei unserem Sieg im Hallenstadion ein riesiger Rückhalt», hält Kläy erfreut fest. Er geht davon aus, dass Genoni am Freitag das Tor gegen die Rapperswiler hüten wird, nachdem Zugs Ersatzgoalie Luca Hollenstein in den letzten drei von vier Pflichtspielen bella figura machte.

Lindberg: Schlummernder Schlüsselspieler

Oscar Lindberg hat das Zeug dazu, eine der dominanten Figuren in der Liga zu werden. Der 27-jährige Schwede kann in der Offensive und der Defensive Akzente setzen und so das Spiel der Zuger in entscheidenden Phasen ausbalancieren. Seinen Wert für den EVZ hat der Center schon in einigen Szenen unter Beweis gestellt.

«Thorell ist einer der besten Forechecker der Liga.»

«Er kann verteidigen, die Scheibe durch die Mittelzone führen, Mitspieler mit schönen Pässen in Szene setzen oder selber in den Abschluss gehen», sagt Kläy über einen schier kompletten Spieler. Allerdings: Lindbergs Leistungen unterliegen noch Schwankungen. «Ihm gelingt noch nicht alles», ist sich der Sportchef im Klaren. Aber auch sicher: «Sobald sich die neue Hierarchie im Team installiert und jeder seinen Platz im Spiel gefunden hat, wird Lindberg immer stärker werden.»

Nach drei abgesessenen Spielsperren hält Lindberg aktuell bei 8 Spielen und jeweils 3 Toren und Assists. Sein Vertrag mit den Zugern läuft bis Saisonende und beinhaltet eine Option. Laut Kläys Auskunft bedeutet das: Sind beide Parteien von einer Weiterführung der Zusammenarbeit überzeugt, wird dies zu bereits festgelegten Vertragskonditionen geschehen.

Thorell: Radelnder Pechvogel

Es ist schon ziemlich aussergewöhnlich, dass sich ein Eishockey-Profi ausserhalb seines eigentlichen Einsatzgebietes verletzt. Aber genau das ist dem 27-jährigen Schweden am letzten Samstag bei einem Sturz vom Velo widerfahren (zentralplus berichtete).

Irgendwie passt es auch ins Bild. Denn Erik Thorell ist in seiner noch kurzen Zeit bei seinem neuen Arbeitgeber noch nicht vom Glück begünstigt worden. «Erst fehlte ihm das Abschlussglück, dann zwickte es ihn gelegentlich in der Leiste und jetzt fällt er mit einem Armbruch sechs Wochen aus», sagt Kläy.

Aber Thorell, der bis anhin mit einer +4 die beste Plus-Minus-Bilanz aller Zuger Toptransfers aufweist, ist Kläy trotzdem positiv aufgefallen: «Er kann mit der Scheibe etwas kreieren. Und vor allem ist er einer der besten Forechecker der Liga.» Das ist ein grosser Support im Spiel ohne Scheibe.

So lautet das aktuelle Fazit

Jeder der fünf EVZ-Toptransfers hat bereits auf sich aufmerksam machen können. Aber sein bestes Niveau hat zu einem so frühen Zeitpunkt der Saison noch keiner ausloten können. Und genau das muss den Liga-Konkurrenten Angst machen: Der EV Zug hat auch so schon Fahrt aufgenommen, aber noch lange nicht die Höchstgeschwindigkeit erreicht.

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