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Das sind die Zuger Hardcore-Kandidaten
  • Politik
Sorgen für Sprengpotential: Die extremsten Zuger Nationalratskandidaten. (Bild: zvg)

Wahlhilfe aus den Extrempositionen Das sind die Zuger Hardcore-Kandidaten

5 min Lesezeit 30.09.2015, 14:00 Uhr

Sie sind extra-grün oder superliberal, äusserst rechts oder mega mittig. Unsere extremsten Nationalratskandidaten stechen heraus. Ob sie es damit in die Wahlzettel schaffen, bleibt ungewiss. Aber in unsere Hall of Fame auf jeden Fall. Und sie freuen sich auch noch darüber.

Die Wahlplakate sind so omnipräsent, dass man die Kandidaten schon bald für gute Freunde halten könnte – einfach weil man sie so oft zu Gesicht bekommt. Wie aber nun die richtigen auswählen? Vielleicht sollte man am Rand des Puzzles beginnen – und zuerst auf die Ausreisser schauen. Wir haben in Zusammenarbeit mit der Wahlhilfeplattform Vimentis eine Analyse durchgeführt. Und stellen Ihnen hier die Zuger Kandidaten vor, die in mindestens einer Kategorie alle anderen abtrocknen.

Der Superliberale

FDP-Kandidat Patrick Mollet macht gleich in mehreren Disziplinen das Rennen: Er ist gleichzeitig der Nationalratskandidat mit den höchsten Werten in Sachen liberale Gesellschaft, freie Wirtschaft und restriktive Finanzpolitik. Wie schafft er das? «Liberal zu sein bedeutet für mich, jedem Einzelnen möglichst viele Freiheiten zu geben», sagt Mollet. Er ist Start-Up-Gründer und Chef der FDP Stadt Zug. «Jeder soll sein Leben nach seinen eigenen Vorstellungen führen können, solange er nicht die Freiheit eines anderen einschränkt dabei.»

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Wie genau es Mollet mit der Eigenverantwortung nehmen will, beschreibt er in seinem Wahlblog. Da ruft er zu einem Gedankenexperiment auf: Die Bevölkerung solle sich den Staat in Zug auf dem Reissbrett neu entwerfen, und sich bei jeder Leistung neu entscheiden, ob der Staat oder das Individuum sie besser lösen könne. Dann würde man erkennen, was ein Staat tatsächlich leisten muss. Schulen ja. Aber Jugendzentren und Kulturbetriebe zählten, so impliziert Mollet, wohl nicht dazu.

(Bild: Montage Tkr)

Der Superliberale: Patrick Mollet, FDP

Der «wählen Sie den linksten Rupan»-Ultralinke

Und dann abrupter Schwenk nach Links: Rupan Sivaganesan ist laut Vimentis der linkste Kandidat im Rennen. Sivaganesan schreibt uns dazu erstaunt: «Fülle ich die Lücke von Jo Lang? Wenn man damit am linksten wird, dass man soziale Demokratie betreibt – was machen dann die anderen?» Allerdings äussert er Zweifel an der Vimentis-Umfrage: «Wer Demokratie vermesse, schaffe sie ab, schreibt die Politologin Regula Stämpfli. Daher halte ich von Polit-Ratings grundsätzlich wenig.»

Weshalb sollten die Zuger gerade den Linksten aller Politiker nach Bern schicken? «In Zug haben wir von 5 Bundesvertretenden in der CVP den äusserst rechts stehenden Pfister und in der SVP den äusserst konservativen Thomas Aeschi», sagt Sivaganesan. «Es braucht einen sozialen Ausgleich: Wählen Sie also den linksten Rupan Sivaganesan.»

(Bild: Montage Tkr)

Der linkste Rupan: Rupan Sivaganesan, SP

Der «ich bin nicht rechtsextrem»-Rechte

Szenenwechsel ins rechte Lager, auch da gibt es einen extremen Kandidaten: Philip C. Brunner ist der rechteste aller Zuger Nationalratsaspiranten, zumindest nach dem Vimentis-Rating. «Erstens möchte ich zuerst festhalten, dass mich das ganz ehrlich sehr freut», schreibt uns der SVP-Kantonsrat. Allerdings ist er – ähnlich wie Sivaganesan – auch erstaunt: «Es beschäftigt mich, warum alle anderen Kandidaten von meinem doch moderaten Profil so stark nach links abweichen?» Er habe auf Vimentis die Fragen «bestmöglich» beantwortet.

«Ich bin sicher kein Rechtsextremist, im Gegenteil.» Brunner habe eine klare Vorstellung davon, wo die «einzigartigen Qualitäten der Schweiz liegen und welche Herausforderungen die Zukunft bringt.» Nicht nur als rechtester Kandidat, sondern auch als «Bürger, als Unternehmer, als Politiker, als langjähriger Offizier, als ehemaliger Auslandschweizer, als Christ und als Familienvater.» Dass er am weitesten Rechts stehe, spreche nicht für die anderen Kandidaten, ist Brunner überzeugt: «Das ist vor allem ein Armutszeugnis der Mitbewerber aller bürgerlichen Parteien. Ich freue mich sehr, wenn mir das ein paar zusätzliche bürgerliche Stimmen bringt.»

(Bild: Montage Tkr)

Der rechteste Kandidat: Philip C. Brunner, SVP

Die innere Mitte

Und wer steckt am tiefsten in der Mitte? Monika Barmet ist die «extremste» Mittepolitikerin, die der Kanton Zug zu bieten hat. Wird das nicht langweilig, wenn man nirgends poltern darf?  «Meine Politik ist lösungsorientiert, konstruktiv und respektvoll» schreibt uns Barmet auf die Frage, sie freue sich über die Einschätzung. «Ich bin eine klassische Politikerin der Mitte. Die CVP ist die richtige Partei für mich, sie vertritt verschiedene Themen, insbesondere Familien, KMU und der Mittelstand stehen im Zentrum.»

(Bild: Montage Tkr)

Die innere Mitte: Monika Barmet, CVP.

Der Ausländer-Reduzierer

In den letzten beiden Disziplinen räumt Thomas Villiger (SVP) ab: Strikte Ausländerpolitik und strenges Rechtssystem. «Das Ergebnis erstaunt mich nicht wirklich, da ich weiss, dass ich mich für eine strikte Ausländerpolitik und ein strenges Rechtssystem einsetze», schreibt uns Villiger. Ja aber weshalb denn diese Extrempositionen? «Ich bin der Meinung, dass wir unser Recht durchsetzen und die Migration begrenzen sollten, damit alle in unserem Rechtsstaat lebenden Personen sich ernst genommen und sicher fühlen.» Und dann wird er seinem Status als Extremkandidat doch noch gerecht: «Weil zunehmende Zuwanderung nicht nur Rosen und Geld bringen sondern auch Neid, Missgunst und nicht zuletzt auch Kriminalität.»

(Bild: Montage Tkr)

Der Ausländer-Reduzierer: Thomas Villiger, SVP.

Der EU-Turbo

Wenn wir schon bei den Herausforderungen sind, dann ist auch die aussenpolitische Öffnung ein grosses Thema. Gerade hier allerdings führt ein Grüner das Feld an: Anastas Odermatt ist der Kandidat mit dem grössten Hang zur aussenpolitischen Öffnung. Schicken wir mit ihm einen EU-Turbo in den Nationalrat? «Ich setze mich für die europäische Idee eines dauerhaften Friedens in Europa durch wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenarbeit und Vernetzung ein.» Die Schweiz habe eine lange Tradition der internationalen Ausrichtung, «und Zug ist hier an vorderster Front dabei», sagt Odermatt.

«Und wenn wir international ausgerichtet sind, dann sollten wir uns entsprechend auch öffnen – auf alle Fälle nicht verschliessen.» Viele der gegenwärtigen Herausforderungen wie zum Beispiel der Klimawandel oder die Migration müssten auf überstaatlicher Ebene gelöst werden, sagt Odermatt. «Ich setze mich dafür ein, dass wir diese Herausforderungen angehen, bei Lösungen mitreden und so auch etwas erreichen.»

(Bild: Montage Tkr)

Der EU-Turbo: Anastas Odermatt, ALG.

Der Grüne im Schafspelz

Odermatt ist der einzige Grüne, der es in unsere «Extrem-Kandidaten»-Runde schafft. Denn die Paradedisziplin der Grünen schnappt sich ein anderer: SP-Kandidat Guido Suter ist nicht nur der Kandidat mit der ausgeprägtesten Neigung zum ausgebauten Sozialstaat, sondern auch der umweltfreundlichste unter den Zuger Kandidaten, die sich auf Vimentis eingetragen haben. Ist er in der falschen Partei? «Da Umweltpolitik sehr direkt mit sozialen Fragen zu tun hat (z.B. Ausbeutung, Wohlstandsverteilung), fühle ich mich in der SP wohl», sagt Suter.

In Bern brauche es mehr Stimmen für Solidarität und Gerechtigkeit, sagt Suter, eben gerade auch in Umweltfragen. «Genauso wie oft von bürgerlicher Seite gefordert wird, dass wir zukünftigen Generationen eine geordnete Finanzlage übergeben sollten, fordere ich dass wir auch eine geordnete überlebensfreundliche Umwelt übergeben.»

(Bild: Montage Tkr)

Der Grüne im Schafspelz: Guido Suter, SP.

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