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Skurrile Wohltätigkeits-Organisationen Das sind die schrägsten Stiftungen in Luzern

5 min Lesezeit 1 Kommentar 16.02.2015, 11:47 Uhr

Sie haben sich der Bekämpfung des Katzenelendes, der Madonna von Nagasaki oder der Otorhinolaryngologie verschrieben. zentral+ hat sich einige der skurrilsten Wohltätigkeits-Organisationen im Kanton Luzern näher angesehen.

Die aufgrund ihres Zwecks wohl auffälligste Stiftung des Kantons Luzern ist die im Jahr 2001 gegründete «Sata-Stiftung». Ihr Ziel ist, die «Madonna von Nagasaki» in die Liste des Unesco-Welt-Kulturerbes aufzunehmen. Ihr zu Ehren ist gemäss dem Stiftungs-Verzeichnis auch die Errichtung eines Multimedia-Denkmals mit der Bezeichnung «Geschenk Nagasaki’s» geplant. Doch wer ist diese Madonna? Die Klärung dieser Frage führt uns von Luzern nach Japan, wo der Gründer und Präsident der Stiftung, Yasuhiko Sata, lebt. 

Seine Stiftung hat er 2006 in Luzern registrieren lassen, da er hier die Firma «TKB Medical AG» gegründet hat. «Im Rahmen seiner Geschäftstätigkeit in der Schweiz hat sich Herr Sata dazu entschieden, seine gesellschaftliche Verantwortung als Unternehmer im Namen einer schweizerischen Stiftung wahrzunehmen», teilt sein Sprecher auf Anfrage mit.

Die Madonnenstatue, welcher sich die Stiftung verschrieben hat, stand bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges in der römisch-katholischen Urakami-Kirche in Nagasaki. Beim Abwurf der zweiten amerikanischen Atombombe über Japan am 9. August 1945 wurde sie fast vollständig zerstört – lediglich ihr Kopf (siehe Bild), so heisst es, konnte mit einigen Blessuren von einem japanischen Soldaten geborgen werden. Seither war dieser zeitweise im Atombomben-Museum in Nagasaki ausgestellt. Nicht als ein Symbol der römisch-katholischen Kirche, sondern als Sinnbild für das schwere Leiden von Kriegsopfern.

«In den vergangenen Jahren ist die Madonna von Nagasaki ein Symbol für die Menschlichkeit und den Weltfrieden geworden.»
Sprecher von Yasuhiko Sata, Sata-Stiftung

«Geschenk Nagasaki’s» auf Eis gelegt

1998 wurde Yasuhiko Sata auf die Geschichte der Madonna aufmerksam und fand, dass es sich dabei nicht um ein beliebiges Andenken an den Nuklearangriff handelt. Vielmehr handelt es sich seiner Meinung nach um einen heiligen Gegenstand, der nicht in ein Museum, sondern in die wiederaufgebaute Urakami-Kirche gehört, auf deren Altar sie einst gestanden hatte. Dies gelang ihm schliesslich im Jahr 2000. Seither bemüht sich der Japaner mit seiner Stiftung darum, die Madonna zum Welt-Kulturerbe zu machen. Bereits 21’000 Menschen hätten die diesbezügliche Petition unterzeichnet, wie sein Sprecher sagt.

189 wohltätige Stiftungen

Die gemeinnützigen Stiftungen des Kantons Luzern stehen unter der Aufsicht der Zentralschweizer BVG- und Stiftungsaufsicht (ZBSA). Gemäss dem von ihr geführten Verzeichnis sind im Kanton Luzern derzeit 189 Stiftungen registriert. Sie engagieren sich besonders häufig für Benachteiligte, Betagte und Bergbauern. Gerne und oft unterstützt werden aber auch Kinder – vor allem, wenn sie in Not sind oder sehr gut Klavier oder Fussball spielen können.

Ferner sind auch zahlreiche Stiftungen zur Förderung von Wissenschaft, Kunst und Kultur vorzufinden. Auch Religion scheint ein Thema zu sein, dem sich die Luzerner gerne annehmen. Eher rar vertreten sind hingegen Stiftungen, die sich für Umwelt und Natur einsetzen. 

«In den vergangenen Jahren hat die Madonna von Nagasaki als Symbol für die Menschlichkeit und den Weltfrieden weltweite Beachtung erfahren», so der Sprecher von Yasuhiko Sata. Das Ziel der Errichtung des Multimedia-Denkmals für die Madonna sei inzwischen auf Eis gelegt worden. «Anfangs schien dies eine gute Idee zu sein.» Man habe aber mittlerweile erkannt, dass es sinnvollere Wege gäbe, sich zu engagieren und konzentriere sich stattdessen darauf, Opfern von bewaffneten Konflikten zu helfen.

Finanziert wird die Stiftung durch das Vermögen und die Unternehmungen des Gründers Yasuhiko Sata, durch Spenden und Charity-Anlässe, wie etwa der seit dem August 2005 jährlich durchgeführte Spendenlauf «Run for Peace» im Burgund. 

Wohltätigkeitsstiftung Pranic Healing

Die Hintergründe der «Wohltätigkeitsstiftung Pranic Healing Schweiz», die seit 2011 im Kanton Luzern registriert ist, führen ebenfalls in den Fernen Osten. Auf die Philippinen, um genau zu sein, der Heimat des 2007 verstorbenen Choa Kok Sui. Er ist der Begründer von Pranic Healing und Arhatic Yoga, deren Förderung eines der Ziele der Wohltätigkeitsstiftung Pranic Healing Schweiz ist.

Pranic Healing ist eine berührungslose Energie-Heilmethode, die sich das Prinzip zu Nutze machen soll, dass jedes Lebewesen die Fähigkeit habe, sich selbst zu heilen. «Mit Hilfe der Pranic Healing Techniken wird der Selbstheilungsprozess beschleunigt und Krankheiten werden gelindert», wie es auf der Webseite heisst. Seit 1988 werde Pranic Healing in weltweit über 70 Ländern gelehrt und praktiziert. So auch in der Schweiz, wo der Verein «Pranic Healing Schweiz» vom Luzerner Stefan Weiss gegründet wurde.

«Wir unterstützen Schulen und Strassenküchen in Manila.»
Max Witschi, Wohltätigkeitsstiftung Pranic Healing

«Der Verein hat die Stiftung ins Leben gerufen, um Pranic Healing in der Schweiz bekannter zu machen, Studenten zu fördern und sich für wohltätige Zwecke zu engagieren», erklärt Max Witschi aus Thun, der für die dem Verein angeschlossene Stiftung zuständig ist. In Sachen Wohltätigkeit konzentriere man sich vor allem auf die Philippinen. «Wir unterstützen Schulen und Strassenküchen in Manila, um Strassenkindern eine warme Mahlzeit bieten zu können.» Aber man habe auch schon Häuser nach Umweltkatastrophen wieder aufgebaut und sich erfolgreich für bessere Haftbedingungen in den Gefängnissen eingesetzt.

Durch Spenden der Schweizer Pranic Healers kämen pro Jahr durchschnittlich 200’000 Franken zusammen, die jeweils an die «World Pranic Healing Foundation» auf die Philippinen überwiesen werden, so Witschi.

Stiftung Pro Büsi

Vom Fernen Osten zurück nach Luzern in die Zentralschweiz. Seit 1979 engagiert sich hier die «Stiftung Pro Büsi». Begonnen hat ihre Geschichte jedoch bereits in den 1960er Jahren mit einem Tierheim für herrenlose Katzen in Ebikon. Schon bald folgten weitere kleine Quarantäne-Stationen in der Region Luzern.

Seither kümmert man sich bei Pro Büsi um die Aufnahme, Betreuung und Vermittlung von herrenlosen Katzen. Seit 2005 befindet sich ihr Domizil in Malters. Wie auf der Webseite zu entnehmen ist, können jedes Jahr gegen 200 Katzen in einem neuen Zuhause platziert werden. Jedoch komme es immer wieder vor, dass man gewisse Büsi nicht vermitteln könne. Anstatt diese einschläfern zu lassen, sucht man Paten, die mit einem fixen Betrag pro Monat für den Unterhalt der Katzen aufkommen. 

Des Weiteren engagiert man sich bei Pro Büsi auch für die Durchführung von Kastrationsaktionen. Gemäss dem Stiftungsverzeichnis leistet man zudem «Hilfe zur Eindämmung des Katzenelendes durch Bekämpfung von Überpopulationen durch Unterstützung von Sanierungen von Katzenkolonien und Bauernhöfen». Aber man hat bei Pro Büsi auch ein Herz für sozial schwächer gestellte Katzenbesitzer und unterstützt diese finanziell. Ermöglicht werde dies «durch grosszügige Zuwendungen von Katzenfreunden». 

Otorhinola-was?

Nicht in die Top 3 geschafft, aber zumindest erwähnenswert ist die «Stiftung für Forschung, Entwicklung und Weiterbildung in ‹Otorhinolaryngologie›». Hut ab vor denjenigen, die dieses Wort nicht googeln müssen. Für alle anderen: Es handelt sich dabei um Hals- und Gesichtschirurgie.

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1 Kommentare
  1. Léonie Kaiser, 16.02.2015, 21:01 Uhr

    Im Kanton Zürich gab es bis Ende der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts auch eine Stiftung mit einem zungenbrecherischen Namen und speziellem Zweck: die Echinokokkose-Stiftung. Sie befasste sich mit der Erforschung der Fuchsbandwurmerkrankung. Wer von dieser gravierenden Krankheit betroffen ist, bei der sich eine Finne – eine Bandwurmmade – durch das Gehirn frisst und es wie einen Schwamm mit Löchern durchsetzt, ist bestimmt erleichtert, dass es diese Stiftung gab bzw. heute das Echinokokkose-Zentrum. Das Gleiche dürfte für die Stiftung Otorhinolyaryngologie im Luzernischen gelten. Wenn das Gesicht beispielsweise wegen einer Lähmung des Gesichtsnervs, was durch Borreliose – Zeckenbiss – verursacht werden kann, plötzlich wie ein Teppich über das Kind hinunterhängt, ist der oder die Betroffene vermutlich sehr dankbar, wenn geforscht und ergründet wird, was man dagegen tun kann, damit sich das äussere Erscheinungsbild bald wieder unauffälliger präsentiert.

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