Gesellschaft

Zwischen Kleiderläden und Smartphones
Das Shoppingcenter als Jugendtreff

  • Lesezeit: 3 min
Bietet Ablenkung und ungestörtes Verweilen. Shoppingcenter sind heute mehr als bloss Orte zum Einkaufen.
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Bietet Ablenkung und ungestörtes Verweilen. Shoppingcenter sind heute mehr als bloss Orte zum Einkaufen. (Bild: tob)

Teenager nutzen Einkaufscenter immer mehr zur persönlichen Freizeitgestaltung. Der Konsumgedanke ist dabei unbedeutend. Es geht um mehr. Um Freiheit und kostenloses Internet. Zu Besuch auf dem Dorfplatz der heutigen Jugend.

Für Michi und Ramon ist es ein gewöhnlicher Samstagmorgen. Die beiden Jugendlichen sitzen auf den Bänken der zweiten Etage, gleich am Ende der Rolltreppe und lassen die Menschen an sich vorbeiziehen. Regelmässig vibriert ihr Handy. «Wir sind an schulfreien Tagen oft hier.»

Mit «hier» meinen die Beiden das Shoppingcenter in Emmen. Ihren bevorzugten Freizeittreff. Die Bänke der zweiten Etage im Shoppingcenter Emmen sind ein Versammlungsort. Für Michi und Ramon, ihre Freunde und deren Kollegen. Um sie herum kaufen die Leute Kleider, Computer und Bücher.

Einzelne Fische im Schwarm

Die Jugendlichen tun das nicht. Einkaufen ist nicht der Zweck ihres Aufenthalts. Sie sind einfach nur hier. Das Budget ist beschränkt und Geld für andere Ausgabeposten reserviert. Das Einkaufscenter dient als Zeitvertreib. Um Kollegen zu treffen und die Dinge Geschehen zu lassen. 

«Die Shoppingcenter von heute sind die neuen Dorfplätze. Wo man sich trifft, diskutiert und seine Freizeit verbringt», sagt Roland Jungo, Leiter des Emmen Centers. Natürlich nehme er die Jugendlichen wahr, stören würden sie aber nicht. Auch ihre Enthaltsamkeit beim Konsum sei in Ordnung. Die Kaufwünsche würden ja trotzdem geweckt und zwischendurch auch mal gestillt.

«Manchmal bleiben wir den ganzen freien Nachmittag, manchmal bloss wenige Stunden», sagt Ramon. Das Shoppingcenter bietet den Jugendlichen den anonymen Rahmen eines bevölkerten Dorfplatzes. Hier fallen sie nicht auf, sind einzelne Fische in einem Schwarm von Besucherinnen und Besuchern. Diese Bewegungsfreiheit abseits der elterlichen Kontrolle ist ihnen wichtig. Genauso wie die Möglichkeit der kostenlosen Abwechslung.

Was trägt Messi?

Langeweile kommt so selten auf, die weitläufige Umgebung bietet genügend Zerstreuung. Auf den kargen Bänken der zweiten Etage unterhält man sich über die Schule, die neusten Handy-Technologien und schmiedet Pläne für den bevorstehenden Samstagabend. Flachst über die Kleidung der Kollegen und kokettiert mit vorbeiziehenden Mädchen. Hier läuft immer etwas. «Zudem kann ich auch mal alleine hierher kommen. Die Chancen sind gross, dass ich ein bekanntes Gesicht treffe», sagt Michi.

Gehen die Gesprächsthemen aus, schlendern die Jugendlichen zwischen den Ausstellungstischen der Geschäfte hindurch. Kleider stehen hoch im Kurs, genauso wie die neusten Modelle von Fussballschuhen. Wer trägt was? Messi diesen, Ronaldo jenen Schuh. Fachkundig werden Vor- und Nachteile der Modelle diskutiert und Preise verglichen. Fazit: Zu teuer. Das Internet kennt günstigere Alternativen. Am Ende ihres Rundgangs landen die Jugendlichen dann meistens in der Abteilung der Smartphones, deren technologische Entwicklungen sie mit Argusaugen verfolgen.

«Skypen» mit Albanien

Bietet das Shoppingcenter den anonymen Rahmen, sind ihre Handys das digitale Fenster zur Welt. Für den Einen oder Anderen sind sie auch ein Statussymbol. Je grösser der Bildschirm, je hochauflösender die Kamera und je umfassender der Datenspeicher, desto besser. Das Leben ist in Bildern und kurzen Textpassagen von «Whatsapp» darauf gespeichert. Gesprochenes wird umgehend verschriftlicht und weitergeleitet.  

In Form eines öffentlich zugänglichen Wireless bietet das Shoppingcenter in Emmen auch digitale Bewegungsfreiheit. Bekim nutzt sie, um praktisch wöchentlich mit seinen Grosseltern in Albanien zu chatten oder via «Skype» mit ihnen zu telefonieren. «Hier im Shopping habe ich meine Ruhe und kann mich ungestört mit den Verwandten unterhalten.» Manchmal kommen seine Geschwister mit, ab und zu auch die Eltern. Dann trifft sich die ganze Familie aus zwei verschiedenen Ländern vor dem Handybildschirm auf dem Dorfplatz im Shoppingcenter in Emmen.

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