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«Das Schlussergebnis entschädigt für alles»
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Der FC Luzern bedankt sich bei seinen Fans für die Unterstützung. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus )

FCL: Nach Führungsfehlern positives Fazit «Das Schlussergebnis entschädigt für alles»

6 min Lesezeit 26.05.2016, 18:25 Uhr

Aus. Ende. Vorbei. Eine turbulente FCL-Saison ging diesen Mittwoch mit dem Erreichen des dritten Platzes erfolgreich zu Ende. Zeit, gemeinsam mit Trainer Markus Babbel und Präsident Ruedi Stäger zurückzublicken. «Phänomenal» war der Schlussspurt, doch auch die Klubführung muss einräumen, Fehler begangen zu haben.

«Mitleiden, mitfiebern, mitfeiern.» Mit diesen drei Schlagworten wirbt der FC Luzern derzeit für den Saisonkartenverkauf. Auch zur vergangenen Saison passen sie wie die Faust aufs Auge. Eine Spielzeit, die im Herbst sehr ruhig verlief. Der FCL war in der Meisterschaft auf Kurs und auch im Cup erfolgreich unterwegs. Dann in der Winterpause der grosse Knall: Sportchef Fringer entlassen. Er und der später ebenfalls entlassene Ko-Trainer Roland Vrabec wollten Coach Markus Babbel absägen (zentralplus berichtete).

Auch sportlich begann der Verein zu taumeln. Fünf Niederlagen zu Beginn der Rückrunde, zudem das Aus im Cup. Nicht viele Trainer im Fussballgeschäft «überleben» eine solche Krise. Doch Babbel schaffte es und stabilisierte die Mannschaft. Mit einem herausragenden Schlussspurt erreichte der FCL den dritten Schlussrang. Und damit die Qualifikation für die 3. Qualifikationsrunde in der Europaleague. Präsident Ruedi Stäger und Trainer Markus Babbel haben an Fronleichnam die Medien zu einem Saisonabschlussgespräch in lockerem Rahmen eingeladen. Die beiden waren zwar sichtlich müde vom Vorabend, aber umso besser gelaunt.

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zentralplus: Ruedi Stäger, wie haben Sie die Saison erlebt?

Ruedi Stäger: Wir sind alle erleichtert über den dritten Rang. Das Schlussergebnis entschädigt für alles, was dieses Jahr lief. Klar, der Cup tut weh, aber nichtsdestotrotz ist es meines Wissens die viertbeste Saison in der Geschichte des FCL. Wir spielen nächste Saison europäisch und erst in der dritten Runde einsteigen zu müssen, vereinfacht unsere Planung enorm. Wir sind sehr optimistisch, was die Zukunft betrifft, freuen uns jetzt aber auch auf die Pause.

«Es macht richtig Spass.»

Markus Babbel, FCL-Trainer

zentralplus: Ein Eindruck, den Sie teilen, Herr Babbel?

Markus Babbel: Aus sportlicher Sicht war es phänomenal. Wir wussten, dass das letzte Spiel eine komplizierte Kiste wird. Ich bin unglaublich stolz, dass wir es geschafft haben, den dritten Platz zu sichern. Ich freue mich auch für die Jungs, dass sie die positive Stimmung aufnehmen konnten. Jetzt haben wir ein Zwischenziel erreicht, aber die ganz grosse Aufgabe wird das Erreichen der Gruppenphase sein.

zentralplus: Wie erklären Sie sich den sportlichen Höhenflug?

Babbel: Das Umfeld stimmt: Ich habe Top-Leute an meiner Seite. Ich hatte selten ein Trainerteam mit einer solch hohen Fachkompetenz. Sensationell ist auch, wie sich der neue Assistenztrainer Patrick Rahmen eingefügt hat. Wir harmonieren super und ich habe das Gefühl, wir würden schon jahrelang zusammenarbeiten. Es macht richtig Spass. Die Spieler spüren das und geben dementsprechend Vollgas.

zentralplus: Wir geben das Lob gleich an den Präsidenten weiter, der alles richtig gemacht zu haben scheint. Jetzt spielt der FCL international. Was bedeutet das für den Verein?

Stäger: Sicher ist Europa auch wirtschaftlich eine Chance. Die erste Runde nicht unbedingt, aber die Gruppenphase ist sehr attraktiv. [Anm. d. Red.: Rund 2,5 Millionen Franken beträgt die Antrittsgage.] Aber noch ein anderer wirtschaftlicher Gedanke: Dass der FC Zürich in die Challenge League muss, ist natürlich enorm schade. Zürich war der zweitattraktivste Klub für die Heimspiele – jetzt kommt Lausanne. Das werden wir spüren. Im Übrigen tut es mir auch sonst für den Traditionsklub FCZ sehr leid.

Präsident Ruedi Stäger kann’s kaum fassen.

Präsident Ruedi Stäger kann’s kaum fassen.

(Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

zentralplus: Zu reden gab diese Saison der Rauswurf von Sportchef Fringer und Assistenztrainer Vrabec. Wie beurteilen Sie das Ganze heute?

Stäger: Es war ein Fehler, erst Fringer zu entlassen und Vrabec noch eine Chance zu geben. Der Schnitt hätte vor dem Trainingslager im Winter gemacht werden müssen. Aber im Nachhinein ist man immer schlauer.

«Was Vrabec gemacht hat, war menschlich eine der grössten Enttäuschungen, die ich je erlebt habe.»

Markus Babbel

Babbel: Das war auch für mich eine komplett neue Erfahrung. Was Vrabec gemacht hat, war menschlich eine der grössten Enttäuschungen, die ich je erlebt habe. Das Trainerteam und die Mannschaft haben darunter gelitten. Ich habe dann mit Ruedi (Stäger, Anm. der Red.) das Gespräch gesucht und er war sofort bereit, den notwendigen Schritt zu gehen. Aber es hatte auch sein Gutes. Zwei Monate früher wäre auch Patrick Rahmen nicht verfügbar gewesen.

Stäger: Was bleiben muss ist das Positive aus einer solchen Erfahrung und ich bin überzeugt, dass es das Team gestärkt hat. Solche Erfahrungen gehören zum Leben, auch wenn sie schmerzhaft sind.

zentralplus: Herr Stäger, die Medienschelte war heftig, sie wurden als «Niete» bezeichnet. Wie gingen Sie mit dieser Kritik um?

Stäger: Natürlich hinterlässt so etwas Spuren. Ich habe mir aber immer gesagt, es geht nicht um die Person Ruedi Stäger, sondern um meine Position als FCL-Präsident. Ich habe zwar eine dicke Haut, aber einfach war das nicht.

«Ich war einem brutalen Shitstorm ausgesetzt.»

Ruedi Stäger, FCL-Präsident

zentralplus: Und wie hat Ihr Umfeld das Ganze erlebt?

Stäger: Das Private leidet eindeutig darunter. Ich war einem brutalen Shitstorm ausgesetzt. Selber besuchte ich keine Internetforen und schaute, was über mich geschrieben wird. Aber meine Kinder bekamen natürlich alles mit. Auch in der Schule kam es zu kleineren Zwischenfällen.

zentralplus: Sind Sie fähig zur Selbstreflexion?

Stäger: Natürlich. Ich bin fast sechzig und habe internationale Berufserfahrungen. Ich suche den Fehler immer zuerst bei mir. Und natürlich, nach sechs Niederlagen in Serie denkt man in verschiedenen Szenarien. Ich war aber überzeugt, dass wir die Kehrtwende schaffen. Ich will Kontinuität beim FCL und Leute an meiner Seite, welche die Klubstrategie voll mittragen.

zentralplus: Die Kehrtwende hat der FCL geschafft. Markus Babbel, welche Spieler haben den grössten Anteil daran?

Babbel: Einzelne Namen herauszupicken, ist immer schwierig. Christian Schneuwly war enorm wertvoll und hat auf fast allen Positionen gespielt, Jahmir Hyka hat seine Leistung unglaublich stabilisieren können und auch Nici Haas ist nach einem kleinen Loch zu Höchstform aufgelaufen. Grosses Kompliment aber auch an jene, die nicht so viel zum Zug kamen. Stinkstiefel gab’s definitiv keine.

So schön kann nur Captain Claudio Lustenberger jubeln.

So schön kann nur Captain Claudio Lustenberger jubeln.

(Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

zentralplus: Angenommen, der FCL schafft den Einzug in die Gruppenphase der Euroleague. Haben Sie keine Bedenken, die Mannschaft könnte der Aufgabe nicht gewachsen sein und sang- und klanglos untergehen?

Babbel: Natürlich ist es eine Herausforderung, aber dieser stelle ich mich gerne. Wir alle im Verein wissen, dass die Belastung höher wird und Reisestrapazen auf uns zukommen werden. Hier gilt es, die richtigen Vorbereitungen zu treffen.

zentralplus: Was heisst das konkret? Fordern Sie Verstärkungen?

Babbel: Das werden wir intern im Sportausschuss besprechen.

zentralplus: Jetzt gehen Sie gemeinsam in die Ferien?

Stäger: Selbstverständlich.

Die letzte Frage war natürlich ein Witz. Die Antwort auch.

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