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Das Schauspiel um einen Zuger Spielfeld-Protest
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Der Zweikampf zwischen Lausannes Dario Trutmann und Zugs Dario Simion (rechts) zeigt es symbolisch: Zwischen den beiden Halbfinalisten steht es 1:1 nach Siegen. (Bild: EVZ/Felix Klaus )

EVZ und Liga-Justiz lassen die Kirche im Dorf Das Schauspiel um einen Zuger Spielfeld-Protest

4 min Lesezeit 29.03.2019, 20:35 Uhr

Es ist alles so eingetroffen, wie es zentralplus nach dem 4:5 n.V. der Zuger in Lausanne angekündigt hat: Es gibt keine Wiederholung des zweiten Halbfinalspiels, weil der EVZ den Spielfeld-Protest am Freitagmorgen nicht bestätigt hat. Hinter den Kulissen wurde um die passenden Worte gerungen, damit beide Seiten ihr Gesicht wahren können.

Es war eine kurze Nacht für EVZ-Sportchef Reto Kläy nach der Rückkehr um halb zwei aus Lausanne, der Gesprächsbedarf nämlich umso grösser. Es ging darum, bis kurz vor 10 Uhr zu beratschlagen, ob man den im zweiten Halbfinal-Spiel nach der Anerkennung des zwischenzeitlichen 2:4 eingereichten Spielfeld-Protest bestätigen soll (zentralplus berichtete).

Gegen Freitagmittag gab Kläy den wartenden Journalisten in der Zuger Bossard-Arena bekannt, zu welchem Ergebnis CEO Patrick Lengwiler und er gelangt waren. «Wir ziehen den Spielfeld-Protest nicht vor den Einzelrichter», sagte der EVZ-Sportchef (zentralplus berichtete). Wahrlich keine Überraschung. Kurios nur, dass er trotz mehrmaligem Nachfragen nicht begründen wollte, warum sie beim Cupsieger zu dieser Einsicht gelangt waren. Denn als chancenlos, nein, so wollten sie mit ihrem Protest in der Öffentlichkeit zu diesem Zeitpunkt nicht hingestellt werden.

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Aber er müsse noch Rücksicht nehmen auf eine andere Partei, bevor er den eigenen Standpunkt verkünden könne, bat Kläy um Nachsicht. So begann das Schauspiel um einen Spielfeld-Protest – und die Stunden machten den Tag immer älter.

Was hinter den Kulissen ablief

Hinter den Kulissen ging es um das Abwägen des Inhalts folgender Geschichte: Die Head-Schiedsrichter Daniel Stricker und Stefan Eichmann hatten vor der Videokonsultation des kuriosen Treffers zum 4:2 für Lausanne am Donnerstagabend nicht klargemacht, ob es ihrer Ansicht nach Tor oder eben kein Tor war. Das hätten sie mit einer eindeutigen Geste tun müssen. Gemäss Videoreglement müssen die Unparteiischen das ausnahmslos tun, bevor sie die Videobilder konsultieren dürfen.

Aus Sicht der Zuger ein regeltechnischer Fehlentscheid. Hinzu kam: Haben die Unparteiischen die Torszene in der 40. Minute abgepfiffen, bevor der Puck vom Rücken von EVZ-Goalie Tobias Stephan fiel und über die Linie rutschte? Dann wäre es kein Tor. Doch die Überprüfung der Videobilder lässt keinen Zweifel offen: Das Tor fiel vor dem Spielunterbruch. Es war also regulär.

«Swiss Ice Hockey kommt nach eingehender Analyse zum Schluss, dass … die Kommunikation
auf dem Eis von den Schiedsrichtern in dieser Szene nicht optimal war.»

Zitat aus der Medienmitteilung von Swiss Ice Hockey

Und jetzt? Die sportliche EVZ-Führung hat in den frühen Morgenstunden die Meinung von sportjuristischen Experten eingeholt. Dass der Zuger Reto Steinmann, früher selber Einzelrichter des Eishockey-Verbandes, dazugehörte, ist unbestritten. Die Konklusion aus der Zuger Umfrage: Die Erfolgsaussicht eines Spielfeld-Protests steht auf wackligen Beinen. Eine Urteilsfindung wäre, wenn es dazu gekommen wäre, wohl im Ermessen des aktuellen Einzelrichters gelegen. Sie hätte auf Wiederholung des zweiten Halbfinalspiels oder auf Wertung des Lausanner Sieges lauten können.

Man staune: Kein Fall, aber eine Mitteilung der Liga

Nach 17 Uhr kam es zum letzten Akt in diesem juristischen Seilziehen. Die Liga veröffentlichte eine Medienmitteilung zum EV Zug, obwohl sie wegen dessen nicht bestätigten Spielfeld-Protests eigentlich gar keinen Grund dazu gehabt hätte. Kein Verfahren, kein Fall.

Aber es handelt sich offensichtlich um einen Deal unter Ehrenmännern. Der entscheidende Satz in dieser offiziellen Verlautbarung findet sich im dritten Abschnitt. Da steht wortwörtlich: «Swiss Ice Hockey kommt nach eingehender Analyse zum Schluss, dass – unter Berücksichtigung der Regel 99.2. (‹Nutzen des Video-Torrichters zur Feststellung von Toren›) des offiziellen Regelbuchs der IIHF und gemäss Artikel 2.8 des Videoreglements von Swiss Ice Hockey – die Kommunikation auf dem Eis von den Schiedsrichtern in dieser Szene nicht optimal war. Swiss Ice Hockey bedauert dies …»

So haben der EVZ als auch die Liga ein bisschen Recht. Beide wahren ihr Gesicht, und die Kirche bleibt im schweizerischen Hockey-Dorf.

Kläy: «Haben die Mittel, um Lausanne zu schlagen»

Darüber hinaus dient der Kompromiss zwischen EVZ und Liga auch prima dazu, den psychologischen Aspekt des fallengelassenen Spielfeld-Protests auf die Spieler von Dan Tangnes aufzudröseln:

Als Spieler in der EVZ-Garderobe darf man getrost erwarten, dass die Klubführung wie die Mannschaft alles für den Erfolg in der entscheidenden Phase der Meisterschaft machen. Wäre der Gang vor den Einzelrichter erfolgreich gewesen, hätte es ein Wiederholungsspiel gegeben. Aber noch lange keine Gewissheit, dass dieses mit einem Sieg geendet hätte. EVZ-Sportchef Reto Kläy hätte es nie und nimmer so ausgedrückt, aber seine Mannschaft hätte wohl die Hölle auf Eis in Lausanne erwartet.

Andererseits hätte ein Weiterzug des Spielfeld-Protests auch ein gewisses Risiko beinhaltet. Insofern, als die Zuger den Fokus auf das Wesentliche verloren hätten. Sie wären durch einen in der Öffentlichkeit relevanten Nebenschauplatz abgelenkt gewesen.

Am Ende eines langen Schauspiels sagt der schlaue Sport-Diplomat Reto Kläy: «Wir haben die Mittel, um Lausanne auf dem Eis zu schlagen. Ab sofort zählt nichts anderes.» Am Samstagabend geht es in der Bossard-Arena (20 Uhr) vorerst darum, den Heimvorteil zu bestätigen.

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