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«Das Printgeschäft ist nicht mehr zu retten»
  • Wirtschaft
Ist auch Tele1 bald Teil einer massiven Medienkooperation?   (Bild: zvg)

«Luzerner Zeitung» vor Fusion mit Aargauer Rivalen «Das Printgeschäft ist nicht mehr zu retten»

3 min Lesezeit 1 Kommentar 03.11.2017, 05:20 Uhr

Da hat man sich gerade erst an den neuen Auftritt und den Abgang des ewigen Chefredaktors der nicht mehr «Neuen» Luzerner Zeitung gewöhnt und schon gibt es weitere Spekulationen. Der Spardruck scheint nun die NZZ-Gruppe und die AZ Medien zusammenzubringen. Doch was würde das für die lokale Berichterstattung bedeuten?

Die Gerüchte über eine weitere Kooperation in der Schweizer Medienlandschaft (zentralplus berichtete) scheinen sich zu bestätigen: Sowohl aus Aarau als auch aus Zürich versendeten die Unternehmensleitungen interne Schreiben, die im Wortlaut praktisch zusammengehören.

«Wir kennen alle die Herausforderungen unserer Branche», schreibt Jörg Schnyder, Vorsitzender der Unternehmensleitung a.i., an die Mitarbeiter der NZZ-Gruppe. Und «man überlegt, ob es Dinge gibt, die man gemeinsam besser machen könnte».

Ein Dementi ist weder von Seiten der AZ Medien noch von der NZZ-Gruppe zu vernehmen. Eine Fusion scheint sich anzubahnen. Und auch für die «Luzerner Zeitung» stünden voraussichtlich Veränderungen an, wenn die Mutter NZZ sich mit einem anderen Unternehmen paart.

Riesiger Druck für die Printmedien

Lausige Aussichten für die Meinungsvielfalt, für die Journalisten und nicht zuletzt für die Leser, heisst es in den Kommentarspalten. Doch der finanzielle Kooperationsdruck der Tageszeitungen ist riesig (zentralplus berichtete).

Ein ganzer Haufen Zeitungen

Sollte die Kooperation zustande kommen, wäre dies eine der grössten Konzentrationen im Schweizer Medienbereich.

Neben zahlreichen Digitalangeboten würden «St. Galler Tagblatt», «Thurgauer Zeitung», «Appenzeller Zeitung», «Wiler Zeitung», «Toggenburger Tagblatt», «Werdenberger & Obertoggenburger», «Luzerner Zeitung», «Zuger Zeitung», «Nidwaldner Zeitung», «Obwaldner Zeitung», «Urner Zeitung» und «Zentralschweiz am Sonntag», «az Nordwestschweiz», «az Aargauer Zeitung», «az Badener Tagblatt», «bz Basellandschaftliche Zeitung», «bz Basel», «az Limmattaler Zeitung», «az Solothurner Zeitung», «az Grenchner Tagblatt», «ot Oltner Tagblatt» und «Schweiz am Wochenende», dazu die Radiosender Radio Pilatus, Radio FM1 und Radio Melody sowie Radio Argovia und Radio 24 zusammengeschlossen.

MAZ-Direktor Diego Yanez haben die Gerüchte nicht überrascht. «Eine solche Kooperation würde dem aktuellen Trend entsprechen. Es wird gespart, was geht.» Zurückzuführen seien die immer häufigeren Zusammenarbeiten auf den Inseraterückgang, der sich – nach den schwindenden Leserzahlen – in diesem Jahr nochmals massiv verschärft habe.

«Das Printgeschäft ist nicht mehr zu retten», sagt Medienjournalist und Branchenkenner Nick Lüthi. Doch um die Abonnenten und Werbekunden der Tageszeitungen halten zu können, werde so lange wie möglich am gedruckten Blatt festgehalten.

Nationaler Einheitsbrei

Was würde diese Kooperation für die «Luzerner Zeitung» konkret bedeuten? Um die lokale Berichterstattung müsse man sich weniger Sorgen machen, ist Nick Lüthi überzeugt. «Die einzige Hoffnung für die Printzeitungen sind die Abonnenten. Und die behält man nur durch eine gute regionale Berichterstattung.»

Das Ausmass einer allfälligen Kooperation ist noch komplett unbekannt – daher sind auch die konkreten Auswirkungen schwierig zu beurteilen, betont Yanez. Zusammengestrichen wird jedoch üblicherweise beim Mantel, beim Korrektorat, bei der Auslandsberichterstattung, bei nationalen Themen oder auch mit einem gemeinsamen Layout.

«Es sind zwei starke publizistische Partner, die beide ihren Einfluss behalten wollen.»
Nick Lüthi

«Bei Produktion und Korrektorat wird immer zuerst gespart», sagt Lüthi und verweist auf die letzten Sparneuigkeiten aus dem Hause der NZZ-Regionalmedien. Denn diese verlagern ihr Korrektorat ins Ausland. Statt in St. Gallen oder Luzern werden Artikel aus finanziellen Gründen künftig in Bosnien-Herzegowina korrigiert.

Diego Yanez (links) und Nick Lüthi

Diego Yanez (links) und Nick Lüthi

Bei der Berichterstattung jenseits der Schweizer Grenzen werden beispielsweise Auslandskorrespondenten geteilt, und auch im Inland werden die grossen Neuigkeiten nur noch von ein und demselben Kommentar für alle Zeitungen eingeordnet. «Auch wenn das erstmal nicht dramatisch scheint, ist doch jede geteilte, gemeinsame Berichterstattung ein Verlust für die nationale und regionale Meinungsvielfalt», so Lüthi.

Zudem berge diese Paarung von AZ Medien und NZZ-Gruppe auch viel Konfliktpotenzial, prophezeit der Medienjournalist: «Es sind zwei starke publizistische Partner, die beide ihr Gesicht wahren und ihren Einfluss behalten wollen.» Besonders der Verwaltungsratspräsident der AZ Medien, Peter Wanner, sei dafür bekannt, stets die Mehrheit halten zu wollen. «Doch mit der NZZ-Gruppe als Partner wird es schwierig, die volle Kontrolle zu behalten», sagt Lüthi.

Auf Nachfrage von zentralplus, was eine solche Kooperation für die LZ bedeuten würde, schreibt Myriam Käser, Leiterin Unternehmenskommunikation der NZZ-Gruppe: «Auf Gerüchte zu möglichen künftigen Kooperationen, Beteiligungen oder Investorenprojekten gehen wir grundsätzlich nicht ein.»

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1 Kommentare
  1. Michel Ebinger, 05.11.2017, 12:09 Uhr

    Würden die Print-Medien endlich wieder gute Arbeit leisten, sich auf da Lokale konzentrieren und nicht nur das berichten, was ihren Inserenten und der Regierung passt, hätten sie wieder Erfolg. Ich bin überzeugt, selbst die Inserenten würden dies belohnen, den Inserate und seichten unglaubwürdigen Medien bringen nichts, den diese Medien werden geblättert aber nicht gelesen!

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