Das passiert mit deiner Kirchensteuer in Luzern
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Die St. Gallus Kirche in Kriens. (Bild: Katholische Kirche Kriens)

Katholische Kirche lanciert Plattform Das passiert mit deiner Kirchensteuer in Luzern

2 min Lesezeit 10 Kommentare 10.03.2021, 08:33 Uhr

Immer mehr Kirchenaustritte veranlassen die katholische Kirche dazu, in die Offensive zu gehen. Mit einer neuen Plattform will die Landeskirche in Luzern nun transparent machen, wofür die Kirchensteuern im Kanton verwenden werden.

Im Kanton Luzern sind im vergangenen Jahr rund 3750 Personen aus der katholischen Kirche ausgetreten, das sind etwa 470 mehr als im Vorjahr. Der Anteil Katholikinnen und Katholiken an der Kantonsbevölkerung ist in den vergangenen fünf Jahren in Luzern um gut 5 Prozent auf 57 Prozent gesunken. Mit der Schaffung des Portals «Kirchensteuern-sei-dank.ch» will die römisch-katholische Landeskirche unter anderem diesem Trend entgegenwirken.

Die Plattform soll vor allem «Transparenz über die Verwendung der Mittel schaffen und ihre Glaubwürdigkeit stärken», heisst es in einer Mitteilung. Die eigens dafür geschaffene Webseite lade dazu ein, «auf spielerische Art» zu entdecken, wohin die Mittel fliessen. Per Klick auf die Kantons-Karte kann sich der Nutzer ein Bild über einzelne Projekte machen.

Keine Gelder für Rom

Aus den Daten geht hervor, dass 93 Prozent der Mittel werden vor Ort verwendet werden, mit dem haupstächlichen Ziel «das Gemeinwohl in der eigenen Gemeinde wie im Kanton» zu fördern. Kirchliche Anlässe wie Gottesdienste bilden dabei einen Teil davon. Die Steuern fliessen in die Seelsorge, in soziale Aufgaben und die Bildung.

Und natürlich werden mit ihrer Hilfe Kirchen und Kapellen gepflegt und traditionelle Bräuche und Anlässe ermöglicht – von der Samichlausgruppe Ruswil über das Adventsfenster in Schwarzenberg bis zum ökumenischen Fastenessen in Meggen.

Auch soziale Institutionen wie die Caritas, die kirchliche Gassenarbeit oder eine Anlaufstelle für Sans-Papiers werden von der Kirche unterstützt. Wichtig ist den verantwortlichen auch zu betonen, dass keine Kirchensteuern von Luzern nach Rom überwiesen werden. Zudem: Mit ihren hunderten von Arbeitsplätzen und als lokale Auftraggeberin ist die katholische Kirche auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Kanton Luzern.

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10 Kommentare
  1. richard scholl, 13.03.2021, 17:58 Uhr

    Ja, und es ist tabu zu vermerken, dass mehr als 50% der Kirchensteuern von juristischen Personen bezahlt werden. Diese aber können nicht aus der Kirche austreten wie die natürlichen Personen. Somit können unsere Kirchgemeinden locker ohne Kirchgenossen weiter machen, einfach mit etwas weniger Geld.

  2. Silvan Studer, 10.03.2021, 18:22 Uhr

    Die Kirche zerreisst’s, wie die ganze Gesellschaft, zwischen den politischen Polen.
    Den einen ist sie nicht modern und gender-woke-blm-lgtb genug und mir persönlich ist sie zu links, zu wenig spirituell, zu Diesseitsbezogen und mischt sich in die Tagespolitik ein. (Konzernverantwortungsinitiative etc.).
    Ich glaube ans Austreten denken eher Leute wie ich, die Linken haben ja ihre eigene «Religion».
    Insofern sollte sich die Kirche noch mal überlegen, ob sie wirklich auf das linke Zügli aufspringen will.

    1. Kasimir Pfyffer, 10.03.2021, 20:05 Uhr

      Mir scheint, Sie suchen eine «rechte», aufs Jenseits orientierte Kirche, die sich nicht zum Tagesgeschehen äussert. Nun, nichts leichter als das! Die unzähligen Schweizer Sek … äh FREI-Kirchen bieten Glaubensprodukte nach genau diesen Kriterien. Frömmlerisch und konservativ bis zum Abwinken, und nur ja keine klaren Worte zum Unrecht auf dieser Welt. Aber ja, bei den Landeskirchen werden Sie diesbezüglich nicht fündig.

    2. Alois Amrein, 12.03.2021, 19:55 Uhr

      Die katholische Kirche ist sowieso bald am Ende, ein Auslaufmodell. Wer will denn da noch dabei sein nach unzähligen Pädophilie-Skandalen? Ich jedenfalls nicht, im bin schon 1972 ausgetreten, weil die katholische Kirche faschistische Regimes unterstützt hat, siehe Spanien, Portugal, Chile usw. Hinzu kommt, dass sich die katholische Kirche nie explizit gegen die Nazi-Diktatur ausgesprochen hat und geschwiegen hat, siehe Pius XII.

  3. Dominik Thali, 10.03.2021, 15:25 Uhr

    Was «Schweigen unter dem Talar» und «Michel von der Schwand» schreiben, verstehen wir von der Kirche gut. Es gibt vieles, das auch wir nicht gutheissen können. Erst recht gilt für uns: Eintreten und auftreten statt austreten. Denn die Missstände ändern nichts daran, dass die Kirche als gesellschaftlich verankerte Institution vor Ort ganz viel Gutes leistet und dabei überhaupt nicht darauf schaut, woher jemand kommt und was jemand glaubt. Dies tut sie immer wieder auch in guter Partnerschaft mit dem Staat. Die Kirchensteuer kommt also vielen Menschen zugute, immer wieder gerade solchen, die unkomplizierte Hilfe besonders nötig haben. Danke allen, die sich auch auf diese Weise solidarisch zeigen. / Dominik Thali, kath. Kirche im Kanton Luzern, Kommunikation

    1. Michel von der Schwand, 15.03.2021, 10:14 Uhr

      Der Missstand «Rom» ändert sich in der römisch-katholischen Kirche nie. Ich gebe Ihnen recht, dass die Kirche vor Ort auch Gutes leistet. Gerade der Verein kirchliche Gassenarbeit in Luzern macht grandiose Arbeit. Dafür muss ich jedoch nicht Mitglied der römisch-katholischen Kirche sein und kann den Verein kirchliche Gassenarbeit als Privatperson unterstützen. Vielmehr geht es um den eigenen Glauben, die eigene Überzeugung. Ich zweifle die Unfehlbarkeit des Papstes an, empfinde das Zölibat als unnatürlich und grober Unfug. Die Diskriminierung der Frauen ist für mich in keinster Art und Weise tolerierbar. Ihre Aussagen zeigen mir, dass die römisch-katholische Kirche partout nicht wahrhaben will, dass sich die Menschen an den fundamentalen Überzeugungen der römisch-katholischen Kirche (Unfehlbarkeit, Stellvertreter Christi, Zölibat, Diskriminierung der Frauen, Frauenordination etc.) stören und damit nicht einverstanden sind. Gutes tun ist keine Absolution.

  4. Schweigen unter dem Talar, 10.03.2021, 11:35 Uhr

    Ich unterstütze mit meinem Geld keine Organisation, welche frauenfeindlich ist, Doppelmoral lebt, Kindesmissbrauch toleriert sowie verhütende bzw. abtreibende Menschen als «Sünder» abstempelt. Zusammengefasst hat die Kirche mit ihrer rückständigen Weltanschauung genau 0 mit meinem persönlichen Weltbild gemeinsam. Daher bin ich raus! Wäre schön, wenn man auch bei anderen Sachen genauso problemlos aussteigen könnte. Ich denke da an die Gebührengelder für den SRF-Konzern, welcher ebenfalls genau 0 für meine Interessen produziert, ich aber trotzdem zum Bezahlen gezwungen werde!

  5. Michel von der Schwand, 10.03.2021, 10:47 Uhr

    Man tritt wohl kaum wegen den Steuern aus der römisch-katholischen Kirche aus! Vielmehr ist es die gelebte Doppelmoral, der Unsinn «Zölibat» und die Tatsache, dass es sich um eine äusserst frauenfeindliche Organisation handelt. Es würde den Verantwortlichen (im Artikel übrigens klein geschrieben / Bitte korrigieren) gut tun, sich ernsthaft darüber Gedanken zu machen. Ob Geld nach Rom fliesst oder nicht spielt dabei keine grosse Rolle. Nur schon die Tatsache, dass die römisch-katholische Kirche immer noch an der Unfehlbarkeit des Papstes festhält und diesen als Stellvertreter Christi sieht, ist für viele Menschen wohl ebenfalls Grund genug, aus der Kirche auszutreten.

    1. Gallus, 10.03.2021, 15:36 Uhr

      Das würde ich sehr bezweifeln, dass die Leute nicht wegen dem Geld austreten. Wir bezahlen als junge Familie über CHF 1’000- Kirchensteuern… natürlich sind Ihre genannten Gründe alle richtig. Aber schlussendlich geht es um das eigene Portemonnaie.

    2. Michel von der Schwand, 15.03.2021, 11:59 Uhr

      Ich persönlich bin u.a. wegen den genannten Gründen aus der römisch-katholischen Kirche ausgetreten. Das Schreiben der römisch-katholischen Kirche, welches ich auf meinen Austritt erhalten habe, bestätigte mich in meiner Überzeugung. Aus Sicht der römisch-katholischen Kirche habe ich u.a. kein Anrecht mehr, auf einem Friedhof beerdigt zu werden, dürfte mich nicht mehr in einer Kirche trauen lassen und viele andere, von eigenartiger Befindlichkeiten gesteuerte Gründe. Von Barmherzigkeit sehr weit entfernt. Aber ich gebe Ihnen natürlich recht, dass viele Menschen auch aus finanziellen Gründen austreten. Betrachtet man das Vermögen der römisch-katholischen Kirche eigentlich ein Hohn.

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