Das Partyvolk am Zugersee bekommt alkoholischen Nachschub
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Nur ein Katzensprung vom Seeufer entfernt: An der Chamerstrasse 18 entsteht ein Tankstellenshop.

Neuer Tankstellenshop weckt Bedenken Das Partyvolk am Zugersee bekommt alkoholischen Nachschub

4 min Lesezeit 1 Kommentar 27.02.2021, 18:00 Uhr

Bei der Tankstelle nahe der Schützenmatte in der Stadt Zug entsteht ein neuer Migrolino-Laden. Dieser wird ab April auch abends und sonntags alkoholische Getränke verkaufen. Damit droht eine Verschärfung der Abfall- und Sicherheitsproblematik am Seeufer.

Die Seeuferpromenade von der Altstadt bis zum Hafen mutiert an schönen Abenden zur coolen Partymeile. Vorwiegend Gruppen von Jugendlichen treffen sich hier zum Feiern. Sie konsumieren mitgebrachte Speisen und Getränke, hören oder machen Musik und geniessen gemeinsam die stimmungsvolle Ambiance – grossmehrheitlich friedlich. Böse Zungen sprechen allerdings vom Zuger «Ballermann» in Anlehnung an die berüchtigte Festmeile auf Mallorca, wo früher der Alkohol in Strömen geflossen ist.

Mit dem neuen Tankstellenshop an der Chamerstrasse 18 werden sich Festfreudige am Zugersee künftig noch einfacher mit Food und Drinks eindecken können. Der Laden ist ab 15. April täglich von 6 bis 22 Uhr geöffnet und bietet auch eine Auswahl Weine, Biere und Spirituosen an, wie die Migrolino-Medienstelle bestätigt.

Verkauf und Konsum von Alkohol erlaubt

Für die Behörden gibt es keine Möglichkeit, Privaten den Verkauf von Alkohol zu verbieten. Auch die Bewilligung für Spirituosen wird der Laden voraussichtlich von der Stadt ohne Weiteres erhalten. Dass das neue Angebot zusätzliche Probleme schaffen könnte, dessen sind sich die Verantwortlichen allerdings bewusst.

«Unsere erfahrene Bewilligungsabteilung wird mit den Ladenbetreibern das Gespräch suchen und sie auf die problematische Situation aufmerksam machen», sagt Stadtrat Urs Raschle. «Das wird meistens gut aufgenommen, aber wir sind letztlich auf den Goodwill der Leute angewiesen.» Kontrollen im Laden werden allenfalls betreffend Jugendschutz vorgenommen.

Das Konsumieren von Alkohol am Zuger Seeufer ist grundsätzlich erlaubt. Bei der Diskussion um das Reglement für die Benützung des öffentlichen Raums hatte das Stadtparlament die Möglichkeit eines Mitbringverbots explizit abgelehnt. Um Verletzungen zu verhindern, könnten allenfalls Gläser und Flaschen verboten werden.

Mögliche Bussen sind ein Thema

Die Sicherheitsorgane sind jedoch angewiesen, verstärkt Präsenz zu markieren. Damit soll vor allem das Liegenlassen von Müll – sprich Littering – verhindert werden. «Am wirksamsten wäre das Ausstellen von Bussen», so Urs Raschle, «aber dafür müsste man die Fehlbaren in flagranti erwischen.»

Als Vorsteher des Departements Soziales, Umwelt und Sicherheit befasst sich Raschle schon seit Jahren mit der Littering-Problematik und setzt immer wieder neue Massnahmen um. So wurden Patrouillen für Kontakt, Information, Prävention (KIP) geschaffen, welche Abfallsünder angesprochen haben. Dieses Jahr wird darauf verzichtet. «Der Effekt ist inzwischen verpufft», sagt Urs Raschle. «Deshalb setzen wir wieder vermehrt Sicherheitsassistenten ein.»

Einkaufsbedürfnisse vorhanden

Der Stadtrat sieht im neuen Tankstellenshop nicht in erster Linie ein Problem, sondern vor allem einen Mehrwert für die ganze Bevölkerung. Auch ausserhalb der üblichen Ladenöffnungszeiten können dort Artikel für den täglichen Bedarf eingekauft werden. «Wir glauben, dass an dieser gut frequentierten Strasse mit der Nähe zum See und den umliegenden Wohnungen ein grosser Bedarf für einen Convenience-Shop für den schnellen Einkauf zwischendurch oder die rasche Verpflegung unterwegs besteht», sagt Migrolino-Sprecher Marco Fallico.

Das Sortiment umfasst Markenartikel und Migros-Produkte, aber auch vor Ort produzierte Sandwiches. Damit wird eine Alternative zu den Läden im Bahnhof Zug geboten, die sich vor allem in Randstunden, sowie an Sonn- und Feiertagen, grösster Beliebtheit erfreuen. Momentan stehen die Kundinnen zu Stosszeiten bis auf die Zug-Perrons Schlange.

Weitere Immobilienfirma für Zug

In die ehemalige Werkstatt der Garage Huber ist auch eine Niederlassung der im Immobilienmanagement tätigen Property One Gruppe eingezogen. Mit 20 Mitarbeitenden will die Zürcher Firma im wichtigen Teilmarkt Zug Kundenbeziehungen pflegen und ausbauen. Mit ein Grund für die Wahl der Räumlichkeiten im Industrielook war der unkonventionelle Standort mit genügend Parkplätzen, in Gehdistanz zum Bahnhof. Der Showroom an der Ecke Chamerstrasse/Aabachstrasse soll gemäss Firmenangaben ab April für die Präsentation von Immobilienprojekten eingesetzt werden.

Keine Konkurrenz durch den kaum 50 Meter entfernten Laden befürchtet dagegen die Buvette «Quai Pasa»: «Wir sehen da gar keine Probleme», sagt Betreiber Jonas Mehr. «Die Leute schätzen es, bei uns zu verweilen und ihr Bier aus dem Glas zu trinken.» Die Verantwortlichen werden die Abfallsituation auch in Zukunft beobachten. Die Buvette selber produziert keinen Abfall (zentralplus berichtete).

Ehemalige Garagenräume umgenutzt

Der Migrolino-Laden an der Chamerstrasse wird vom Schweizer Zweig des staatlichen aserbaidschanischen Energieunternehmens Socar geführt. Zurzeit wird die bestehende Tankstelle modernisiert, der seit rund drei Jahren leerstehende Auto-Showroom der ehemaligen Garage Huber umgebaut. Insbesondere mit den flexiblen Öffnungszeiten soll das neue Angebot nicht nur für Autofahrer attraktiv werden.

Zu ihrer Strategie beim Ausbau des Tankstellennetzes und der Dienstleistungen schreibt die Firma Socar: «Wir orientieren uns konsequent an den Bedürfnissen unserer Kunden.»

Migrolino-Läden bieten eine reichhaltige Auswahl an alkoholischen Getränken. Im Bild der Tankstellenshop in der Kollermühle.

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1 Kommentare
  1. Hans Peter Roth, 28.02.2021, 11:53 Uhr

    Ach du schöne globalisierte Welt! Die staatliche aserbeidschanische Firma Socar verhökert jetzt den in Berg Karabach geplünderten Pflaumenschnaps an die Zuger Teenies, dies unter dem Namen Migros/Migrolino. Gottlieb Duttweiler darf sich einmal mehr in seinem Grab wenden und wir Lebenden konstatieren: Sciencefiction ist kalter Kaffee, die Gegenwart ist viel verrückter.

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