Christoph Brötie und Alain Chopard machen es möglich, dass wir alle reich riechen.
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Christoph Brötie und Alain Chopard machen es möglich, dass wir alle reich riechen. (Bild: zvg CHMedia)

Zuger Unternehmen bei TV-Show «Die Höhle der Löwen» Das Parfüm für alle, die nach (viel) Geld riechen wollen

6 min Lesezeit 2 Kommentare 23.11.2021, 22:15 Uhr

Zwei Zuger Unternehmer haben eine etwas ketzerische Idee: Alain Chopard und Christoph Brötie reden nicht nur über Geld, sondern sie haben gleich ein Parfum erfunden, das nach frischgedruckten 1000er-Noten riecht. In der Sendung «Die Höhle der Löwen» buhlten sie um Investoren. Die Begeisterung der Jury hielt sich in Grenzen.

Der Geschäftsidee, welche der Chamer Alain Chopard und sein Kollege Christoph Brötie haben, mag anecken. Innovativ ist sie jedoch mit Sicherheit. Gegen das böse Vorurteil, dass Geld stinkt, haben die beiden ein Parfum lanciert, das nach Geld «duften» soll. Konkret: Nach frischgedruckten 1000er-Noten.

Weil die beiden Gründer von Swiss Money Parfum ziemlich überzeugt sind von ihrer Erfindung, stellten sie sich am Dienstagabend mutig den Löwen. Mit ihrer Audienz in der «3+»-Sendung «Die Höhle der Löwen Schweiz» erhofften sich die Zuger, die Nasen der Jury zu erobern und nebenherginge Unterstützung von 75’000 Franken generieren zu können. Dafür sollen die Löwen einen Firmenanteil von 20 Prozent erhalten.

Sie brechen ein Tabu – und reden offen über Geld

«Wir brechen heute ein Tabu. Und zwar reden wir offen über das Thema Geld», sagt der 35-jährige Chopard zu Beginn der Präsentation. Die Idee für dieses gewagte Parfüm sei den beiden beim Kaffee auf der Skipiste gekommen. «Wir haben über unsere Finanzen gesprochen und bald gemerkt, dass wir überhaupt nicht gern darüber sprechen. Doch warum ist das so, dass wir gerade in der Schweiz nicht gern darüber sprechen? Was ist das Geheimnis des Geldes?» Eine grosse Frage, für deren Beantwortung in diesem Rahmen keine Zeit bleibt.

Wenn man an die Schweiz denke, kämen einem die Bilder und Düfte verschiedener Dinge in den Sinn. Berge und die frische Bergluft, Schokolade und Käse. Auch der Finanzplatz käme einem in den Sinn. Und: «Unsere geliebte 1000er-Note», wie Brötie sagt. «Doch wie riecht diese eigentlich?»

«Der Duft einer druckfrischen Banknote mit einem Hauch Sexiness.»

Christoph Brötie, Businesspartner von Firmengründer Alain Chopard

Während die beiden erzählen, driftet der Fokus des Zuschauers immer wieder in den Hintergrund. Dort wird nämlich geklotzt. Mehrere Bündel 1000er-Noten, so könnte man jedenfalls meinen, stehen da auf einem Tisch. In Wirklichkeit handelt es sich um die Kistchen, in die die Flakons mit dem Unisex-Duft eingepackt sind. Gepolstert – natürlich – in einem Bett aus geschredderten Fake-1000er-Noten.

Kommt nicht billig daher: Das Parfum der Zuger Unternehmer.

Endlich können alle nach Geld riechen

Innert zwei kreativen Jahren habe man sich mit dem Duft der Banknote befasst, man wolle diesen «der Bevölkerung zugänglich machen». Den Gesichtern der Löwen ist anzumerken: Sie sind zunächst skeptisch. Das ändert sich auch nicht, als sie am Parfüm schnuppern. Brötie nennt es: «Der Duft einer druckfrischen Banknote mit einem Hauch Sexiness.» Die Testpersonen finden: «Naja.»

«Wenn ich jetzt nicht wüsste, was das wäre, würde ich an etwas aus dem Werkzeugkeller denken.»

Patrick Mollet, Jurymitglied

Jürg Schwarzenbach riecht und sagt: «Ein wenig Karton steckt da doch drin.» Chopard nickt. «Aber es hat schon was von einer 1000er-Note», sagt Jury-Mitglied Anja Graf leicht erstaunt.

Kritische Reaktionen bei der «Die Höhle der Löwen»-Jury

«Wenn ich jetzt nicht wüsste, was das wäre, würde ich an etwas aus dem Werkzeugkeller denken», sagt Löwe Patrick Mollet. Der ehemalige Vizepräsident der FDP Kanton Zug sitzt neuerdings mit in der Jury. «Es riecht etwas nach Leim und Lösungsmittel, wenn ich ehrlich sein darf», konstatiert er. «Das ist absolut legitim», federt Brötie ab, Parfüm sei ein sehr individuelles Gut, aus diesem Grund sei der Parfümmarkt so gross und variantenreich.

«Es isch en unglaubliche Seich.»

Jürg Schwarzenbach, Jurymitglied

Die beiden Unternehmer haben nicht nur den «Lappen» im Visier. Auch für weitere Banknoten, von der 10er- bis zur 200er-Note, könnte man Produktlinien machen, finden die Parfümerfinder. Diese würden dann jedoch ziemlich gleich riechen wie der bestehende Duft, geben sie zu. Auch eine Badekugel sei angedacht. «Wer von euch wollte nicht schon immer im Geld baden?»

Während die Herren erzählen, rümpft Jurymitglied Schwarzenbach leicht die Nase. Und sagt: «Es isch en unglaubliche Seich. E Tuusigernote. Ich cha mi fascht ned erhole.» Doch gebe es wohl für alles irgendwo einen Markt. Tatsächlich sei das Swiss Money Parfum eine Idee, welche insbesondere im chinesischen Markt Fuss fassen könnte, so Brötie. Märkte, die affin seien auf Toblerone und Taschenmesser. Chopard ergänzt: «Auch als Kundengeschenk sei das Parfüm denkbar.»

Kein Löwe will die Zuger Unternehmer finanziell unterstützen

Diese Idee finden ausnahmslos alle Löwen mässig gut. «Ich fände es sehr komisch, wenn mir mein Banker eine Badekugel schicken würde, damit ich im Geld baden kann», sagt Lukas Speiser. Auch sieht er den Nutzen der Produkte nicht. «Sie machen das Leben der Menschen nicht wirklich besser, wenn sich diese mit Geldduft einsprühen können.»

Fehlende Zielgruppe, Tendenz zum Gag und fehlender Nutzen: Es herrscht Konsens bei der Jury. Niemand möchte in die Zuger Firma respektive in den Duft von Geld, investieren.

Die Zuger Firma macht trotz Abfuhr weiter

Aufgeben werden die beiden Unternehmer trotz der eindeutigen Absage der Jury nicht. Christoph Brötie von Swiss Money Parfum sagt auf Anfrage: «Das von uns geforderte Investment war nicht nennenswert, demnach sind wir nicht abhängig davon, ob die Löwen zubeissen oder nicht. Die Geschäfte gehen weiter, wenn auch etwas langsamer, da die professionelle Erfahrung fehlt.» Die Produktion wie auch der Vertrieb seien gewährleistet und würden stetig weiterentwickelt, auch die Bekanntheit der Marke steige kontinuierlich.

Riechen wie 1000 Stutz? Mit 150 Franken ist man dabei

Auf die gewagte Idee angesprochen, erklärt Brötie: «In Anbetracht dessen, dass es sich bei unserem Parfum um den Duft von Schweizer Banknoten handelt, welche mit dem Schweizer Finanzplatz und der Marke ‹Schweiz› assoziiert werden und weil unser Produkt mit dem Qualitätslabel ‹Made in Switzerland› ausgezeichnet ist, stösst unser Parfum, nach rund einem Jahr auf dem Markt, auf eine hohe Nachfrage.»

Geschuldet sei die hohe Nachfrage auch dem Design des Produkts, welche durch seine Einzigartigkeit für sich spreche. «In Bezug auf den Absatz beobachten wir einen rasanten Aufwärtstrend. Bestellungen erhalten wir sowohl aus der Schweiz, mittlerweile jedoch vermehrt auch aus dem Ausland», sagt Brötie.

Tatsächlich gibt es das Produkt nicht nur auf der eigenen Webseite, sondern auch auf mehreren Onlineplattformen zu kaufen. So etwa auch auf Tutti.ch. Kostenpunkt: 150 Franken.

Fun Fact. Sollte jemandem der Name Christoph Brötie bekannt vorkommen, hat das seinen Grund. Der 31-Jährige war letztes Jahr in «The Voice of Switzerland» zu hören.

Der Zuger in der Löwenrunde

Zum Schluss noch eine kurze Reise in den «Inner Circle» des Löwen-Rudels. Wir wollen vom Zuger Jurymitglied Patrick Mollet wissen, wie es kam, dass er nun wöchentlich zur Hauptsendezeit im Privatfernsehen zu sehen ist. «Wie so vieles im Leben lief auch dies über das Netzwerk und Empfehlungen», verrät der Unternehmer. «Ein guter Freund, mit dem ich bereits ein Startup gegründet und erfolgreich verkauft hatte, hat mich dem Sender 3+ als möglichen Löwen empfohlen.»

«Mich hat vor allem beeindruckt, wie viele Gründer es in der Schweiz gibt, die den Schritt in die Selbständigkeit wagen.»

Patrick Mollet, Zuger Jury-Mitglied bei der «Höhle der Löwen»

Es sei für ihn spannend, in einer so grossen Fernsehproduktion mitzuwirken und zu sehen, wie viele Personen hinter den Kulissen es brauche, damit am Schluss alles perfekt sei. «Mich hat aber vor allem beeindruckt, wie viele Gründerinnen und Gründer es in der Schweiz gibt, die den Schritt in die Selbständigkeit wagen. Darunter hat es natürlich auch einige kuriose Produkte.» Und weiter: «Aber das gehört auch zum Format der Sendung, schlussendlich soll es für die Zuschauerinnen und Zuschauer zuhause ja auch unterhaltsam sein», so Mollet abschliessend.

«Ein wenig Karton», «Ein wenig Werkzeugkeller», «Ein wenig Sexiness» – so lauten die verschiedenen Urteile zum Duft.

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2 Kommentare
  1. Hans Peter Roth, 25.11.2021, 01:13 Uhr

    Die Parfüm-Idee von Chopard & Brötle ist eine gelungene Persiflage über das Unternehmertum der kapitalistischen Planwirtschaft: Neue Konsumbedürfnisse mit unnötigem Schnickschnack kreieren. Was der Weihrauch für die Katholen, könnte das Money Perfume für die Mammoniten werden.

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  2. Dölf, 24.11.2021, 13:36 Uhr

    Sowas kann ja nur aus Zug kommen… 😀

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