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Das neue Zuger Elterntaxi – eines der ökologischen Sorte
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Mit dem Elektrovelo und per Anhänger das Kind in die Schule gebracht: das Elterntaxi der anderen Art. (Bild: woz)

Erster Schultag: Nur wenige fahren Kinder mit Auto Das neue Zuger Elterntaxi – eines der ökologischen Sorte

4 min Lesezeit 20.08.2018, 15:06 Uhr

Elterntaxis sind der Zuger Polizei ein Dorn im Auge. Nicht zuletzt, weil durch den Mehrverkehr der Eltern die anderen Schulkinder gefährdet seien. Doch zumindest in der Stadt Zug werden gar nicht so viele Kinder am ersten Schultag mit dem Auto gebracht. Dafür gibt es ein neues Phänomen.

Der Zuger Expat im dicken Mercedes, der seine kleine Tochter am ersten Schultag zum Unterricht fährt? Ja, den gibt es noch. Um 8.41 Uhr steuert ein riesiger Mercedes-SUV die Primarschule Kirchmatt am Zuger Hang an – dem klassischen Viertel für gut beziehungsweise best Betuchte.

Er parkt seinen schwarzen Schlitten rückwärts in die Parklücke, öffnet seiner Tochter die Autotür und nimmt sie dann an die Hand. Auf den letzten Metern zur Schule macht er mit dem Smartphone ein, zwei Fotos von seiner Tochter, die wie alle anderen eine signalfarbene Weste und einen stattlichen Schulthek trägt. Klar, alle Eltern sind stolz auf ihre Kinder am ersten Schultag.

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Es gibt auch noch das klassische Zuger Expat-Eltern-Taxi: Ein riesiger Mercedes-SUV.

Es gibt auch noch das klassische Zuger Expat-Elterntaxi: ein riesiger Mercedes-SUV.

(Bild: woz)

Doch ansonsten ist das klassische Zuger Elterntaxi an diesem Schulmorgen eindeutig eine aussterbende Spezies – nicht nur vor dem Schulhaus Kirchmatt, wo ja ein ausgestorbener Dino aus Plastik den Kindern als lustige Rutsche dient.

«Daraus entstehen für Kinder wiederum gefährliche Situationen.»

Zuger Polizei zu Elterntaxis

Auch vor der Primarschule Burgbach im Stadtzentrum von Zug sind Elterntaxis fast gänzlich Fehlanzeige – so die Momentaufnahme von zentralplus am ersten Schultag.

Liegt dies womöglich an den Appellen der Zuger Polizei, die Elterntaxis seit Jahren anprangert? «Richtiges Verhalten im Strassenverkehr lernen die Kinder buchstäblich Schritt für Schritt, an der Hand ihrer Eltern oder gemeinsam mit ihren Freundinnen und Freunden.» Aus diesem Grund findet es die Zuger Polizei wichtig, dass der Schulweg zu Fuss absolviert wird und nicht im Auto der Eltern, wie die Zuger Polizei jüngst in einer Medienmitteilung kommunizierte. 

Fahrzeuge der Eltern verstopfen laut Zuger Polizei die Zufahrten

Zudem führe der Mehrverkehr durch Elterntaxis zu einer zusätzlichen Gefährdung der Schulkinder, die den Schulweg zu Fuss oder per Velo absolvieren, so die Zuger Ordnungshüter. Auch würden diese Fahrzeuge die Zu- und Wegfahrten zu den Schulhäusern verstopfen und andere Autofahrer zu gefährlichen Manövern verleiten.

«Daraus entstehen für Kinder wiederum gefährliche Situationen. Der Weg zur Schule beinhaltet im Übrigen auch eine soziale Komponente. Die Kinder üben selbstständiges Handeln, lernen mit Konflikten und Problemen umzugehen und pflegen Freundschaften mit anderen Kindern», so das offizielle Credo der Zuger Polizei.

«Also, am ersten Schultag sollte es ja noch möglich sein, dass ich meinen Sohn mit dem Auto zur Schule bringen kann.»

Zuger Vater, im Auto vor der Burgbachschule

An diesem ersten Schultag vor der Burgbachschule ist jedoch alles ruhig. Kurz vor acht kreuzen lediglich einige Velos und Fussgänger den innerstädtischen Schulhof.

Dann hält doch noch plötzlich ein schwarzer Audi vor der Schule: Eine junge Mutter lässt ihre Tochter schnell aussteigen und fährt dann zügig weiter. Dann stoppt noch ein asiatischer Kleinwagen unmittelbar vor dem Schulhof. Ein Vater entlässt seinen Sohn Richtung Schulhaus.

«Entschuldigen Sie die Frage: Warum bringen Sie Ihren Sohn mit dem Auto zur Schule? Die Zuger Polizei findet das ja nicht so toll», erkundigt sich zentralplus bei dem Vater, nachdem man an sein Wagenfenster geklopft hat.

Am ersten Schultag ausnahmsweise bis fast vor die Schultüre chauffiert: Ansonsten fährt der Sohnemann mit dem Bus.

Am ersten Schultag ausnahmsweise bis fast vor die Schultüre chauffiert: Ansonsten fährt der Sohnemann mit dem Bus.

(Bild: woz)

«Also, am ersten Schultag sollte es noch möglich sein, dass ich meinen Sohn mit dem Auto zur Schule bringen kann», antwortet der Vater. Schliesslich müsse sein Sohn ja seine Finken in die Schule mitnehmen. «Ansonsten fährt er jeden Tag mit dem Bus und hat einen Buspass.»

Auch vor dem Schulhaus Kirchmatt ist an diesem Morgen, wie gesagt, wenig los in Sachen Elterntaxis. Neben besagtem Mercedes-SUV ist nur noch ein grosser Audi zu erspähen, aus dem ein Vater mit seiner Tochter aussteigt. «Ich bringe meine Tochter heute mit dem Wagen, weil unser anderes Kind auch gleichzeitig in die Schule kommt», sagt er.

Viele Eltern erklären vorbildlich zu Fuss ihren Kindern den Schulweg

Vielmehr fallen dagegen zahlreiche Eltern auf, die zu Fuss ihre Kinder zum ersten Mal in die Schule bringen und ihnen den Schulweg erklären. «Schau, an dieser Ecke musst du aufpassen, da kommen oft Autos von unten herauf», sagt ein Vater zu seinem Sohn und legt ihm den Arm auf die Schulter, bevor er mit ihm die Strasse überquert. Auch andere Eltern zeigen ihren Kindern geduldig den neuen Schulweg.

«Der erste Schultag ist halt immer etwas komisch.»

Zuger Philippina, die mit ihrem Velotaxi da ist

Bis plötzlich eine asiatische Mutter mit ihrer Tochter im Schlepptau die steile Strasse zur Schule Kirchmatt hochkeucht. Sie tritt kräftig in die Pedale ihres Elektrovelos, an dem ein Anhänger angeschlossen ist. Für einen Moment fühlt man sich in die Gassen von Dhaka oder Neu-Dehli versetzt.

«Mein Mann ist mit dem Auto nach Luzern gefahren, deshalb bringe ich heute meine Tochter mit dem Velo», sagt sie und lächelt. Ihr anderes Kind sei schon in der «KiBiZ»-Tagesbetreuung, der Kinderbetreuung Zug. Zukünftig würde ihre Tochter sicher alleine zu Fuss in die Schule gehen. «Der erste Schultag ist halt immer etwas komisch für die Kinder», sagt die Philippinin. Und lächelt wieder. Irgendwie echte Mutterliebe. Und wenn dies nicht das beste Elterntaxi ist.

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