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Das neue Berufsbild des Wasserspenders
  • Gesellschaft
Die Stadtgärtner sind in der Stadt Luzern derzeit dauernd unterwegs um die Pflanzen mit genügend Wasser zu versorgen. (Bild: giw)

Hunderte Stadtgärtner und Werkhöfler schwitzen Das neue Berufsbild des Wasserspenders

4 min Lesezeit 30.07.2018, 14:01 Uhr

Im Winter arbeiten sie im Matsch, jetzt aber ist das Arbeitsumfeld der Werkhof-Angestellten und Stadtgärtner wesentlich trockener. Tagelang sind sie nur mit einem beschäftigt: Wasser zu spenden, Pflanzen zu giessen.

«Wir tun, was wir können», sagt Gisela Bucher vom Werkhof Cham. Die 21 Mitarbeiter betreuen den Ökihof und die Kadaversammelstelle, vermieten den Hirsgarten für Feste, halten die Wanderwege in Schuss – und tun zurzeit vor allem eins: Sie giessen in den Grünanlagen, was das Zeug hält. Markus Schuler, der Bereichsleiter für Gartenbau und den Friedhofsunterhalt, ist zum Zeitpunkt unseres Telefonats bereits weg – er hat sehr früh angefangen, denn in der vorabendlichen Hitze lässt sich nicht gut arbeiten.

Deswegen sehen wir uns in Zug um, wo ebenfalls der Werkhof fürs Blumengiessen zuständig ist. Seine Mitarbeiter reiten derzeit auf Traktoren durch die Stadt, auf die sie grosse Wasserbehälter gepackt haben. Sie sind voll ausgelastet. Deswegen gibt ihr Chef, Stadtratsvizepräsident André Wicki (SVP), Auskunft.

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So trocken wie 2003

«Wir sind mit der Trockenheit zurzeit wie im Sommer 2003 unterwegs. Das heisst, dass sechs bis acht Leute mit Giessen beschäftigt sind. Die eine Hälfte davon mit Fahrzeugen und Tank mit Schlauch und Brause, die andere mit Schläuchen und Bewässerungseinrichtungen.

«Seit Anfang Jahr hat es keine längere Regenperiode mehr gegeben, welche den Boden und das Grundwasser nachhaltig mit Wasser versorgt hat.»

André Wicki, Stadtrat, Zug

41 Hektaren betreut die Gärtnergruppe, 3’500 Bäume fallen in ihre Zuständigkeit. Viel zu tun geben Sportanlagen, Ziersträuche und junge Bäume sowie der Wechselflor – also die Blüemli, welche öffentliche Orten zieren. «Wir haben die Herausforderung in Zug, dass es seit Anfang Jahr keine längere Regenperiode mehr gegeben hat, welche den Boden und das Grundwasser nachhaltig mit Wasser versorgt hat», sagt Wicki.

Die Steppe am See

Knapp ein Drittel der zu bewässernden Fläche entfällt auf Sportanlagen, von denen sich die meisten im Bereich der Herti befinden. Hier wird am meisten bewässert. «Das geschieht standardmässig über Seewasser, welches in erdverlegten Leitungen transportiert wird», sagt Wicki. Bei der momentanen Hitze laufen die Sprinkler derzeit zweimal pro Woche und mehrmals am Tag.

Wo man sich bei der Stadt noch zurückgehalten hat, sind Badenanlagen wie jene am Brüggli oder die Badi Trubikon. Dementsprechend erinnern die Flächen dort mehr an eine vertrocknete Steppe als an grünes Grasland.

100 Gärtner für Luzern

In sehr viel grösserem Massstab operiert die Stadtgärtnerei in Luzern. Sie betreut eine grössere Fläche, hat aber auch eine grössere Stadt floristisch zu schmücken. 55 öffentliche Kinderspielplätze werden gewartet, 3’500 Bäume entlang von Strassen geschnitten, 8’500 Bäume in Park- und Grünanlagen und knapp 1,5 Millionen Quadratmeter Rasen, Wiesen, Hecken, Rabatte und andere Pflanzungen betreut. Rund 100 Mitarbeiter zählt diese Abteilung des städtischen Tiefbauamts, die auch zu den Friedhöfen schaut und die Sportanlagen in Schuss hält.

«Die Vegetation muss die Trockenheit aushalten – und das kann sie auch.»

Cornel Suter, Leiter Stadtgärtnerei, Luzern

Diese müssten am intensivsten gewässert werden, sagt Cornel Suter, der Leiter der Stadtgärtnerei. Arbeitsintensiv sei auch die Arbeit mit dem Wechselflor. Und um die Blumen zu wässern, ist auch viel Manpower nötig, wohingegen bei Sportanlangen die Bewässerungsanlagen zum Teil fest installiert sind. «Aber wir haben natürlich auch mobile Sprinkler», so Suter.

Die Sonnenblumen auf der Strasseninsel beim Luzernerhof leiden unter den extremen Temperaturen.

Die Sonnenblumen auf der Strasseninsel beim Luzernerhof leiden unter den extremen Temperaturen.

(Bild: giw)

Wasser aus der Reuss und dem See

«Wir sind gut vorbereitet und entsprechend ausgerüstet», sagt Suter, der nicht den ersten trockenen Sommer erlebt. Der Personalbedarf wird über die Ferienplanung ausgeglichen, der erhöhte Wasserbedarf ist eingeplant. «Zwei Drittel des für Bewässerungen benötigten Wassers entnehmen wir der Reuss oder dem See», so Suter. «Die dafür nötigen Bewilligungen haben wir.» Tankwagen und Traktoren hat die Stadtgärtnerei natürlich auch, ansonsten zapfen die olivgrün gewandeten Gärtner Hydranten an. 

Zur bewässerten Fläche gehören in Luzern auch die Grünanlagen und Pärke am See – dementsprechend ist das Gras in der Ufschötti noch grün. Nicht bewässert werden Weiden, die sich im Besitz der Stadt befinden, und Mittelstreifen, die nicht speziell bepflanzt sind. «Die Vegetation dort muss die Trockenheit aushalten», sagt Suter, «und das kann sie auch.»

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