Regionales Leben

Im Frühjahr geht es los
Das Luzerner Tiny-House, das autark die Welt durchreist

  • Lesezeit: 5 min
Die ersten Teile des Solar Butterfly sind am Freitag bei der Firma Komax eingetroffen.
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Die ersten Teile des Solar Butterfly sind am Freitag bei der Firma Komax eingetroffen. (Bild: zVg)

In vielen von uns schwirren abgefahrene Ideen herum. Der Luzerner Louis Palmer setzt eine seiner ungewöhnlichen Ideen in Realität um. Mit seinem autark funktionierenden Tiny-House und politischen Projekt «Solar Butterfly» möchte er einmal um die Welt reisen – und dabei einigen Personen ein äusserst spezielles Zuhause bieten.

Louis Palmer ist Motivationsredner und hält Vorträge überall in der Schweiz. Einmal im Jahr organisiert der Luzerner zudem eine Elektro-Auto-Rallye an verschiedenen Orten. Doch Palmer könnte man auch als lokalen Pionier mit globaler Ausstrahlung bezeichnen. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie hat der 50-Jährige seine beiden Jobs praktisch verloren und startete deswegen ein neues Projekt, das auch nicht das erste dieser Art für ihn ist.

Mit dem Solarschmetterling die Welt bereisen

Mit seinem neuen «Solar Butterfly» möchte Palmer mit einem grossen Team ab Mai 2022 die ganze Welt erkunden, auf Lösungen aufmerksam machen, die aus der Klimakrise führen sollen und verschiedene Projekte an allen Ecken der Erde besuchen. Und schlussendlich möchte das Projekt einer besonderen Form modernen, autarken Wohnens und Fortbewegens frönen. Doch erstmal alles von vorne.

«Es gehört zu meiner Überzeugung, dass wir die Klimakrise genauso anpacken müssen wie die Bekämpfung der Pandemie.»

Louis Palmer

Palmer ist ein Mensch von Welt, das merkt sofort, wer mit ihm spricht. Für zentralplus sprechen wir mit ihm per Videocall und gleich wird uns klar: In Louis Palmer sprudelt es nur so von Ideen und die meisten von ihnen klingen ein wenig verrückt.

Mit einem Solarauto inklusive selbst konstruiertem Anhänger während mehrerer Jahre um die Welt fahren? Klingt verrückt. Während der Reise ein 150-köpfiges Team im Rücken haben? Tönt absurd. Und in all diesen Jahren über 1’000 Events durchführen und einen eigenen Online-TV-Sender aufbauen, der direkt aus dem Wohnmobil sendet? Wirkt unmöglich.

Mit diesem schmetterlingsartigen Tiny-House möchte Louis Palmer um die Welt reisen. (Bild: zVg)

Das Klima, das keinen mehr kümmert

Wir fragen Palmer, woher er die Motivation für dieses grosse Vorhaben nimmt. «Unser Problem mit dem Klima ist nicht zuletzt auch wegen Corona ziemlich stark in den Hintergrund gerückt. Es gehört zu meiner Überzeugung, dass wir die Klimakrise genauso anpacken müssen wie die Bekämpfung der Pandemie. Ausserdem war und ist für die Bekämpfung der Pandemie auf einmal unglaublich viel Geld da. Für eine finanzielle Reaktion auf das gleichermassen ernstzunehmende Problem der Klimaerwärmung wurde gerade beispielsweise die Klimajugend immer wieder verhöhnt. Für einen Fortschritt in diesem Bereich entschied ich mich dazu, mit einem aufmerksamkeitserregenden Projekt einzustehen.»

«Auf dem zehn Meter langen Anhänger kann man 120 Quadratmeter Solarpanels schmetterlingsartig ausklappen, die genügend Strom produzieren, um das ganze Fahrzeug mit Energie zu versorgen.»

Louis Palmer

So entstand der «Solar Butterfly», erklärt Palmer: Ein auffälliges Auto, das einen ebenso futuristischen Anhänger hinter sich herzieht und auf Weltreise geht. «Auf dem zehn Meter langen Anhänger kann man 120 Quadratmeter Solarpanels schmetterlingsartig ausklappen, die genügend Strom produzieren, um das ganze Fahrzeug mit Energie zu versorgen.» Entstehen soll nämlich ein mobiles energieautark funktionierendes Tiny-House.

Weggefährtinnen gesucht

Im Haus auf Rädern wird gekocht, geduscht, aufs WC gegangen, geschlafen, gearbeitet und gelebt – dass das funktionieren wird, davon ist Palmer bereits sehr überzeugt. «Aktuell sind wir auf der Suche nach verschiedensten Personen, die uns während eines Abschnitts auf der Reise begleiten werden. Dazu gehören Technikerinnen, Influencer, Journalistinnen, Fahrer und so weiter. Das Wichtigste ist schlussendlich, dass es sich um Personen handelt, die das Projekt lautstark nach aussen tragen können.»

Das ist der verrückte Kopf hinter dem Projekt, der Luzerner Louis Palmer. (Bild: zVg)

Generell handelt es sich beim autarken Weltenbummler-Mobil nebst einem Versuch einer speziellen Wohnform primär um ein Projekt, das viele Personen auf dem ganzen Planeten zum Denken anregen soll. «Doch wir wollen nicht immer nur über die Probleme reden, die wir aktuell haben. Vielmehr wollen wir anhand eines sehr bildhaften Projekts zeigen, wie eine lebenswerte Zukunft ohne Klimakatastrophe möglich sein könnte», erklärt Palmer.

Aus diesem Grund wird sich in der Wohnung, in der bis zu sechs Personen gleichzeitig untergebracht sein werden, auch ein kleines Fernsehstudio befinden, erklärt Palmer weiter. «Während über 1’000 Events möchten wir von überall auf der Welt Projekte vorstellen, die gegen die Klimaerwärmung ankämpfen und beispielsweise mit Interviews oder auch Ausstellungen darüber informieren.»

Die Tour

Finanziert wird das Projekt zu 50 Prozent aus Spenden aus der «Solar Butterfly»-Community, die andere Hälfte kommt aus Sponsoringerträgen. Das dereinst aus Ozean-PET bestehende Tiny-House wurde gemeinsam mit Studentinnen der Hochschule Luzern entwickelt und soll im Verlauf der nächsten Monate bei den Firmen Komax und Schindler zusammengebaut werden.

Am 23. Mai geht es auf dem Berner Bundesplatz los. 2022 wird die mobile Wohnung durch ganz Europa kreuzen, um dann 2023 nach einer kleinen Restaurationspause nach Asien oder Nordamerika zu reisen. Nach Australien und Afrika – so zumindest der Plan – wird der «Solar Butterfly» pünktlich zum Zehn-Jahre-Jubiläum des Pariser Abkommens in Paris einfahren.

Und, so hofft Palmer zumindest, in die Geschichte eingehen. Und wenn möglich über die vier Jahre die weltweite Bevölkerung auf Lösungen, wie wir aus der Klimakrise entkommen, sensibilisiert haben und diesen Lösungen zum Durchbruch helfen.

Serie über alternative Wohnformen

Nicht alle wohnen in einem Umfeld, das für die Mehrheit als «normal» gilt. In unserer Serie «Alternative Wohnformen» zeigen wir auf, wie abenteuerlich, kreativ oder schlichtweg anders Menschen in und aus Luzern leben. Unsere dritte Episode führt uns einmal quer durch die ganze Welt.

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