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Das Luzerner Theater holt den FCL und Fasnächtler ins Boot
  • Kultur
Soll wieder aufgebaut werden: Das Globe Theatre. (Bild: zvg/David Röthlisberger)

Neue Saison startet im August Das Luzerner Theater holt den FCL und Fasnächtler ins Boot

4 min Lesezeit 5 Kommentare 15.06.2020, 15:21 Uhr

Das Programm der neuen Spielzeit am Luzerner Theater steht fest. Es entstand mitten in der Pandemie und wurde vom Dröhnen der politischen Dauerdiskussion um die Zukunft des Hauses begleitet. Es ist zugleich das letzte, das von Intendant Benedikt von Peter ausgestaltet wurde.

Die letzte Spielzeit von Intendant Benedikt von Peter hat es in sich. Schon alleine wegen der Corona-Pandemie, die viele der längst gefassten Pläne über den Haufen warf – oder zumindest kräftig durchschüttelte. Die Planung musste von verschiedensten Szenarien ausgehen – von der schrittweisen Rückkehr in die Normalität bis hin zur Möglichkeit, dass bis Ende Jahr nicht mehr ins Theater geladen werden könnte.

Nun setzt man den «Plan C» um, wie das neue Programm getauft wurde. In der Ausführung wird sich noch zeigen, welche Schutzmassnahmen bis im August gelten. Inhaltlich fallen vor allem fünf Dinge auf:

1. Das Theater geht ins Stadion

FCL-Fans aufgepasst: Am 4. Dezember wird in der Swissporarena eines der legendärsten Spiele des FCL nachgestellt. Es geht um das Barrage-Spiel gegen Lugano von 2009. Auch bekannt als das letzte Spiel im alten Allmend-Stadion.

Zwei Schauspieler werden das gesamte Spiel nachstellen. Wie genau das gehen soll? Keine Ahnung – aber eine gute Portion Absurdität wird zum Programm namens «Happy End auf der Allmend» gehören. Es wird auf jeden Fall die erste Kooperation des Luzerner Theaters mit dem FCL sein.

2. Das Theater geht an die Fasnacht

Eine weitere erstaunliche Kooperation geht das Theater mit den Fasnächtlern der Stadt ein. Konkret will man am 5. Juni 2021 die Altstadt zum fasnächtlichen Themenpark verwandeln. «Die 5. Jahreszeit» heisst das Projekt, das die Fasnacht mitten in den Sommer tragen will.

Der Abschluss dieses rüüdig verreckten Tages soll dann auf dem Theaterplatz stattfinden. Zum Sempacher-Marsch wird dort ein «lebendiges Bild» mit allen Beteiligten aufgenommen werden. Zur Umsetzung werden Menschen mit «Grende» gesucht.

3. Das Theater reist in die Vergangenheit

Neben von Peter wird auch das künstlerische Leitungsteam letztmals in dieser Besetzung in der Verantwortung stehen (zentralplus berichtete). Verständlicherweise kommt da ein Schuss Nostalgie auf. Dies drückt sich etwa in der Tatsache aus, dass die Bühne des Hauses wieder zu Shakespeares «Globe Theatre» umgewandelt werden soll.

Damit feierte man bereits 2016 Erfolge. Nun passt es doppelt: Zum einen wird darin Shakespeares Komödie «Wie es euch gefällt» neu interpretiert. Zum anderen musste das original Globe Theatre während Pest-Pandemien immer wieder – und zum grossen Frust von Shakespeare – geschlossen werden.

Tanzbegeisterte sollten sich aber vor allem auch die Uraufführung «Tanz 36: Full Circle» am 8. Mai 2021 notieren. Für Spartenleiterin Kathleen McNurney schliesst sich hier nämlich tatsächlich ein Kreis: Vor zwölf Jahren fand mit «Tanz 1» der erste Tanzabend unter ihrer künstlerischen Leitung statt. Für den letzten Abend werden die beiden selben Choreografen verantwortlich sein wie für den ersten.

Zum letzten Mal in der Verantwortung: Das Leitungsteam des Luzerner Theaters mit Intendant Benedikt von Peter (vorne). (Bild: Ingo Hoehn)

4. Das Theater blick voraus

Die künftige Ausrichtung des Theaters ist schon lange ein heisses Luzerner  Politikum. Sanierung oder Neubau, Ausrichtung und Inhalt, Ensemble oder Gastspielhaus – zu diskutieren gibt’s beim Luzerner Theater stets genug.

Ein neues Betriebskonzept ist derzeit noch in Bearbeitung. Sobald es erscheint, dürften die Diskussionen weiter zunehmen. Wie geht man inhaltlich als Theater damit um? «Ausblenden ist keine Option», sagt Benedikt von Peter auf Anfrage. «Die Diskussionen sind Impulse, die aufgenommen wurden – das zeigt sich insbesondere im Bereich Schauspiel.»

Sinnbildlich für die Diskussionen um das Luzerner Theater ist etwa «Der Kirschgarten». Die Komödie von Anton Tschechow handelt vom Verkauf eines Kirschgartens eines überschuldeten Familiengutes. Mit dem Verkauf  verbunden ist ein ganzes Gefühlsspektrum: Von der Angst loszulassen über die Euphorie des Neuen bis zur Melancholie beim Gedanken an die Vergangenheit.

Noch konkreter wird die Auseinandersetzung aber im Rahmen des Stückes «Kunst» (17. April 2021). Das Stück sei als «Kulturpolitisches Poem» zu verstehen. Inhaltlich wird es sich mit dem Stellenwert von Kunst und Kultur auseinandersetzen. Auch die Auswirkungen der Pandemie auf die politische Wertschätzung der Kultur werden im Stück aufgearbeitet.

5. Das Theater will sich beweisen

Gerade die Diskussionen um die künftige Ausrichtung des Luzerner Theaters scheinen motivierend gewirkt zu haben. Von Kooperationen mit der Freien Szene über Klassiker wie «Il barbiere di Siviglia» oder «Carmen», die sich ins EWL-Areal hinauswagen wird, gibt es ein dichtes Programm – für die Kleinen kommen auch noch «Frau Holle» und der «Schellen-Ursli» auf die Bühne.

Das Fazit: Die längerfristige Zukunft des Luzerner Theaters liegt derzeit noch in der Schwebe, die nächste Spielzeit schöpft aber nochmals aus dem Vollen.

Das gesamte Programm findest du hier.

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5 Kommentare
  1. Peter Bitterli, 16.06.2020, 15:36 Uhr

    Die deutsche Theaterfrau trägt in dieser Spielzeit ein Sackkleid in gedämpften Farben. Dazu einen farblich passenden Schal. Die Tanzspezialistin präsentiert sich spartengerecht schwarz, die übrigen Damen dürfen sich gerade auch bei den Schals den einen oder anderen bunten Tupfer leisten. Unter dem Kleid machen sich Strümpfe ausnehmend gut, wobei sicher auch mal eine Jeans oder eine Pluderhose angemessen wären, in der Art, wie man es in der Szene der Kunstgewerbeschülerinnen seit dem Jahrtausendwechsel kennt.
    Der Theaterschaffende setzt klassisch auf Jacket und Hose, auch diese natürlich in gedeckten Tönen. Der Rang innerhalb der Hierarchie wird diskret durch die Abstimmung von Hose und Jacke signalisiert. In den obersten Etagen sind eigentliche Anzüge angesagt, gegen unten darf die Hose auch farblich und stofflich einen Gegenakzent setzen. Stilsicher findet der Direktor den Kompromiss zwischen dem repräsentativen Dreiteiler der alten Generaldirektorenschule und den offenen Jeanshemden der Kartoffelsalatschlachten-Generation, den er ja auch in Haar- und Barttracht ideal findet. Ja weniger Hände der Theatermann in die Taschen steckt, desto höher sein Rang.

  2. Peter Bitterli, 15.06.2020, 18:17 Uhr

    „Das Luzerner Theater holt den FCL und Fasnächtler ins Boot“. Ach ja? Wie wär‘s mit dem: „Das Luzerner Theater biedert sich nun auch noch bei FCL und Fasnächtlern an“?

    1. Hans Hafen, 15.06.2020, 19:55 Uhr

      Man erhofft sich wohl in punkto Theater-Neubau Rückendeckung vom Pöbel und möchte neue Mitstreiter aktivieren. Kaum gebaut, wirds dann wieder elitär.

    2. CScherrer, 16.06.2020, 07:55 Uhr

      Einfach mal etwas kommentieren ohne jegliches Wissen oder Kenntnisse des Luzerner Theaters. Mit Benedikt von Peter hat das Luzerner Theater wohl einer der besten Intendanten seit vielen Jahren. Er zeichnet sich eben auch durch solche Projekte aus. Das Theater Basel hat von Peter nicht ohne Grund geholt. Genauso dilettantisch wie Herr Zemp (Gewerbeverband/FDP), welcher aus dem Luzerner Theater ein Gastspielhaus machen will und so etliche Arbeitsplätze mutwillig auf das Spiel setzt. Geht es nach der FDP sollen also künftig die Luzernerinnen und Luzerner mit geistlosen eingekauften Schwänken in drei Akten berieselt werden. Die rechtsbürgerliche Seite setzt seit Jahren alles daran, dass nicht nur in der Bildung, aber auch in der Kultur gespart wird. Man hält sich den Pöbel gerne dumm.

    3. Peter Bitterli, 16.06.2020, 08:47 Uhr

      In der Tat, CScherrer, wie man sich doch täuschen kann, wenn man eine Materie noch nicht so lange verfolgt. Da wäre es jetzt wohl am Platz, mit wildem Namedropping, kürzesten Schlüssen, unreflektierter Kolportage von Eigenlob und unlogischen Satzverbindungen mal so richtig vom Leder zu ziehen. Uninteressant! Ich beschränke mich auf Deutschunterricht auf Volksschulstufe und gebe Ihnen kund und zu Wissen, dass das Verb „haben“ den Akkusativ nach sich zieht. Danke für das Gespräch.

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.