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Das Luzerner Theater hebt den Mindestlohn an
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Das Luzerner Theater: Wie viel Mindestlohn ist genug? (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Prekäre Löhne unter politischem Druck Das Luzerner Theater hebt den Mindestlohn an

4 min Lesezeit 1 Kommentar 22.10.2019, 04:00 Uhr

Die tiefen Mindestlöhne beim Luzerner Theater sind ein Politikum: Die Grünen fordern mindestens 4’000 Franken. Die Regierung sieht sich nicht in der Verantwortung. Trotzdem gibt es für die Tänzerinnen und Schauspieler etwas mehr Geld.

Der grüne Kantonsrat Urban Frye fordert höhere Gagen beim Luzerner Theater. Die 3’700 Franken Mindestlohn für eine neue Schauspielerin seien kaum höher als für ungelernte Arbeitskräfte im Gastgewerbe oder auf dem Bau. «Selbst nach über zehn Jahren Berufserfahrung verdient ein festangestelltes Ensemblemitglied höchstens 5’000 Franken im Monat», kritisierte Frye kürzlich in einem Vorstoss (zentralplus berichtete).

Frye nimmt den Kanton in die Pflicht, denn das Theater ist der mit Abstand grösse Subventionsempfänger in der Kultur. «Der Kanton Luzern als Hauptgeldgeber trägt dafür eine entscheidende Verantwortung und müsste aus unserer Sicht dafür sorgen, dass sich die Situation verbessert.»

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Die meisten verdienen mehr

Die Regierung sieht sich allerdings nicht in der Pflicht, wie sie in ihrer Antwort schreibt – der Kanton habe keinen direkten Einfluss auf die Löhne. Denn das Luzerner Theater (LT) wird von einer privatrechtlichen Stiftung getragen. Der Zweckverband von Kanton und Stadt Luzern mache lediglich «gewisse Vorgaben». Die Mindestlöhne seien zudem Sache der Branchenvertreter und ihrer Verbände.

Weiter relativiert der Regierungsrat die 3’700 Franken Anfangslohn: Nur 8 von 70 festangestellten Künstlerinnen seien in der aktuellen Spielzeit zu dieser tiefen Mindestgage angestellt. Das sind entweder Erstengagements oder Assistenzen in Ausbildung. Ein erfahrenes Ensemblemitglied verdiene schnell über 5’000 Franken.

Das Luzerner Theater ist als Mitglied des Schweizerischen Bühnenverbands am Gesamtarbeitsvertrag beteiligt – dieser werde laufend neu ausgehandelt. Und immerhin gibt’s auf nächste Saison 100 Franken mehr: 3’800 statt bisher 3’700 Franken. «Darüber hinaus leistet das Luzerner Theater einen im GAV nicht vorgeschriebenen 13. Monatslohn und – wenn es der Geschäftsgang zulässt – ein freiwilliges Weihnachtsgeld», so die Regierung.

Löhne steigen laufend

Die Grünen fordern 4’000 Franken Mindestlohn. Und in diese Richtung geht’s: In den letzten zwölf Jahren sind die Mindestgagen am LT um 15 Prozent gestiegen – von 3’300 auf neu 3’800 Franken. Fazit: Das Luzerner Theater setze sich seit geraumer Zeit mit Lohn- und Gagenfragen auseinander, argumentiert die Regierung. Rechne man den 13. Monatslohn dazu, betrage die Mindestgage in Luzern bereits jetzt 4’116 Franken.

«Es ist nicht Aufgabe unseres Rates, punktuelle Lohnerhöhungen einzufordern.»

Luzerner Regierungsrat

Als Untergrenze werden auch für das technische Personal die Mindestbestimmungen des Gesamtarbeitsvertrags eingehalten. Es bestehe keine systematische Schlechterstellung des technischen Personals im Vergleich zur Privatwirtschaft, heisst es. Das habe vor einigen Jahren eine interne Untersuchung des Luzerner Theaters ergeben.

Die Mitarbeiter des Sinfonieorchesters schliesslich, die auch für das Luzerner Theater arbeiten, unterstehen einem eigenen Gesamtarbeitsvertrag mit dem Schweizer Musikverband (SMV).

Ein Kommen und Gehen

Die allgemein tiefen Löhne seien auch damit erklärbar, dass das LT oft Berufsanfängerinnen engagiert, bevor sie an grössere Häuser wechseln. Zudem sei das Haus um Ausbildung und Weiterbildungsangebote bemüht, es nehme seine Verantwortung gegenüber allen Angestellten wahr. Zum fixen Lohn kämen weitere Leistungen wie Kantine, Freikarten, ÖV-Abos oder Personalanlässe.

Dazu kommt, dass im kreativen Bereich befristete Arbeitsverträge üblich seien, die Zusammensetzung des Teams sei in ständigem Wandel. «Bei Künstlerinnen und Künstlern ist ihr Marktwert entscheidend, und dieser kann unter Umständen rasch ansteigen, insbesondere beim Wechseln an grössere Häuser.»

Ein Vergleich mit anderen Theatern ist laut Regierungsrat ohnehin nur bedingt zulässig. Urban Frye verglich das LT mit den Häusern in Bern oder St. Gallen, wo die Mindestgagen 300 Franken höher liegen als in Luzern. Die Besucherzahlen liegen in diesen Städten «deutlich höher», so der Regierungsrat. Zudem steht mehr Geld zur Verfügung.

Andere Häuser wie das Theater Biel Solothurn oder Neumarkt in Zürich bezahlen die gleichen Mindestgagen wie in Luzern.

Fazit: Budgetfragen liegen in der Verantwortung des Stiftungsrats. «Es ist nicht unsere Aufgabe, punktuelle Lohnerhöhungen einzufordern», so der Regierungsrat.

Ob diese Antwort die linken Kantonsräte zufriedenstellt, darf bezweifelt werden. Gerade im Hinblick auf einen Theaterneubau ist das letzte Wort sicher noch nicht gesprochen. Urban Frye jedenfalls hat schon angekündigt, dass er mit einem Postulat nachdoppeln werde.

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1 Kommentare
  1. Joseph de Mol, 22.10.2019, 07:43 Uhr

    Die allermeisten, welche in der Theaterlandschaft oder der klassischen Musik Fuss fassen, wissen haargenau worauf sie sich einlassen. Würdigend zu berücksichtigen ist vorderhand die Tatsache, dass in genau diesen Sparten, die allermeisten Zöglinge aus sehr begüterten Verhältnissen stammen. Der Erwerb dient also in erster Linie nicht dem Lebensunterhalt, sondern der Selbstverwirklichung. Und das ist ab Stunde Null jedem klar. Will man gut Geld verdienen, studiert man nicht Theater- oder Musikwissenschaften. Ausser man hat ein eigenes, kleines Theater im Kopf!