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Das Luzerner Bruchquartier: Wo kleine Boutiquen noch florieren
  • Regionales Leben
(Von links): Vera Baumann, Simone Blank und Florina Moser werden ab August mit ihrem Geschäft «The Secondhand» an der Bruchstrasse 45 einziehen.   (Bild: sah)

Erschwingliche Mietpreise und entspannte Leute Das Luzerner Bruchquartier: Wo kleine Boutiquen noch florieren

5 min Lesezeit 11.06.2019, 13:45 Uhr

Während immer mehr altgediente Geschäfte eingehen, setzt das Bruchquartier auf das Kleine: Mehrere Boutiquen haben in letzter Zeit eröffnet. Sie setzen oft auf schlanke Öffnungszeiten, aber starke Präsenz in den sozialen Medien. Neuster Zuzügler: Ein Secondhandladen.

Das Bruchquartier: weder Neustadt, noch Altstadt. Eingeklemmt zwischen begehrter Hanglage und lärmiger Verkehrsachse. Zwischen der quirligen Baselstrasse und schläfriger Kleinstadt. Es ist das Quartier, das sich erst auf den zweiten Blick offenbart. Dennoch gibt es stetige Bewegung: Restaurants kommen, Geschäfte gehen, andere halten sich seit Jahren.

Noch nicht eingezogen, doch schon in den Startlöchern steht ein weiterer Kreativladen. «The Secondhand» wird ab August als kleiner aber konzeptuell weiter gefasster Secondhandladen an der Bruchstrasse 45 einziehen. Bis dahin wird der Raum noch von drei anderen Untermietern, darunter ein Mathe-Pop-up, zwischengenutzt (zentralplus berichtete).

Im Sommer wird sich «The Secondhand» und der Kinderkleiderladen «Börsalino» in der geräumigen Räumlichkeit einfinden. Beim «Börsalino» sollen Kinderkleider, beim «The Secondhand» Kleider aus zweiter Hand verkauft werden. Hinter dieser Laden-Kombo stecken Florina Moser, Simone Blank und Vera Baumann.

Wo nicht nur verkauft, sondern auch genäht wird …

Die drei aufgestellten Frauen konnten bereits einiges an Kleidung sammeln. Sie lancierten einen Instagram-Spendenaufruf zum Thema «Schick uns deinen schönsten Fehlkauf». Denn Neues zu kaufen, kommt für sie nicht in Frage. «Jeder von uns hat extrem viele Kleider zu Hause. Doch weil wir immer wieder Neues kaufen, werfen wir auch vieles wieder weg. Ziel wäre es jedoch, der Kleidung ein langes Leben zu ermöglichen», erklärt Florina Moser.

Sie wollen deshalb neben dem normalen Secondhandverkauf auch Platz für Näh- und Flicktage einräumen. In einer Art Kreativladen sollen so Leute direkt in den Laden kommen und ihr zu eng gewordenes Lieblingsstück umnähen lassen.

Wo ein Gefühl von Nachbarschaft herrscht …

Baumann konnte bereits mit ihrem temporären «Börsalino»-Lokal im St. Karli Erfahrung sammeln. Die anderen beiden sind noch relativ neu im Geschäft. Trotzdem sind sie optimistisch und zeigen an den eigenen Jeans, was alles möglich ist. «Ziel ist ein Business, aber eines, das Spass macht», so Moser.

«Klar hätten wir auch ein Lokal an Toplage genommen, das könnten wir uns aber schlichtweg nicht leisten.»

Simone Blank, eine der Betreiberinnen von «The Secondhand»

Mit dem Bruchquartier haben sie offenbar eine Punktlandung geschafft. «Hier hat man ein Gefühl von Nachbarschaft. Man kennt sich und tauscht sich aus», erklärt Baumann. Genau das Richtige. Denn die Leute sollen direkt vorbeikommen, um ihre alten Kleider abzugeben beziehungsweise an den Laden zu verkaufen.

Das Lokal an der Bruchstrasse 45 sei ihnen eher per Zufall aufgefallen und habe schliesslich auch preislich gepasst. «Klar hätten wir auch ein Lokal an Toplage genommen, das könnten wir uns aber schlichtweg nicht leisten», so Blank.

Wo alles etwas langsamer läuft …

Zwei Minuten und vier schöne Altbauhäuser weiter, betont auch Christina Lütolf-Aecherli die erschwinglichen Mietpreise. An der Gibraltarstrasse, dort, wo früher der mittlerweile verstorbene Fotograf Georg Anderhub sein Atelier hatte, ist sie vor fast genau zwei Jahren mit ihrem Laden «Stina’s Lifestyles» eingezogen.

 
 
 
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Übers Quartier kann sie nur schwärmen. «Hier sind die Leute entspannt und sympathisch. Die Umgebung ist geprägt von einer Ruhe, die Leute sind irgendwie entschleunigt.» Zwar würden viele aus dem Quartier zu ihr kommen, aber längst nicht nur. «Auch so einige Touristen schauen vorbei. Vielleicht auch nur auf ihrem Weg zur Gütschbahn», erzählt Lütolf-Aecherli lachend.

«Die Lage bietet zwar nicht eine extrem hohe Frequenz, erlaubt aber auch eine eingeschränkte Präsenz.»

Christina Lütolf-Aecherli, die Betreiberin von «Stina’s Lifestyles»

Zwar sei die Gibraltarstrasse nicht direkt «im Kuchen», aber dennoch laufe das Geschäft mit dem Angebot an Kleidern und Accessoires gut. «Die etwas abgelegene Lage ist ein Vor- und Nachteil zugleich. Zwar hat es nicht eine extrem hohe Frequenz, erlaubt aber auch eine eingeschränkte Präsenz», so Lütolf-Aecherli. Es laufen zwar keine Menschenmengen vorbei, dafür könne man es sich auch leisten, nicht ganztags geöffnet zu haben.

Nur so sei es möglich, dass sie lediglich an einigen Tagen in der Woche geöffnet hat – für sie als Mutter ohne zusätzliches Personal zentral. Auch der Onlineshop sei daher eine willkommene Plattform, um ihre Ware zu verkaufen.

Lütolf-Aecherli ist Kunsthistorikerin, Sängerin und hat schwedische Wurzeln. Daher setzt sie auch auf schwedische Labels. Sie hatte vor neun Jahren mit selbstgemachten Karten, Schwedentorten und Gesang angefangen und ihr Angebot immer weiter ausgebaut. 2015 begann sie, Kleider von den Designerinnen Emma und Malena aus Göteborg zu verkaufen. Und konnte sich damit ein Klientel aufbauen, das aus Bern und Zürich zu ihr an die Gibraltarstrasse pilgert.

Wo auf persönlichen Kontakt gesetzt wird …

Klientel aus Zürich hat auch die kleine, im August eingezogene Boutique «The Stories» an der Kasimir-Pfyffer-Strasse. Die Litauerin und Wahl-Luzernerin Paulina Annen hat das Geschäft im Herbst übernommen, aufgefrischt und einen neuen Namen gegeben. Kleine Labels, wertige Dinge. Schmuck, Kleider, Accessoires.

Die gebürtige Litauerin Paulina Annen betreibt seit fast einem Jahr die kleine Boutique «The Stories» an der Kasimir-Pfyffer-Strasse 16.

Die gebürtige Litauerin Paulina Annen betreibt seit fast einem Jahr die kleine Boutique «The Stories» an der Kasimir-Pfyffer-Strasse 16.

(Bild: sah)

Annen hat sich schon lange in die Wohlfühlatmosphäre der Umgebung verliebt. Sie arbeitet seit letztem August im Bruchquartier und wohnt eine Strasse weiter von ihrem Laden. «Ein anderes Quartier könnte ich mir nicht mehr vorstellen», so Annen. «Hier kann ich mit meinen Kundinnen und Kunden einen engen, persönlichen Kontakt haben. Das wäre nicht möglich, wenn ich von Leuten überrannt würde.»

Doch eben dieser Austausch sei essentiell für kleine Boutiquen. Denn diese könnten nur anhand von persönlicher Bindung überleben. Das Geschäft laufe gut, besonders jetzt, da es sich rumgesprochen habe, dass hier bewusste und nachhaltige Marken angeboten werden.

Und auch mit ihren Ladennachbarn pflegt sie ein freundschaftliches Verhältnis – nicht nur an den Bruch-Weihnachten oder sonstigen Events im Quartier. «Hier an der Kreuzung treffen wir uns fast täglich auf einen Kaffee», erzählt Annen und zeigt auf die Kreuzung Bruch- und Kasimir-Pfyffer-Strasse.

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