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Das Lucerne Festival ist ein Segen für Luzern, aber es droht Gefahr
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Konzert am diesjährigen Piano-Festival im KKL: Vladimir Jurowski dirigiert die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen. (Bild: Priska Ketterer/Lucerne Festival)

24 Millionen Franken Wertschöpfung jährlich Das Lucerne Festival ist ein Segen für Luzern, aber es droht Gefahr

6 min Lesezeit 2 Kommentare 20.11.2017, 14:47 Uhr

Eine Studie bestätigt: Das Lucerne Festival bringt der Luzerner Wirtschaft und Tourismus jährlich 24 Millionen Franken. Gute Nachrichten für den von Sparpaketen geplagten Kulturkanton. Doch die Studie warnt auch vor möglichen Gefahren.

Nun ist bestätigt, was man schon weiss: Das Lucerne Festival (LF) ist für Luzern ein Millionensegen. 22,6 Millionen Franken generieren die drei Klassik-Festivals im Frühling, Sommer und Herbst jährlich für die Wirtschaft und die öffentliche Hand von Kanton und Stadt Luzern. Davon fliessen 21,4 Millionen als direkte Konsumausgaben in die Wirtschaft, 1,2 Millionen Franken als Steuern an Stadt und Kanton.

Daneben profitiert die Tourismus-Region von einem Werbewert über 1,1 Millionen Franken, den die weltweite Berichterstattung in ausländischen Medien generiert. Der Gesamtnutzen des LF für Kanton und Stadt Luzern beläuft sich also insgesamt auf 23,7 Millionen Franken.

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Nicht auf die Schultern klopfen

Die Zahlen gehen aus einer neuen Studie der Universität St. Gallen hervor, die das Lucerne Festival nach 2001 und 2009 zum dritten Mal in Auftrag gab (siehe Box am Ende). Das Festival will so in regelmässigen Abständen seine volkswirtschaftliche Bedeutung herausstreichen, die es für den Standort Luzern hat.

«Es ist wichtig zu zeigen, dass sich die Investition in uns lohnt.»

Michael Haefliger, Intendant LF

«Wir wollen uns damit nicht auf die Schultern klopfen oder mehr Subventionen abholen, aber die Studie zeigt: Die Unterstützung für das Festival lohnt sich für alle in der Stadt und Region», sagt Hubert Achermann, Präsident der Stiftung Lucerne Festival, bei der Präsentation. Denn das Festival sei nicht einfach für ein paar Musiker von Bedeutung, sondern auch für die Wirtschaft und die öffentliche Hand.

Investitionen lohnen sich

Mitten während des Piano-Festivals, das noch bis 26. November läuft, nahm sich auch Intendant Michael Haefliger Zeit, um die Bedeutung der Studie herauszustreichen. Zwar deckt das LF seine Kosten zu 94 Prozent selber – dies dank Sponsoren, Gönnern und vielen treuen Besuchern –, trotzdem seien auch die Subventionen der öffentlichen Hand von jährlich 1,4 Millionen Franken wichtig, so Haefliger. «Es ist wichtig zu zeigen, dass sich diese Investition in uns für die Luzerner Wirtschaft und für Stadt und Kanton Luzern lohnt.»

Für die öffentliche Hand ist das LF in erster Linie ein gutes Geschäft: Sind doch die direkten Steuern, die wieder zurück in die Kassen fliessen, fast so hoch wie die Subventionen. Dazu kommen die indirekten Steuern aus der ganzen Wertschöpfungskette, die schwer zu quantifizieren sind.

Michael Haefliger über die Wertschöpfung des Lucerne Festivals:

 

Interessant ist, dass der volkswirtschaftliche Nutzen schon grösser war: Der Peak war 2008, als auch die Ticketverkäufe auf einem Rekordhoch waren. Doch damals dauerte das Sommerfestival 40 Tage, inzwischen hat man es wieder auf 33 Tage reduziert. Eine gewollte Entscheidung, weil das Sommerfestival aus Sicht der Verantwortlichen zu gross geworden war. «Aber im Vergleich zum Jahr 2000, als wir unsere erste Studie durchführten, hat der Wert des Lucerne Festivals für die hiesige Wirtschaft um 4 Millionen Franken zugenommen», erklärt Roland Scherer, einer der beiden Studienverfasser der Universität St. Gallen.

Politik als Gefahr

Scherer betont an der Präsentation, wie wichtig gefestigte Zahlen für die weitere strategische Positionierung des Festivals seien. Denn die Rahmenbedingungen sind gerade im Kanton Luzern nicht in Stein gemeisselt. Zum Beispiel sei es zwar erfreulich, dass das LF im Vergleich zu anderen Festivals einen hohen Anteil an Gästen aus Luzern und der Schweiz hat, dafür habe man bei den ausländischen Besuchern noch Luft nach oben, so Scherer. Die ausländischen Gäste bringen nämlich eine höhere Wertschöpfung, weil sie meist in der Region übernachten. «Erhebliche Wachstumspotenziale» für das LF hätte ein neues Musiktheater bedeutet, so die Studie. Dieses ist aber nach der gescheiterten Salle Modulable in weite Ferne gerückt.

Yulianna Avdeeva am diesjährigen Piano-Festival im KKL.

Yulianna Avdeeva am diesjährigen Piano-Festival im KKL.

(Bild: Peter Fischli/Lucerne Festival)

Scherer ist – ganz der Professor – vorsichtig optimistisch: «Solange sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht massiv verschlechtern und auch die finanzielle Unterstützung durch Stadt und Kanton fortgeführt wird, dürfte sich der Wert des LF für die Luzerner Volkswirtschaft weiter steigern.» Es heisst im Fazit aber auch klar: «Eine Reduzierung der (öffentlichen) Subventionen in dem Kulturbereich, wie sie sich derzeit am Standort Luzern abzeichnet, wäre dagegen klar kontraproduktiv und würde die bislang sehr positive Entwicklung stark gefährden.» Die Autoren empfehlen, regionalwirtschaftliche Entwicklungen aus den aktuellen Sparprogrammen genau zu beobachten.

Wyss’ Versprechen

Damit ist der Ball bei Regierungsrat Reto Wyss, der ebenfalls zugegen war und mahnte, man müsse zu den Leuchttürmen Sorge tragen. Der Vorsteher des Bildungs- und Kulturdepartements sagte, es sei keine Selbstverständlichkeit, in einem Kulturkanton zu wohnen, und er sagte: «Die Wertschöpfung des Lucerne Festivals ist grösser als das Engagement der öffentlichen Hand.»

«Ich bin dankbar für diese Zahlen, ich kann damit argumentieren und hoffe, dass dadurch meine Position gestärkt wird.»

Reto Wyss, Luzerner Regierungsrat

Der Kanton Luzern trat in der Vergangenheit kulturpolitisch vor allem durch Sparübungen in Erscheinung. Gefährdet er damit nicht das Fundament dieser Wertschöpfung? Wyss sagte, der Kanton werde auch in Zukunft seinen Beitrag leisten, damit das LF seine Strahlkraft behalten kann. «Dies verspreche ich Ihnen trotz der angespannten finanziellen Lage und obschon gewisse andere Kantone den interkantonalen Kulturlastenausgleich derzeit infrage stellen.»

Damit spricht Wyss die Kanton Schwyz und Zug an, die aus der Vereinbarung austreten und ihre Beiträge auf freiwilliger Basis leisten wollen. Die Gefahr, dass das Konstrukt des Kulturlastenausgleichs zusammenfällt, bestehe, so Wyss. Diese langfristige Unsicherheit sei für das LF hinderlich.

Hoffen auf mehr Verständnis

Der Kanton Luzern sparte jüngst vor allem bei der Freien Szene, also bei der kulturellen Grundversorgung. Helfen die neuen Zahlen für ein besseres Verständnis davon, wie wichtig die Kultur ist? Reto Wyss: «Ich bin dankbar für diese Zahlen, ich kann damit argumentieren und hoffe, dass dadurch meine Position gestärkt wird.» Das Zusammenspiel zwischen Hochkultur und Freier Szene sei fragil, man müsse Sorge dazu tragen, so Wyss.

Auch Michael Haefliger sagt, wie einzigartig der kulturelle Kreislauf in Luzern funktioniere. Mit dem KKL habe man das Fundament geschaffen, das den Erfolg von LF oder Sinfonieorchester erst ermöglichte. Haefliger legt auch ein Bekenntnis dazu ab, dass das LF durch die Steuern andere Kulturschaffende unterstützt. «Dadurch fördern wir Kulturschaffende mit, die nicht die gleiche Chance haben», so Haefliger. Im Moment könne man diesen sensiblen Kulturkreislauf noch halten, so Haefliger. «Aber es besteht die Gefahr, dass dieser unterbrochen wird.»

Hubert Achermann, Präsident des LF, sagte schliesslich: «Die Studie legt die Fakten auf den Tisch, jetzt müssen wir die Resultate kommunizieren und verbreiten.» Es gehe um eine Würdigung dessen, was das LF mache. Ein erster Schritt passiert bereits am Montagabend: Die Studie wird um 17 Uhr den Luzerner Kantonsräten präsentiert. Ob das einen Einfluss auf die künftige Kulturpolitik hat, wird sich bald zeigen.

Die wichtigsten Zahlen aus der Studie

Die Studie «Die regionalwirtschaftlichen Effekte von Lucerne Festival 2015» wurden vom Institut für Systemisches Management und Public Governance der Universität St. Gallen durchgeführt. Die Studienverfasser werteten dafür die Finanzbuchhaltung 2015 des LF aus und befragten im Sommer 2016 über 100 Lucerne-Festival-Besucher.

  • Stadt und Kanton Luzern profitieren jährlich mit 23,7 Millionen Franken von Lucerne Festival.
  • 1,1 Mio. Fr. generieren Medienberichte im Ausland. 2016 tauchte das LF 541 Mal in ausländischen Medien auf.
  • Den grössten Nutzen zieht die Luzerner Volkswirtschaft aus den 100’000 Besuchern, die jährlich eines der drei Festivals besuchen. Sie geben rund 11 Millionen Franken aus.
  • 2015 machte das LF 24,2 Mio. Franken Einnahmen, im Jahr 2000 waren es noch 15,4 Mio. Der Rekord war 2008 mit 26,7 Mio.
  • Die wichtigsten Erlösquellen machen Kartenverkauf (9,8 Mio.) und Sponsoren (9,3 Mio.) aus, die wichtigsten Ausgabenposten sind Honorare (10,2 Mio.) und Personalaufwand (5,2 Mio.).
  • Die meisten Einnahmen kommen aus der Restschweiz, die meisten Ausgaben fliessen aber in die Agglomeration Luzern. Damit generiert das LF einen Finanztransfer nach Luzern.
  • Der Eigenfinanzierungsgrad des LF beträgt 94 Prozent. Subventionen von 1,4 Mio. Fr. stehen Steuerabgaben von 1,2 Mio. gegenüber.

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2 Kommentare
  1. Karin Müller, 22.11.2017, 15:00 Uhr

    Wer gar nichts von der klassischen Musiktradition versteht, pflegt zu meinen, ein “Klavierkonzert” sei ein Konzert, bei welchem eine Musikerin oder ein Musiker allein auf der Bühne Klavier spielt. Sofern es einem nicht sinnlos erschiene, könnte man so einen Nichtversteher dahingehend belehren, dass solche Soloauftritte gemeinhin als “Klavierrezital” bezeichnet werden, während der Begriff “Klavierkonzert” eine Gattung meint, in welcher ein Klavier mit einem Orchester konzertiert. Wer nun allerdings eine Fotografie, auf welcher beim besten Willen kein Klavier/Flügel/Keyboard zu erkennen ist, mit der Bildlegende “Klavierkonzert am diesjährigen Piano-Festival im KKL” versieht, der ist wohl überhaupt nicht mehr belehrbar.

    1. Redaktion Jonas Wydler, 27.11.2017, 15:18 Uhr

      Ach, wenn doch alle ihre Hinweise in solch schöne Worte packen würden wie Sie, Herr Bitterli. Jedenfalls: Ich bin durchaus belehrbar und werde die Bildlegende anpassen. Beste Grüsse