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Das liberale Schlachtross ist noch lange nicht müde
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Georges Theiler geniesst es, mehr Zeit für sich und seine Familie zu haben. (Bild: giw)

Was macht eigentlich... Georges Theiler? Das liberale Schlachtross ist noch lange nicht müde

6 min Lesezeit 1 Kommentar 10.09.2017, 05:19 Uhr

Über 20 Jahre war der FDP-Politiker Georges Theiler Bundesparlamentarier. Von der Aufspaltung der PTT bis zum Gesamtsystem Bypass – der Stadtluzerner hatte seine Finger im Spiel bei den wichtigen Geschäften. Obwohl er seine politische Laufbahn beendete, bringt er sich noch ein – auch per E-Mail an Bundesräte.

Georges Theiler schreitet entspannt durch die hohen Räume des Hotels Schweizerhof. Einmal in der Woche treffen sich hier während den Sommermonaten die Mitglieder des Rotary Club zum Mittagessen. Seit der liberale Verkehrspolitiker vor zwei Jahren seinen Hut genommen hat, ist er etwas in den Hintergrund gerückt – Parteikollege Damian Müller hat seine Nachfolge angetreten. Obwohl er die Parlamentsarbeit sehr gerne machte, sehnt er sich nicht nach Bern: «Ich habe keine Entzugserscheinungen.»

Jahrelang habe er 140 Prozent gearbeitet, um Politik und verschiedene Mandate in der Privatwirtschaft in Einklang zu bringen. Nun bleibt dem 68-Jährigen mehr Zeit: «Ich geniesse es, freie Wochenenden zu haben.» Zwar ist er weiterhin Verwaltungsratspräsident der Immobiliengesellschaft «Mobimo» und der Nutzfahrzeug-Produzentin «Auto AG» sowie weiterer strategischer Positionen in verschiedenen Unternehmen. Doch die Arbeitsbelastung hält sich in Grenzen.

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Ein eifriger Leser

Statt am politischen Verhandlungstisch zu sitzen, klopft er nun des Öfteren einen Jass. Auch seiner Leidenschaft für Biographien gibt er sich vermehrt hin. Auf dem Nachttisch liegt derzeit ein Buch über Henry Ford, dem Pionier der modernen Autoindustrie. «Es fällt mir immer wieder auf, wie oft über Personen diskutiert wird, von denen man eigentlich gar nichts weiss.» Deshalb habe er auch Bücher über Putin und Trump gelesen – nicht weil er mit deren Politik einverstanden ist, sondern um deren Motive besser zu verstehen. Nach diesem Prinzip geht er auch in Verhandlungsgespräche: «Vor einem wichtigen Entscheid möchte ich die Beweggründe des Gegenübers nachvollziehen können.»

«In den frühen 70er-Jahren reiste ich allein durch Südostasien.»

Georges Theiler, alt Ständerat

Unter diesem Aspekt sieht er auch die grösste Niederlage seiner Laufbahn: In den Jahren 2004 und 2005 kandidierte Theiler für das Amt des Präsidenten der FDP Schweiz, unterlag jedoch dem Zuger Rolf Schweiger, beziehungsweise Fulvio Pelli. «Natürlich schmerzte die Niederlage damals. Doch rückblickend bin ich nicht so unglücklich. Das FDP-Präsidium hätte bedeutet, dass ich nur noch Politik gemacht hätte.»

Wenn er seine Augen gerade nicht über Textzeilen oder ein Jassblatt schweifen lässt, packt Theiler gelegentlich das Reisefieber. Mit seiner Familie geht er demnächst auf eine Segeltour. Doch auch Nord- und Südamerika möchte er in naher Zukunft besuchen. Dem wirtschaftsfreundlichen Theiler liegt das Reisen im Blut. Er ist so etwas wie ein Backpacker der ersten Stunde: «In den frühen 70er-Jahren reiste ich alleine durch Südostasien. Lange, bevor diese Länder einen Tourismusboom erlebten.» Damals reiste er für einen Dollar am Tag – zu dieser Zeit war das ein relativ grosser Betrag. Von diesen Eindrücken und Erfahrungen zehrt Theiler noch heute.

Er meldet sich immer noch zu Wort

Ganz nach dem Grundsatz «mens sana in corpore sano» – ein gesunder Geist in einem gesunden Körper – ist Theiler sportlich unterwegs. Er geht mehrmals die Woche joggen, schwimmt und geniesst Ausflüge in die Berge. Im Winter ist er öfters am Skifahren. Hat der Mann, der 20 Jahre im Bundeshaus politisierte, sich komplett aus dem öffentlichen Leben verabschiedet? Natürlich nicht.

Obwohl die harten politischen Kämpfe der Vergangenheit angehören – Theiler lässt es sich nicht nehmen, auch mal einen Leserbrief zu schreiben oder seine Meinung im Rahmen einer Versammlung zu äussern. Er habe auch zu einzelnen Bundesräten weiterhin einen guten Draht. «Wenn ich mit einem Geschäft gar nicht einverstanden bin, schreibe ich auch einmal eine E-Mail an die verantwortliche Person.» Ausserdem würden es die Leute schätzen, wenn er ab und an das Wort ergreife und seine Meinung sage. Auch jetzt noch stehe er bei Themen, die er selbst noch behandelte im Rat, seinen Kollegen zur Seite.

Georges Theiler im Hotel Schweizerhof.

Georges Theiler im Hotel Schweizerhof.

(Bild: giw)

Bei Geschäften die er nicht mehr selbst begleitete, meldet Theiler sich jedoch nicht mehr öffentlich zu Wort. «Es fehlen mir die Dokumente aus erster Hand, um mir ein Bild zu machen. Es würde meiner Glaubwürdigkeit schaden, wenn ich mich einmische.» Jahrelang war das anders, Theiler war involviert in die grossen technischen und politischen Umwälzungen auf Bundesebene.

Als Mitglied der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen war er mitverantwortlich für die Aufspaltung der damaligen PTT und der anschliessenden Überführung der Swisscom in eine Aktiengesellschaft, initiierte die Neat mit oder bereitete den Weg für den Eisenbahnfonds. Wirklich zufrieden ist er jedoch nicht mit allen Geschäften. Dem stramm liberalen Theiler ging die Privatisierung der Swisscom nicht weit genug – ein funktionierender Telekommunikationsmarkt sei nicht entstanden in der Schweiz.

Ein Verfechter des Milizparlaments

Für Luzern entscheidende Verkehrsprojekte wie der Durchgangsbahnhof oder das Gesamtsystem Bypass gehörten ebenfalls zu Theilers Dossier. Die Geschichte hat diesen grossen Vorhaben noch kein endgültiges Schicksal zugewiesen (zentralplus berichtete). Ganz besonders am Herzen lag ihm die Tieferlegung der Zentralbahn, den er als grössten Erfolg seiner Politkarriere bezeichnet. Ursprünglich war der Tunnelbau unter die Luzerner Allmend hindurch vom Bundesrat zur Seite gelegt worden. «Quasi über Nacht stellten der damalige Regierungsrat Max Pfister (FDP) und ich eine Argumentation für den Bau zusammen und wir setzten uns sehr dafür ein.»

«Ich bin überzeugter Verfechter des Milizparlaments.»

Georges Theiler, alt Ständerat FDP

Seine Nähe zur Wirtschaft nahmen ihm seine Gegner immer übel. Theiler nimmts gelassen: «Es war nie ein Geheimnis, welche Mandate ich neben meiner Arbeit im Parlament inne hatte. Meine Voten im Parlament wurden bei Geschäften, die mit meinen Vorstandsposten in Verbindung standen, einfach entsprechend eingeordnet.» Auch sozialdemokratische oder grüne Parlamentarier seien Interessenvertreter im Parlament, etwa für Gewerkschaften oder Entwicklungsorganisationen.

Für den FDP-Politiker war die Nähe zur Wirtschaft immer wichtig: «Ich bin überzeugter Verfechter des Milizparlaments. Engagements in der Privatwirtschaft gehören dazu. Damit bleibt man volksnah.» Ein professionelles Parlament, bei dem die Politiker ausschliesslich von ihrem Einkommen für die Ratsarbeit leben, lehnt Theiler deshalb klar ab.

Zur Person

Georges Theiler wurde 1949 in der Stadt Luzern geboren, wo er auch heute noch lebt. Der Vater von zwei Töchtern wurde 1987 in den Grossen Rat des Kantons Luzern gewählt, 1995 in den Nationalrat. Diesem gehörte er bis 2011 an, als dem Ingenieur, Unternehmer und FDP-Politiker der Einstieg ins Stöckli gelang.

Kritik wegen Wahlkampfspenden

Nach der Wahl in die kleine Kammer wurde in den Medien bekannt, dass er Wahlkampfspenden von 10’000 von der «Auto AG», respektive 40’000 Franken von «Mobimo», annahm. In beiden Verwaltungsräten war er bereits damals vertreten – den Beitrag der Mobimo hat er wohltätigen Organisationen gespendet. «Das ist alles korrekt gelaufen, ich habe alles korrekt deklariert.» Ist der Luzerner deshalb zurückgetreten? Er widerspricht: «Nach 20 Jahren war es an der Zeit, jemand Neuem den Platz zu lassen.»

Mit seinem Nachfolger ist er sehr zufrieden – und steht ab und an mit ihm in Kontakt. «Ich rede ihm aber nicht rein, wie er stimmen soll. Das gehört sich nicht.» Aktuell beschäftigt Theiler auch die Nachfolgeregelung seines Parteikollegen Didier Burkhalter. Wer seiner Meinung nach neuer FDP-Bundesrat werden soll, hat Georges Theiler noch nicht abschliessend entschieden. Zwar verfüge FDP-Fraktionschef Cassis über einen sehr guten Leistungsausweis – für den Genfer Regierungsrat Pierre Maudet spreche hingegen die Exekutiverfahrung: «Auf einen Schlag mehrere tausend Leute führen – das kann nicht jeder.» Sicher wird er seinen persönlichen Kandidaten finden, «doch entscheiden kann ich nicht mehr, den Knopf drückt nun jemand anderes.»

Den Job als Bundesrat hätte er nie übernehmen wollen: «Bundesräte sind einsame Menschen», weiss Theiler von ihm persönlich nahen Regierungsmitgliedern: «Jeder Schritt in der Öffentlichkeit wird registriert – sogar der Einkauf in Italien wird zum Politikum», meint er mit Hinweis auf Doris Leuthard. Es sei ein Knochenjob ohne freie Minute.

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1 Kommentare
  1. Michel Ebinger, 16.09.2017, 20:53 Uhr

    Ich staune immer wieder wie viele gute Köpfe die FDP hervor brachte. Liebe FDP habt wieder mehr Mut zum Liberalismus. Werdet Querdenker, werdet unbequem, Die Schweiz braucht eine echte liberale Partei, welche die Neoliberalen zum Teufel jagt mehr den je!