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Das letzte Stündchen für die Cars auf dem Inseli hat geschlagen
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Heute stehen beim Inseli noch Cars, ab 2020 soll damit Schluss sein. (Bild: Aura)

Luzerner Stadtparlament für Juso-Initiative Das letzte Stündchen für die Cars auf dem Inseli hat geschlagen

5 min Lesezeit 06.04.2017, 15:06 Uhr

Der Stadtrat unterstützt das Juso-Anliegen und will die Cars vom Inseli verbannen und den Park vergrössern. Zudem soll das ganze linke Seeufer aufgewertet werden. Das Parlament folgt dem Stadtrat, hat aber Bedenken wegen der Zwischennutzung. Das letzte Wort hat das Volk.

Am Morgen debattierte das Stadtparlament über das Carkonzept (zentralplus berichtete) – und es ging weiter mit Verkehr und Reisebussen: Die Inseli-Initiative der Juso und die Aufwertung des linken Seeufers standen an.

Nach dem Aus der hochtrabenden Pläne eines neuen Theaterhauses auf dem Inseli unterstützt der Stadtrat nun das Juso-Anliegen «Lebendiges Inseli statt Blechlawine» von 2015 – unabhängig vom Entscheid über das Carkonzept. Und auch das Parlament ist mehrheitlich dieser Meinung: Es sprach sich mit 26 gegen 21 für ein carfreies Inseli aus – und für einen Wettbewerbskredit.

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Das heisst: 26 Parkplätze und 6 Halteplätze für Cars fallen ab 2020 weg. Die zentrale und beliebte Grünfläche wächst um einen Drittel auf total 9300 Quadratmeter.

Zwei Kredite gutgeheissen

Zuerst soll das Inseli ein paar Jahre zwischengenutzt werden, danach soll ein öffentlicher Wettbewerb zeigen, wie man das Inseli künftig definitiv nutzt und umgestaltet. Dafür hat der Stadtrat einen Kredit von 600’000 Franken beantragt. Jedoch will das Parlament, anders als der Stadtrat das vorsah, keinen Ideenwettbewerb für eine Zwischennutzung. Was das genau heisst, wird sich noch weisen. Gar keine oder eine andere Zwischennutzung?

Das Inseli soll nicht isoliert, sondern innerhalb einer Aufwertung des gesamten linken Seeufers betrachtet werden. In einer Testplanung zwischen 2018 und 2020 sollen drei Teams neue Ideen entwickeln für das Boom-Gebiet zwischen KKL und Richard-Wagner-Museum. Dafür will die Stadt 775’000 Franken ausgeben. Auch dieser Kredit ist vom Parlament mit 23 gegen 21 Stimmen äusserst knapp genehmigt worden.

Gut oder schlecht investiertes Geld?

Das linke Seeufer war umstritten, viele Parlamentarier sehen keinen Handlungsbedarf – etwa die Grünen. Sie sprachen sich gegen den Kredit aus, weil sie sich sorgten, dass beliebte Areale überbaut und aufgewertet würden. «Es ist tipptopp so, wie es ist», so die Grünen-Fraktionschefin Korintha Bärtsch. Die FDP wünscht sich zwar mehr Aufmerksamkeit für das Gebiet, war aber auch gegen den Kredit. Und auch die SVP wehrte sich gegen das Prädikat «Schmuddelecke».

«Das linke Seeufer hat ein grosses Potenzial zur Aufwertung.»

Thomas Schärli, CVP-Grossstadtrat

Der SP hingegen gefällt die stadträtliche Stossrichtung – die Partei fordert vor allem Verbesserungen für Fussgänger und Velofahrer. «Der Kredit ist gut investiertes Geld», so Fraktionschef Nico van der Heiden. Auch die CVP findet das Vorgehen richtig. «Das linke Seeufer hat ein grosses Potenzial zur Aufwertung», sagte CVP-Parlamentarier Thomas Schärli. Die Testplanung sei das richtige Instrument. Und auch die GLP-Fraktion sprach sich für die Aufwertung aus.

Parlamentarische Debatte um den FC Kickers

Stadtpräsident Beat Züsli war erstaunt über das viele Lob für das Gebiet: «Es hat eine Gesamtbetrachtung verdient, die Aufenthaltsqualität ist dort nicht gut.» SPler Claudio Soldati outete sich schliesslich noch als FC-Kickers-Fan und forderte, dass der Fussballplatz im Tribschengebiet beim Treibhaus erhalten bleibt. Dieser Antrag sorgte für teilweise erheiternde Voten, die Meinungen gingen – wie im Fussball üblich – diametral auseinander. Eine Mehrheit hatte aber kein Herz für den FC Kickers und lehnte den Antrag ab.

Erfolglos war schliesslich auch ein Antrag der linken Seite, dass man im Konzept auf weitere Parkhäuser verzichtet – die bürgerlichen Politiker wehrten sich erfolgreich gegen dieses «Denkverbot».

Kontroverse um das Inseli

Spannend war schliesslich die Debatte um die Juso-Initiative «Lebendiges Inseli statt Blechlawine». Der Stadtrat ist der Meinung, dass die Cars nicht auf das Inseli angewiesen sind, die Määs mit ihren rund 400’000 Besuchern hingegen soll bleiben können, solange es keinen geeigneten Ersatz gibt. Manuela Jost bekannte sich vor dem Parlament ausdrücklich zur Määs und den zwei Sommerbars. «Ich hoffe, die Medien haben das gehört», sagte sie.

«Wir sind gegen eine neue Spielwiese auf dem Inseli.»

Urs Zimmermann, SVP-Grossstadtrat

Einig war man sich im Parlament über den Wert des Freiraums Inseli. Die FDP-Fraktion ist aber, solange man keine Ersatz-Carparkplätze hat, «schweren Herzens» gegen die Initiative. Die CVP ist gespalten, steht aber mehrheitlich hinter einer Umnutzung des Inselis. Aber: Es brauche weiterhin Car-Halteplätze in der Nähe des Bahnhofs und des KKL, so Fraktionschefin Mirjam Fries. Die SVP sprach sich klar «gegen eine neue Spielwiese auf dem Inseli aus», so Urs Zimmermann.

Das Inseli von oben: Dort, wo jetzt noch Cars stehen, soll bald Platz für neue Ideen geschaffen werden.

Das Inseli von oben: Dort, wo jetzt noch Cars stehen, soll bald Platz für neue Ideen geschaffen werden.

(Bild: Emanuel Ammon/Aura)

Kompromissvorschlag der SP

Anders bei der SP und den Grünen: Yannick Gauch freut sich über das «zielstrebige Vorgehen des Stadtrates». Er appelliert an Innovation und Mut für neue Lösungen auf dem Inseli. Aber: Eine Zwischennutzung soll es erst geben, wenn man eine Lösung für die Cars gefunden habe – dies als Kompromiss in Richtung CVP. Korintha Bärtsch der Grünen hofft, dass aus dem Inseli kein «hypergestalteter Raum oder ein Disney-Land» wird, sieht aber einer Umgestaltung positiv entgegen.

Die GLP-Fraktion sprach sich zwar für ein lebendiges und grösseres Inseli aus, war aber nach dem morgendlichen Entscheid gegen den Ausbau der Carparkplätze im Brüelmoos gespalten. Stadtrat Adrian Borgula rief in Erinnerung, dass der Entscheid gegen einen Ausbau der Carparkplätze im Brüelmoos nicht direkt mit dem Abbau beim Inseli zusammenhängt – man werde neue Lösungen finden.

Es bleibt noch die Volkshürde

Das Inseli inklusive Carparkplatz wurde bereits mit der neuen Bau- und Zonenordnung als Grünzone definiert – die planungsrechtliche Voraussetzung für ein Inseli ohne Cars ist bereits geschaffen.

Noch ist die letzte Hürde nicht genommen: Die Volksabstimmung findet voraussichtlich am 24. September statt. Trotzdem spriessen die Ideen bereits, was auf dem vergrösserten Inseli passieren könnte – der Ideenwettbewerb ist lanciert (zentralplus berichtete).

Sagt nach dem Parlament auch das Volk Ja, soll es schnell gehen: Ab 2019 sollen die Carparkplätze auf dem Inseli abgebaut werden, ab 2020 könnte das Inseli bereits carfrei sein.

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