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Das leichte Hotel-Märchen beginnt im «Schweizerhof»
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Das Grandhotel im Luzerner Theater wird zur etwas anderen Märchenbühne. (Bild: Luzerner Theater)

Operette mit Heidi Maria Glössner feierte Premiere Das leichte Hotel-Märchen beginnt im «Schweizerhof»

3 min Lesezeit 27.10.2019, 11:26 Uhr

Eine Operette über den schnellen Tourismus, und wie ein Grandhotel versucht, diesem Paroli zu bieten, feierte am Samstag im Luzerner Theater Premiere. Heidi Maria Glössner in der Hauptrolle weiss, in diesem Stück zu überzeugen. Zuvor konnten sich die Besucher im Grandhotel Schweizerhof in passender Atmosphäre einstimmen lassen.

Das «Märchen im Grandhotel» wird im Luzerner Theater bis 13. März 2020 zu sehen sein. Die Lustspieloperette in zwei Akten wurde vom jüdisch-ungarischen Operettenmeister Paul Abraham 1934 komponiert.

Die Zusammenarbeit des Grandhotels Schweizerhof mit Regisseur Bram Jansen bietet dabei nicht nur eine neue Inszenierung, sondern auch einen Querschnitt durch die schillernde Luzerner Tourismusgeschichte an.

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Die Theaterbesucher werden also im «Schweizerhof» Luzern schon vor den jeweiligen Aufführungen ein wenig Grandhotel-Atmosphäre spüren können. Und dies während eines Champagner-Apéros und eines 3-Gang-Dinners mit Sängern, die für musikalische Intermezzi sorgen.

Spritzige Nummernrevue mit schönen Melodien

Zum Stück: Im «Märchen im Grandhotel» (von den Librettisten Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda) bedient sich Paul Abraham traditioneller, wenig tiefgründiger, nur zur reinen Unterhaltung vorgesehener Stilelemente der klassischen Operette. Er komponiert ein glitzerndes Werk der leichten Muse, das er aber mit anderen Musikmerkmalen bereichert.

Die Hotelangestellten überlegen, wie sie die Romantik des Grand Hotels erhalten können.

Präziser gesagt, fusioniert Abraham Operette, Musical und Varieté zu einer spritzigen Nummernrevue. Etwas von Lehars Walzer und Operettenschmelz und auch ein bisschen knackigen Jazz; ungarisches Liedgut und Kolorit, die modernen Tänze Foxtrott und Tango; Wiener Finesse und Berliner Biss; schöne Melodien mit Evergreen- und Ohrwurmcharakter sowie musikalische Einfälle, welche oft, wenn auch nicht immer, effektvoll, manchmal auch irritierend klischeehaft instrumentiert sind. Alles gekonnt verbunden zu einem unverkennbaren Cocktail.

«Märchen im Grand Hotel» – worum es geht

Das Leben im traditionsreichen Grandhotel, ein Sehnsuchtsort der Belle Époque, scheint, unter dem schnellen Tagestourismus einerseits und dem möglichen Verkauf an einen ominösen Investor anderseits, im Begriff zusammenzubrechen. Was tun, um das zu verhindern? Wäre vielleicht ein Film über eine romantische Liebesgeschichte zwischen einem Kellner und einer Prinzessin eine super Idee?

Stark: Heidi Maria Glössner als Isabella.

Wäre «Etwas Exotisches, Erotisches, Pikantes, doch nicht zu Riskantes (…) und das Wichtigste das Happy-Happyend», das mit der passenden Traumkulisse durch eine Drehbuchautorin und Kino-Sound-Spezialistin produziert würde, nicht das Beste, um dem Hotel zu neuem Glanz zu verhelfen und einen Beitrag zur Sanierung von dessen Finanzen zu leisten? Ja, dies wäre sicher das Richtige. Alle Hotelangestellten – von den Reinigungskräften bis zu den Rezeptionisten und Hostessen – werden daher in die Realisierung dieser kolossalen Marketingidee einbezogen. Und das gewagte Unterfangen, obwohl ohne grosse Personencharakterisierung und ohne hintergründige Andeutungen und Zweideutigkeiten, entwickelt sich doch zu einer spannenden, packenden Geschichte, deren Happyend wir natürlich nicht verraten.

Ansprechende Leistung von Interpreten und Orchester

Besonders beeindruckend ist Heidi Maria Glössner, die sich schauspielerisch und auch sängerisch bestens in die Rolle der Protagonistin Isabella einfügt. Primär dank ihrer starken Präsenz gelingt es, das Publikum 2 Stunden lang zu involvieren. Auch Samuel Streiff überzeugt durchaus als Kellner Albert, der sich Hals über Kopf, unerwidert, in Isabella verliebt hat; er arbeitet als Bediensteter, ist aber in Tat und Wahrheit der Sohn des Hoteldirektors. Gut sind auch Tora Augestad mit aparter Stimme und smartem Look als Marylou, Jason Cox als Direktor Chamoix, Robert Maszl als Andreas. Sehr lustig sind Vuyani Mlinde als Lossas und als Inez in einer Transen-Glanznummer sowie alle Solistinnen und Solisten des Luzerner Theaters. Mit Elan und Präzision dirigiert William Kelley das Luzerner Sinfonieorchester.

Das zahlreiche Luzerner Publikum bejubelte Samstagabend alle Teilnehmenden, aber besonders Heidi Maria Glössner, das Orchester und den Maestro.

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