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«Das Lädelisterben kann einen nicht kalt lassen»
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Josef Williner vor den Läden in der Luzerner Altstadt. (Bild: les)

Neuer Präsident für Luzerner City Vereinigung «Das Lädelisterben kann einen nicht kalt lassen»

5 min Lesezeit 01.05.2018, 00:27 Uhr

Mit Josef Williner hat die City Vereinigung Luzern einen neuen Präsidenten. Der 62-Jährige kämpft für eine Lockerung bei den Ladenöffnungszeiten. Und will trotz seiner früheren Tätigkeit bei einem Luzerner Uhren-Riesen auch ein offenes Ohr für Kleinbetriebe haben.

Diesen Montag wurde Josef Williner zum neuen Präsidenten der City Vereinigung Luzern (CVL) gewählt. Er folgt auf André Bachmann, der die Organisation interimistisch führte, nachdem der langjährige Präsident Franz Stalder vor knapp einem Jahr verstorben ist (zentralplus berichtete).

Er wolle die City Vereinigung im Geiste von Franz Stalder weiterführen, sagt der 62-Jährige. Die beiden kannten sich lange und starteten ihre Detailhandelskarrieren im selben Unternehmen. zentralplus trifft Williner, der sich als parteilos bezeichnet, zum Gespräch in der Luzerner Altstadt.

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zentralplus: Die Mall of Switzerland konnte diesen Montag den zweimillionsten Besucher begrüssen. Was sagen Sie zur neuen Konkurrenz in Ebikon?

Williner: Ich halte vorab fest: Auf die Mall hat niemand gewartet. Aber sie ist hier und das gilt es zu akzeptieren. Jetzt könnte man sich gegenseitig bekämpfen oder gemeinsam an einen Tisch sitzen und herausfinden, wo es Synergien gibt. Ein Shuttlebus ist eine Idee. Schlussendlich müssen wir es schaffen, dass der Konsument in der Zentralschweiz einkauft und nicht irgendwo im Ausland.

zentralplus: Sie wurden diesen Montag als neuer Präsident der City Vereinigung gewählt. Was bedeutet die CVL für Sie?

Josef Williner: Es ist jene Organisation, welche die Interessen des Detailhandels vertritt. Wir bringen uns aktiv und konstruktiv in den unterschiedlichsten Gremien der Stadt Luzern ein. Wir haben klare Positionen und vertreten die Interessen unserer Mitglieder.

zentralplus: Wie tickt die City Vereinigung?

Williner: Wichtig ist das Zusammengehörigkeitsgefühl. Die Gemeinschaft und die Solidarität untereinander geben eine gewisse Durchschlagskraft. Damit wollen wir uns fürs Gewerbe einsetzen. Ein funktionierender Detailhandel ist die Quelle für eine lebendige Stadt. Dieser Verantwortung sind wir uns bewusst.

«Wir müssen den Unternehmen mehr Freiheit geben.»

zentralplus: Sie sprechen vom Einsatz fürs Gewerbe und klaren Positionen. Das wird rasch politisch.

Williner: Im Vorstand brauchen wir ein offenes Ohr für die Inputs unserer Mitglieder. Uns ist eine gute Zusammenarbeit mit den politischen Gremien wichtig, wo wir unsere Anliegen einbringen können. Das Zusammenspiel zwischen Tourismus, Wirtschaft und der Stadt muss funktionieren.

Zur Person

Josef Williner (62) wuchs im Luzerner Seetal auf und wohnt mittlerweile auch wieder da. Seine berufliche Laufbahn startete er bei Manor. 33 Jahre war er für den Detailriesen in unterschiedlichen Gebieten der Schweiz tätig. Daraufhin war Williner während zwölf Jahren Direktor von Bucherer. Im vergangenen Jahr entschied er sich, beruflich etwas kürzer zu treten, um mehr Zeit für seine Hobbies Sport und Reisen zu haben.

zentralplus: Es gibt verschiedene Player im Umkreis des Detailhandels. Etwa die Gewerbeverbände von Stadt und Kanton Luzern, der Detaillistenverband oder der Verband Luzerner Unternehmen. Wo würden Sie die CVL einordnen?

Williner: Jede Organisation hat ihre Berechtigung und es ist wichtig, dass man zusammensitzt und gegenseitig profitiert. Erst kürzlich haben wir mit dem Detaillistenverband das Thema Ladenöffnungszeiten besprochen, hier suchen wir gemeinsam nach einem möglichen Konsens. Wir wünschten uns hier Lockerungen des aktuellen Regimes – der Detaillistenverband ist zurückhaltender.

zentralplus: Was heisst das konkret?

Williner: Der Zeitpunkt ist gekommen, in dem man zwischen Stadt und Land differenzieren muss. Gerade in einer Touristenstadt hat man nicht die gleichen Bedürfnisse wie auf dem Land. Wir verspielen eine grosse Chance, wenn wir am Samstag um 16 Uhr unsere Läden schliessen müssen. Hier gilt es, den Übergang in die Freizeitbeschäftigung zu verbessern. Die Leute sollen sich länger in der Stadt aufhalten. Auch die Gastronomie würde profitieren, davon bin ich felsenfest überzeugt.

zentralplus: Das klingt klassisch wirtschaftsliberal.

Williner: Wir müssen den Unternehmen mehr Freiheit geben. Der Bäcker will seine Kunden morgens um sieben bedienen. Ein Kleidergeschäft will vielleicht erst um zehn Uhr öffnen, dafür am Abend etwas länger geöffnet haben. Wir wollen den Unternehmergeist fördern. Und noch was: Kein Geschäft hat geöffnet, wenn es nicht rentiert. 

zentralplus: Der Gewerkschaftsbund kritisiert diese Haltung, fürchtet sich vor einer 24-Stunden-Shoppinggesellschaft und sieht gar kein Bedürfnis (zentralplus berichtete).

Williner: Klar ist ein Bedürfnis vorhanden, das sieht man im Bahnhof exemplarisch. Als Touristenstadt haben wir hier eine spezielle Rolle. Mit 8,8 Millionen Tagestouristen und 1,3 Millionen Übernachtungen jährlich ist das Potential für den Detailhandel riesig. Die Uhrenindustrie kann hier von längeren Öffnungszeiten profitieren, dies ist einer der Erfolgsfaktoren. Die Möglichkeit, die Öffnungszeiten den Kundenbedürfnissen anzupassen, sollten wir allen geben. Ich möchte jedoch auch gleich relativieren, dass wir keine Öffnungszeiten bis 22 Uhr anstreben.

zentralplus: A propos Uhren: Sie waren zwölf Jahre lang beruflich für Bucherer tätig (siehe Box). Welche Erfahrungen nehmen Sie mit?

Williner: Es war eine spannende und sehr dynamische Zeit. Das Einkaufsverhalten und die Nationalitäten der Kunden haben sich verändert. Und der Kunde wurde viel mündiger. Mir wurde einmal mehr klar: Luzern ist eine grossartige Stadt. Der Warenmix ist einzigartig. 

«Wir müssen es schaffen, dass der Konsument in der Zentralschweiz einkauft und nicht irgendwo im Ausland.»

zentralplus: Sie kommen von einem Grossunternehmen und führen künftig die CVL mit vielen Kleinunternehmen. Sprechen Sie deren Sprache?

Williner: Ob gross oder klein, das kann und darf mich gar nicht interessieren. Beide gehören dazu. Je grösser dieser Mix ist, desto attraktiver ist eine Innenstadt. Auch wenn mir der Begriff «Grosse» nicht gefällt, so muss man festhalten, dass gerade diese Firmen viele Leute in die Stadt bringen. Hier gehören auch Migros, Manor, Globus oder Coop dazu. Aber noch einmal: entscheidend ist der Warenmix.

zentralplus: Oft hört man von Schwierigkeiten des Detailhandels oder dem «Lädelisterben». Ist dieses Bild zu negativ?

Williner: Das «Lädelisterben» kann einen nicht kalt lassen. Aber man muss schon kritisch anmerken, dass viele, die laut aufschreien, gar nie in diesen Läden einkaufen waren. Auch der Kunde ist mitverantwortlich für die Lage der lokalen Geschäfte. Ich denke jedoch schon, dass wir die Tendenz haben, alles eher negativ zu betrachten. Denn Herausforderungen gab es auch schon vor zehn oder zwanzig Jahren. Wichtig ist, dass man flexibel bleibt. Und wer optimistisch in die Zukunft schaut, vermittelt eine ganz andere Botschaft: Leidenschaft, Herzblut und Begeisterungsfähigkeit.

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