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Das kurze und rassistische Leben einer Facebook-Seite
  • Gesellschaft
Trotz vielen Followern: Die erste Facebook-Seite zum Löwen Ebikon wurde schon nach kurzer Zeit wieder offline gestellt. (Bild: Screenshot )

Zwischennutzung des Löwen Ebikon Das kurze und rassistische Leben einer Facebook-Seite

2 min Lesezeit 17.12.2014, 05:51 Uhr

Nur etwas mehr als acht Stunden hatte gestern die Facebook-Seite «Nein zum Asylzentrum im Löwen» Bestand. Dann wurden Teile davon gelöscht, in Kürze soll sie ganz verschwinden. Grund sind rassistische Äusserungen.

Der seit kurzem geschlossene Löwen in Ebikon soll als Asylzentrum zwischengenutzt werden. In den Hotelzimmern sollen ab Mitte Februar bis zu 60 Asylbewerber Unterkunft finden (zentral+ berichtete).

Braunes Gedankengut

Schon kurze Zeit nachdem die Pläne von Kanton und Gemeinde gestern bekannt gemacht wurden, machte sich erster Widerstand breit. Die Facebook-Gruppe «Nein zum Asylzentrum Löwen» sah das Kulturgut in Ebikon in Gefahr. Innerhalb weniger Stunden brachte es die Seite auf 417 Follower. Darunter auch solche, die den Rahmen des rechtlich Zulässigen sprengten. Speziell ein User namens «Meister Esox» brachte mit rassistischen Kommentaren andere Nutzer gegen sich auf. Aber auch andere Kommentarschreiber wünschten sich Befürworter des Asylzentrums nach Syrien oder in den Irak. Da brachte es wenig, dass eine Nachbarin des Asylzentrums Hirschpark die Leute zu vorweihnachtlicher Nächstenliebe aufrief. 

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Gerade einmal acht Stunden nach dem Aufschalten hatte der Betreiber der Seite genug: Eine erste Vorankündigung, laut der die Seite um 18 Uhr wieder vom Netz sollte. Später dann waren Teile der Seite weg, und die Ankündigung, dass sie Ende Monat ganz gelöscht werde, kam hinzu. In der Zwischenzeit folgten der Seite noch einmal fast 200 weitere Personen. 

Überrascht hätten ihn die Kommentare nicht, sagt der Betreiber der Seite, der Ebikoner Philippe Bösch. «Doch die Gruppe ging in eine falsche Richtung und mir liegt primär der Kulturpunkt Löwen am Herzen.» Er wolle mit seinem Anliegen auf politisch neutraler Ebene sachlich vermitteln und nicht mittels braunem Gedankengut, sagt Bösch.

«Kulturelles Gedankengut von Ebikon»

Er sei nicht gegen ein Asylzentrum und begrüsse jeden Menschen in Ebikon. «Doch war das Hotel Löwen ein Treffpunkt für Jung und Alt. Ein kulturelles Grundgut von Ebikon sozusagen und es wäre schade, wenn man daraus ein Asylzentrum machen würde.» Aus diesem Grund könne er sich auch vorstellen, gegen die Pläne der Behörden aktiv vorzugehen und ein Komitee oder eine Arbeitsgruppe zu gründen.

Denn: «Um den Kulturstandort zu erhalten, muss man halt die richtigen Weichen stellen, bevor es unbekannte Ausmasse animmt.» Damit meint Bösch, der im Löwen 2006 seine Kochlehre abschloss, die Gründung einer neuen Facebook-Seite. Diese heisst nun «Ja zum Kulturstandort Löwen», was ja auch etwas positiver klinge. Dazu hätte er die Ziele neu formuliert, so Bösch. Dies soll verhindern, dass die neue Seite wieder zum Tummelfeld rassistischer Sprücheklopfer wird.

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