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«Das Kribbeln geht jetzt weiter»
  • Politik
Der Zuger SVP-Kantonsrat Thomas Werner (rechts neben Ueli Maurer im Bild) bekleidet womöglich bald ein neues Amt. (Bild: zvg)

Nationalrat: Wer würde auf Aeschi folgen? «Das Kribbeln geht jetzt weiter»

4 min Lesezeit 27.11.2015, 05:00 Uhr

Mal ganz hypothetisch: Wenn Thomas Aeschi Bundesrat wird, dann wird ja wieder ein Plätzchen frei im Nationalrat. Und dann? zentral+ hat den allfälligen Thronfolger – Thomas Werner – aufgespürt und gemerkt: Viel ändern würde sich politisch wohl nicht.

Am 9. Dezember ist grosser Showdown in Bern. Die Chancen, dass ein Baarer zum Bundesrat gekürt wird, sind intakt. Viel Kritik musste Thomas Aeschi dennoch bereits einstecken (zentral+ berichtete).

Doch malen wir uns einmal ein hypothetisches Bild davon, was am Abstimmungsmittwoch passiert. Nehmen wir an, Aeschi klettert, wie er das bis jetzt immer getan hat, weiter die Karriereleiter hoch, und springt mit Anlauf zu Sommaruga und Co. aufs Podest: Was passiert dann mit Aeschis jetzigen Ämtern?

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Der Polizist aus Unterägeri

Die Antwort darauf ist einfach. Denn gemäss Regelung rückt in den Nationalrat nach, wer sich bei den Wahlen auf der SVP-Liste hinter Thomas Aeschi platzierte. Und das ist der SVP-Kantonsrat Thomas Werner, der sich mit einem Resultat von 7’206 Stimmen hinter die drei Gewählten reihte.

Werner ist verheiratet und wohnt mit seiner Familie in Unterägeri. Er arbeitet als Leiter der Fachgruppe Kinderschutz bei der Stadtpolizei Zürich.

Werner hat sich bereits Gedanken gemacht zur Möglichkeit eines unverhofften Nationalrat-Einzugs. «In einem früheren Zeitungsinterview habe ich mal gesagt: ‹Ich habe keine Chance, und darum packe ich sie.› Wenn sich mir nun die Chance tatsächlich bieten sollte, ist es für mich klar, dass ich sie ergreife», erklärt Werner.

«Ich glaube, mit Aeschis Bundesratsnomination hat überhaupt niemand gerechnet.»

Thomas Werner, Zuger SVP-Kantonsrat

Ob er gar schon bei Aeschis Nationalratswahl mit dieser Eventualität gerechnet hat? «Nein, diese Situation kommt völlig unverhofft. Ich glaube, mit Aeschis Bundesratsnomination hat damals, am 18. Oktober, überhaupt niemand gerechnet. Erst als ich einzelne Bundesratskandidaten gesehen habe, habe ich mir zu überlegen begonnen, dass Aeschi ja eigentlich der richtige Kandidat wäre. Und so haben wir das intern besprochen und ihn in Bern nominiert.»

Freude und Respekt sind da

Wie sich Werners Berufs- und Privatleben mit einem Nationalratsamt vertragen würde, ist derzeit noch unklar. «Mit meinem Arbeitgeber werden wir schon vor der Bundesratswahl Gespräche führen und Auslotungen machen. Da ich ja in einer Führungsposition sitze, muss die Möglichkeit eines Teilzeitpensums noch abgeklärt werden.» Und auch in der Familie gebe es gemischte Gefühle. «Einerseits ist da Freude, aber gleichzeitig auch Respekt. Meine Frau und Kinder sind mir eine grosse Unterstützung. Doch das wird bestimmt nicht einfach vom Zeitmanagement her.»

In die Fussstapfen des Senkrechtstarters Aeschi zu treten, der einen Harvard-Abschluss und eine steile Karriere aufweisen kann; das dürfte doch eine gewisse Verunsicherung mit sich bringen.

«Es wäre schade, wenn im Parlament nur Studienabgänger und Anwälte sässen.»

Thomas Werner, Zuger SVP-Kantonsrat

Werner verneint. «Ich bin sicher, dass ich im Rat und von der Bevölkerung akzeptiert werde, obwohl ich einen anderen Hintergrund mitbringe als Aeschi. Er wurde ja nicht wegen seines Harvard-Abschlusses gewählt, sondern wegen seines politischen Engagements.» Um im Nationalrat zu politisieren, müsse man die Basis kennen, die Bevölkerung, so Werner. «Und ich bin so etwas von einem Mittelstand-Vertreter. Das braucht es auch. Es wäre schade, wenn im Parlament nur Studienabgänger und Anwälte sässen.»

Denn bieten kann er doch einiges, findet er. «Im Bereich der Sicherheitspolitik bringe ich ganz sicher einiges mit. Ausserdem wird bei uns in der Familie privat gewirtschaftet. Darum würde ich mich dafür einsetzen, dass die Schweizer Wirtschaft weniger durch Gesetze und Bürokratie gelähmt und stattdessen gestärkt wird.»

Wie die jeweilige «Spider» der beiden Politiker zeigt, unterscheiden sich deren politische Ansichten nur minim.

Thomas Werners Spider

Thomas Werners Spider

(Bild: Printscreen vimentis.ch)

Thomas Aeschis Spider

Thomas Aeschis Spider

(Bild: Printscreen vimentis.ch)

Und wer würde der neue Zuger SVP-Präsident?

Im Falle von Aeschis Wahl zum Bundesrat würde noch ein weiteres Amt vakant. Aeschi löste im März 2015 den früheren Zuger SVP-Präsidenten Markus Hürlimann von seinem Amt ab. Dies insbesondere, damit nach der Affäre Spiess-Hegglin/Hürlimann wieder Ruhe in die Partei einkehren konnte.

«Irgendjemand muss das Amt ja übernehmen.»

Thomas Werner, Zuger SVP-Kantonsrat

Es ist naheliegend, dass auch dort Thomas Werner in die Bresche springen würde. Denn er fungiert, gemeinsam mit Beni Riedi, als Vizepräsident der Zuger SVP. Seine Begeisterung hält sich jedoch in Grenzen. «Irgendjemand muss das Amt ja übernehmen. Es würde jedoch sicher eine interne Wahl geben, und wer weiss, vielleicht drängen sich dann noch andere Kandidaten auf.»

Und Beni Riedi? Er meint nur knapp: «Falls es überhaupt so weit kommt, wird es sowieso eine demokratische Wahl geben. Aber darüber mache ich mir noch keine Gedanken. Wenn es so weit ist, beginne ich mir das zu überlegen.»

Fragen im Hinterkopf

Am 9. Dezember geht’s um die Wurst. Dass Thomas Aeschi nervös ist, ist anzunehmen. Wie geht’s Thomas Werner? «Während des ganzen Wahlkampfes war da ein Kribbeln. Und dieses geht nun unverhofft weiter. Da sind viele Fragen im Hinterkopf, etwa, wie das Nationalratsamt für mich organisatorisch umsetzbar wäre. Das ist schon ein gespanntes Warten.» Und wenn er wisse, dass es nicht klappe, könne er sich weiter auf seine bisherigen Tätigkeiten konzentrieren. «Wenn ich aber in den Nationalrat katapultiert werde, muss ich doppelt ‹a d’Seck›.»

 

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